WisdomTree
Gold Monthly
February 2026
Nitesh Shah
Head of Commodities and Macroeconomic Research, WisdomTree Europe
Nitesh Shah ist ein Finanzexperte mit über 24 Jahren Erfahrung in den Bereichen Research und Anlagestrategie. Als Head of Commodities & Macroeconomic Research bei WisdomTree Europa leitet er Marktanalysen und -einblicke für die verschiedenen Anlageklassen, wobei sein Schwerpunkt auf Rohstoffen und börsengehandelten Produkten liegt. Zuvor war er bei Moody's, HSBC Investment Bank, The Pension Protection Fund und Decision Economics tätig, wo er sein Fachwissen in den Bereichen Marktanalyse und Strategie vertiefte.
Nitesh Shah hat einen Master-Abschluss in internationaler Wirtschaft und Finanzwesen von der Brandeis University und einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der London School of Economics. Seine Einsichten werden häufig in den Finanzmedien zitiert und er ist ein gefragter Redner bei Branchenveranstaltungen. Außerdem ist er Moderator des Podcasts „Commodity Exchange“, in dem er über Trends auf den globalen Märkten spricht. Nitesh Shah begeistert sich für die Beratung von Anlegern und bietet ihnen umsetzbare Erkenntnisse, die ihnen bei der Orientierung in der komplexen Finanzlandschaft helfen.
Gold: Der Monat mit der stärksten Volatilität
Beispielloser Anstieg der Intraday-Volatilität
Freitag, der 30. Januar 2026, ging als der unbeständigste Tag für Gold in die Geschichte ein. Gemessen an der Differenz zwischen den Tageshöchst- und -tiefstständen (als Prozentsatz des Intraday-Hochs) sticht der 30. Januar deutlich hervor (Abbildung 1).
Intraday-Bewegungen des Goldpreises

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, tägliche Daten, von Januar 1994 bis Januar 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Extreme Preisschwankungen innerhalb weniger Stunden
In der letzten Januarwoche hatte Gold bereits heftige Schwankungen verzeichnet. Am 29. Januar 2026 erreichte das Edelmetall ein Tageshoch von 5.595 US-Dollar je Unze, fiel jedoch später am selben Tag wieder unter 5.200 US-Dollar. Bis zum 2. Februar war der Preis auf ein Tagestief von 4.402 US-Dollar je Unze abgestürzt, was einem Einbruch von über 1.000 US-Dollar je Unze in nur drei Handelstagen entspricht. Derartige Preisschwankungen wären normalerweise im Laufe eines Jahres zu erwarten, nicht innerhalb weniger Tage.
Die Marktunsicherheit verstärkte sich nach dem Versuch von Präsident Trump, Grönland zu übernehmen, was die geopolitischen Risikoprämien wieder anfachte. Die Rolle von Gold als defensive Anlage gewann dadurch wieder an Bedeutung. Obwohl keine unmittelbaren Zölle oder Gewaltanwendung angekündigt wurden, reagieren die Märkte weiterhin sensibel auf das Risiko, dass Spannungen erneut aufflammen könnten.
Eine weitere Quelle der Unsicherheit war die künftige Leitung der Federal Reserve, insbesondere die Frage, ob der nächste Vorsitzende als politisch unabhängig wahrgenommen werden würde. Die Ernennung von Kevin Walsh am 30. Januar hat offenbar einige dieser Bedenken ausgeräumt. Dadurch wurde ein gewisses politisches Risiko beseitigt, was zu einer deutlichen Umkehr des Goldpreises beigetragen hat.
In den letzten Handelssitzungen (11.–13. Februar) bewegte sich der Goldpreis um die Marke von 5.000 US-Dollar pro Unze und schwankte innerhalb einer Spanne von etwa ±100 US-Dollar. Ob er in dieser Bandbreite bleibt, dürfte von weiteren geopolitischen oder monetären Schocks abhängen.
Nachfrage aus Asien
Die Nachfrage aus Asien ist derzeit die treibende Kraft. Wir befinden uns in den Tagen des Mondneujahres (15.–23. Februar) – saisonal gesehen eine der stärksten Zeiten für die Goldnachfrage. Beflügelt durch die kräftige Preisentwicklung zu Jahresbeginn war die Kaufaktivität robust. Dabei wurde Gold sowohl als Kapitalanlage als auch als Schmuck geschätzt.
Die anhaltend hohen Preise könnten zwar letztendlich die Nachfrage nach Schmuck belasten, doch die Käufe im Zusammenhang mit den Festlichkeiten sind bislang stabil geblieben. Die Prämien in Shanghai sind Ende Januar sprunghaft angestiegen, scheinen sich aber nun wieder zu normalisieren.
Prämie für Shanghai-Gold

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, tägliche Daten, von Februar 2010 bis Februar 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Ein Blick auf die Kapitalflüsse bei börsengehandelten Produkten (ETPs) zeigt, dass chinesische und indische ETPs im Januar deutlich zugelegt haben. Sieben der 15 weltweit höchsten Zuflüsse in Gold-ETPs gingen in chinesische und indische Produkte.1 Seit der Kauf von Gold durch chinesische Versicherungsgesellschaften und indische Pensionsfonds im Jahr 2025 zulässig ist, scheint die Beteiligung institutioneller Anleger einen erheblichen Einfluss auf das Nachfrageniveau zu haben.
Unseres Erachtens könnte sich die Privatkunden- und Schmucknachfrage in Asien nach den Feiertagen abschwächen. Die institutionelle Nachfrage dürfte jedoch weiterhin stützend wirken, da relativ neue Anlegergruppen ihre strategischen Allokationen in Gold ausbauen.
Futures-Marktpositionierung
Die spekulative Nettopositionierung in COMEX-Gold-Futures fiel unter den zehnjährigen Durchschnitt, da Anleger in Papierwerten angesichts der Rallye und der darauf folgenden Volatilität verkauften. Was einst als wichtigster Gradmesser für die Stimmung am Goldmarkt galt, erscheint angesichts des Wachstums der asiatischen ETP-Ströme und der starken physischen Nachfrage an den außerbörslichen Märkten zunehmend unvollständig.
Spekulative Nettopositionierung in Gold-Futures

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, tägliche Daten, von Februar 2016 bis Februar 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Kauf von Stablecoins
Der aktuelle Transparenzbericht von Tether (Dezember 2025) zeigt, dass 9,05 % seiner Reserven in Edelmetallen (vermutlich überwiegend Gold) gehalten werden. Das entspricht etwa 17,5 Milliarden US-Dollar (rund 124 Tonnen) im vierten Quartal 2025 gegenüber 12,9 Milliarden US-Dollar (ca. 115 Tonnen) im dritten Quartal 2025.
Diese Entwicklung unterstreicht das Tempo, mit dem Tether Gold angehäuft hat. Bei einer geschätzten Rate von etwa drei Tonnen pro Monat könnten die Bestände von Tether inzwischen 130 Tonnen übersteigen, was es auf eine Stufe mit den Goldreserven der Zentralbanken von Ländern wie Ägypten oder den Philippinen stellt.
Geopolitische Risiken und die Entwicklung des Goldpreises
Geopolitische Risiken dürften weiterhin im Mittelpunkt des Interesses der Goldmärkte stehen. Das Jahr begann mit dem Versuch eines Machtwechsels in Venezuela, gefolgt von Präsident Trumps Forderung, Grönland unter US-Kontrolle zu stellen. Der Goldpreis stieg daraufhin wieder an.
Die Aufnahme von Atomgesprächen mit dem Iran mag zwar den geopolitischen Aufschlag auf Gold dämpfen, doch könnten die Verhandlungen Monate dauern und werden wahrscheinlich nicht reibungslos verlaufen. Die Märkte sollten daher mit weiteren Schwankungen und anhaltender Sensibilität des Goldpreises rechnen.
Unabhängigkeit der Federal Reserve
Der Oberste Gerichtshof hörte am 21. Januar 2026 Argumente bezüglich des Eilantrags der Trump-Regierung, die Entscheidungen der Vorinstanzen aufzuheben, wonach Gouverneurin Lisa Cook während ihres laufenden Gerichtsverfahrens im Amt bleiben darf.
Eilanträge werden in der Regel schneller entschieden als Fälle, die in der Hauptsache verhandelt werden – oft innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten nach der Anhörung. Daher könnte eine Entscheidung bevorstehen.
Das Urteil könnte weitreichende Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Unabhängigkeit der Federal Reserve haben. Ein Urteil, das als Stärkung der Exekutivgewalt über die Fed angesehen wird, könnte Fragen zur institutionellen Autonomie aufwerfen. Eine Entscheidung, die die Entlassungsbefugnisse des Präsidenten einschränkt, könnte indes das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Zentralbank stärken.
Für die Goldmärkte ist das von Bedeutung. Gold gilt oft als Alternative zu Fiatwährungen und als Absicherung gegen politische Unsicherheit. Jegliche Entwicklung, die das Vertrauen in den institutionellen Rahmen, auf dem die Geldpolitik basiert, wesentlich verändert, könnte den Goldpreis somit beeinflussen.
1 In Asien belief sich das Nachfragewachstum (als Anteil der Bestände) im Januar 2026 auf 14 %. Im Vergleich dazu waren es in Nordamerika 2 % und in Europa 1 %. Asien hat mit einem verwalteten Vermögen von 85 Milliarden US-Dollar einen kleineren Markt als Nordamerika mit 342 Milliarden US-Dollar und Europa mit 230 Milliarden US-Dollar. Allein im Januar 2026 flossen 9,6 Milliarden US-Dollar nach Asien, was die 7 Milliarden US-Dollar nach Nordamerika und die 2 Milliarden US-Dollar nach Europa in den Schatten stellte. Quelle: Weltgoldrat.