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Leitfaden für Rohstoffe

WisdomTree ist der Ansicht, dass Investoren stets die Risiken Ihrer Anlage vollständig verstehen sollten.

Unser Leitfaden über Rohstoffe bietet Anlegern, die mehr über Investitionen in Rohstoffe wie in Gold, Silber, Kupfer, Weizen und Kaffe erfahren möchten, eine ideale Informationsbasis.

Ergänzend zu unserer  Einführung in spezifische Fundamentaldaten für Rohstoffe erfahren Sie auf unserer Seite mehr über Faktoren und Trends, die einen Einfluss auf den Rohstoffmarkt haben, sowie Informationen, wie sie davon profitieren können.

Um mehr über einen bestimmten Rohstoff zu erfahren, wählen Sie diesen im Menü links oder in der unten stehenden Tabelle aus.

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Wie man investiert

LEITFADEN FÜR ROHSTOFFE

ROHÖL

 

Rohöl ist ein natürlicher, fossiler Brennstoff, der in bestimmten Gesteinsformationen in der Erde vorkommt. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen, die mittels Raffination zu Mineralölzeugnissen, wie beispielsweise Benzin, Kerosin, Gasöl und Schweröl, verarbeitet werden. Laut der US-amerikanischen Energy Information Administration (EIA) war Öl in den letzten Jahrzehnten die wichtigste Primärenergiequelle der Welt.

 

Weltweit werden viele unterschiedliche Varianten von Rohöl gefördert, deren Eigenschaften jeweils von den geologischen Bedingungen abhängen. Aufgrund der Vielfalt an Rohölsorten wird Öl anhand bekannter Referenzindizes bewertet und gehandelt. Die beiden wichtigsten Referenzsorten für den weltweiten Handel von Rohölterminkontrakten sind Brent-Rohöl und WTI-Rohöl (West Texas Intermediate). Beides sind leichte und süße Rohölsorten (niedrige Werte bei Dichte und Schwefelgehalt), aus denen sich ein größerer Anteil leichter Produkte wie Benzin, oder Kerosin gewinnen lässt als aus anderen Sorten, und dafür nicht so stark raffiniert werden müssen.

Die Preise von Rohöl werden durch ein kompliziertes Geflecht aus angebots- und nachfrageseitigen Einflüssen, geopolitischen Ereignissen und dem zunehmend stärkeren Handel an den Kassa- und Terminmärkten bestimmt. Auch das Verhalten der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) kann den Ölpreis erheblich beeinflussen.

Marktübersicht

Zwischen 2002 und 2012 nahm die Rohölförderung weltweit um 15 Prozent1 zu , wobei der größte Anstieg im Nahen Osten verzeichnet wurde (wo einige große OPEC-Produzenten sitzen). Hier erhöhte sich das Angebot um 29 Prozent1. Im Jahr 2012 waren Saudi-Arabien, Russland und die USA die drei größten Ölproduzenten (siehe Abbildung 1). Von 1988 bis 2008 ging das Ölangebot in den USA um 44 Prozen1. Dieser Trend kehrte sich jedoch im Jahr 2009 um, da die Förderung von Schieferöl (auch als Light Tight Oil bezeichnet) und andere technische Entwicklungen die US-Produktion zwischen 2008 und 2012 um 23 Prozent1 steigen ließen. Die USA werden Saudi-Arabien voraussichtlich im Jahr 2016 als größter Ölproduzent der Welt ablösen2. Auch wenn die Gesamtproduktion der Nicht-OPEC-Staaten in diesem Zeitraum zunehmen dürfte, wird die OPEC – und insbesondere Saudi-Arabien – vermutlich der wichtigste Ausgleichsproduzent (Swing Producer) der Welt bleiben.

Abbildung 1: Weltweites Rohölangebot, 2012

Quelle: BP Statistical Review of World Energy 2013
In den vergangenen zehn Jahren hat der Ölverbrauch weltweit um 14 Prozent1 zugenommen, wobei die stärksten Anstiege im Nahen Osten und im asiatisch-pazifischen Raum verzeichnet wurden. Die Länder mit dem höchsten Ölverbrauch waren 2012 die USA und China (siehe Abbildung 2). In China stieg die Nachfrage zwischen 2002 und 2012 um 94 Prozent1, während der Verbrauch in den USA dagegen zurückging. Der Verbrauch in den Nicht-OPEC-Staaten wird künftig voraussichtlich stark von der wirtschaftlichen Entwicklung in Asien beeinflusst werden. Dabei dürfte der stärkste absolute Nachfrageanstieg von China und Indien ausgehen und zwischen 2010 und 20402 verzeichnet werden2. Auch der Verbrauch in den OPEC-Staaten im Nahen Osten dürfte zunehmen. Hier sind vermutlich das Bevölkerungswachstum, steigende Löhne und eine höhere Industrieproduktion die Gründe.

Abbildung 2: Weltweite Rohölnachfrage, 2012

Quelle: BP Statistical Review of World Energy 2013
Öl ist derzeit der am meisten gehandelte Rohstoff weltweit. Der Welthandel hat in den letzten zehn Jahren um 24 Prozent1 zugenommen, wobei 86 Prozent1 des weltweiten Anstiegs des Handelsvolumens im Jahr 2012 auf die Netto-Ölimporte von China entfielen. Die größten Importeure von Öl waren 2012 die USA, Europa und Japan (siehe Abbildung 3). Der Import von Öl in den USA geht seit 2008 zurück, und dieser Trend könnte mit der zunehmenden nationalen Förderung und der sinkenden Nachfrage infolge der wachsenden Kraftstoffeffizienz anhalten. Japan ist dagegen stark auf die Einfuhr von Öl angewiesen: 2012 wurden 99,4 Prozent1 des japanischen Ölverbrauchs mit Importen gedeckt.

Abbildung 3: Weltweite Rohölimporte nach Ländern, 2002-2012 (tsd. Barrel pro Tag)

Quelle: BP Statistical Review of World Energy 2013
Es wird prognostiziert, dass die USA ihren Bedarf an Ölimporten aufgrund des anhaltenden technischen Fortschritts und der zunehmenden Ölförderung im eigenen Land möglicherweise verringern können und künftig eventuell eine größere Rolle als Exporteur spielen werden. Unterdessen werden die Exporte aus dem Nahen Osten und Russland, den derzeit bedeutendsten Exporteuren von Rohöl (siehe Abbildung 4), voraussichtlich weiterhin dazu beitragen, die steigende Ölnachfrage in Asien bedienen zu können.

Abbildung 4: Weltweite Rohölexporte nach Ländern, 2002-2012 (tsd. Barrel pro Tag)

 

Quelle: BP Statistical Review of World Energy 2013

Wichtige Faktoren und Trends

Die OPEC ist eine zwischenstaatliche Organisation von zwölf ölexportierenden Ländern, die versuchen, durch eine koordinierte und einheitliche Ölpolitik ihre Förderung zu steuern. Gegenwärtig entfallen rund 40 Prozent der globalen Ölversorgung und 60 Prozent des weltweiten Handels mit Rohöl auf die Mitgliedstaaten der OPEC. Somit können sich Schwankungen des Marktanteils und die überschüssigen Förderkapazitäten der OPEC auf den Rohölpreis auswirken. Zudem können geopolitische Probleme in bestimmten OPEC-Ländern das Angebot kurzfristig verknappen, was häufig zu einem starken Anstieg der Ölpreise führt.

Abbildung 5: OPEC: überschüssige Rohöl-Förderkapazität (Mio. Barrel pro Tag)


Quelle: EIA, Short-Term Energy Outlook, February 2013
Das starke Wachstum der Schieferöl- und Ölsandförderung in Nordamerika hat das globale Ölangebot seit 2012 gestützt und rückläufige Fördermengen der Ölfelder der Nordsee zum Teil kompensiert. Einen besonders starken Einfluss auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat das Wachstum der Schieferölförderung in den USA, da 80 Prozent des Nicht-OPEC-Angebots aus den USA stammen. Außerhalb der USA steckt die Schieferölförderung noch in den Kinderschuhen. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass es weltweit verteilt große Vorkommen an Schieferöl gibt, die sich technisch fördern lassen.
Öl wird weltweit gehandelt, und der Preisunterschied zwischen US-amerikanischem Rohöl und international gehandelten Referenzsorten war bis vor kurzem noch recht gering. In der Vergangenheit notierten WTI- und Brent-Rohöl fast auf dem gleichen Niveau, aber in den letzten zwei Jahren hat sich der Preisunterschied (Spread) mehrmals sowohl ausgeweitet als auch verringert (siehe Abbildung 6 unten). Verantwortlich für die jüngsten Schwankungen des WTI-Brent-Spread waren im Wesentlichen zwei Faktoren: strukturelle Veränderungen mit steigender Förderung in Nordamerika und geopolitische Instabilität im Nahen Osten.
Eine wichtige Rolle in der weltweiten Ölversorgung spielt der Einsatz von gelagerten Ölbeständen, den sogenannten Ölvorräten, um Angebotsengpässe auszugleichen. Anders als bei anderen Rohstoffen können Ölproduzenten neben neu gefördertem Öl auch auf Vorräte zurückgreifen, um die Nachfrage zu decken. Damit können etwa unerwartete Angebotsengpässe aufgrund von geopolitischen Krisen überbrückt werden. Als Teil der Angebotsmenge sind die Ölvorräte oft ein guter Indikator für den vom Markt ausgehenden Druck auf den Ölpreis.

Anlagen

Anleger, die in Öl investieren möchten, können dies über börsennotierte Unternehmen aus den Sektoren Ölexploration, -produktion und -handel tun. Die Vielfalt der gehandelten Ölaktien ist groß, und auf dem Markt für Ölaktien finden sich unter anderem große Ölunternehmen wie ExxonMobil, Royal Dutch Shell und BP.
Es gibt zwei wesentliche Referenzsorten für Rohöl: WTI und Brent. Terminkontrakte für Rohöl werden an verschiedenen Börsen gehandelt, von denen die größten die Warenterminbörse NYMEX der CME Group sowie die ICE und DME sind. Die beiden liquidesten Terminkontrakte sind der NYMEX WTI Crude Oil Future („CL“) und der ICE Brent Crude Future („B“). Die Kontraktgröße für beide Futures entspricht jeweils 1.000 Barrel, und ihr Preis wird in US-Dollar und -Cent je Barrel angegeben. Gehandelt werden sie zwischen 9.00 Uhr und 14.30 Uhr ostamerikanischer Zeit (Eastern Time).

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia)

Zahlreiche Rohöl-ETPs bilden Indizes nach, mit denen ein kontinuierliches Engagement in Rohöl-Futures und ihren Erträgen simuliert wird. Eine Investition am Kassamarkt für Rohöl ist aus Anlagesicht ungeeignet, da der Rohstoff dann physisch gehalten werden müsste. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Rohölterminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Den Anlegern stehen diverse ETPs zur Verfügung, mit denen sie ein kontinuierliches Engagement in Rohöl-Futures und den entsprechenden Erträgen simulieren können. Mit ETPs können sich Anleger sowohl in den nächstfälligen als auch in länger laufenden WTI- und Brent-Futures und -Indizes engagieren, die ihr Engagement je nach Preis und fundamentalen Faktoren anpassen. Beispiele dafür sind die Brent Oil Futures (1 Monat, 1 Jahr, 2 Jahre) und die Rohöl-Subindizes Dow Jones-UBS Brent und Dow Jones-UBS WTI.

Preis

Abbildung 6: Preise von Brent- und WTI-Rohöl

Quelle: Bloomberg

  • 1.BP Statistical Review of World Energy 2013
  • 2.Internationale Energieagentur (IAE): World Energy Outlook 2013
  • 3.US-EIA, Energy & Financial Markets: What Drives Crude Oil Prices

ERDGAS


Erdgas ist ein fossiler, gasförmiger Brennstoff, der in Reinform farb-, form- und geruchlos ist. Es handelt sich dabei um ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffgasen, das in erster Linie aus Methan besteht. Erdgas ist brennbar, verbrennt sauber und hat einen hohen Energiegehalt.

Erdgas wird in Gasquellen auf der ganzen Welt gefördert und normalerweise in Pipelines transportiert. Ist ein Pipeline-Transport nicht möglich, z. B. über große Entfernungen, wird Erdgas in Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) umgewandelt. Dazu wird es stark abgekühlt, als Flüssigkeit auf Tankschiffen transportiert und schließlich am Zielhafen mittels Erwärmung wieder in seinen gasförmigen Zustand zurückverwandelt. Bevor Erdgas als Brennstoff verwendet werden kann, ist eine umfangreiche Verarbeitung erforderlich.

Erdgas wird vor allem zum Heizen und zur Stromerzeugung verwendet und kommt in den Branchen Papier- und Zellstoffe, Metalle, Chemie, Erdölraffination, Stein, Kies und Glas, Kunststoffe sowie in der Lebensmittelverarbeitung zum Einsatz. Außerdem ist Erdgas ein wichtiger Rohstoff für die Produktion von Ammoniak, das zur Düngemittelherstellung verwendet wird. Nachdem Erdgas ursprünglich als Nebenprodukt der Ölexploration galt, hat es sich mittlerweile zu einer effizienten, umweltfreundlichen und günstigen Alternative für Rohölprodukte entwickelt.

Marktübersicht

In den letzten zehn Jahren ist die weltweite Erdgasförderung um 33 Prozent gestiegen1. Die beiden größten Erdgasproduzenten sind die USA und Russland. Sie waren im Jahr 2012 zusammen für 38 Prozent1der weltweiten Gesamtproduktion verantwortlich (siehe Abbildung 1). Regional entfällt ein Großteil des Angebotsanstiegs auf die wachsende Förderung im Nahen Osten, wo die Erdgasmenge seit 2002 um 121 Prozent1 zugenommen hat. In einigen europäischen Staaten ist sie dagegen in den letzten zehn Jahren zurückgegangen, während die Förderung in Russland nur moderat gestiegen ist. Die USA produzierten in den Jahren 2010/2011 und 2011/2012 dagegen 7 Prozent1 bzw. 5 Prozent1 mehr Erdgas, was auf die zunehmende Gewinnung von Schiefergas zurückzuführen war. Die Schiefergasförderung ist eine entscheidende Ursache für den deutlichen Rückgang der Erdgaspreise in den USA.


 Abbildung 1: Erdgasangebot nach Region

 

Quelle: BP Statistical Review of World Energy 2013
Erdgas verzeichnet von allen fossilen Brennstoffen die weltweit am stärksten wachsende Nachfrage. So wird von 2010 bis 2040 mit einem Anstieg des Verbrauchs um 64 Prozent2 gerechnet, der zu einem Großteil auf der Nachfrage in den Entwicklungsländern beruht. Die größten Erdgasabnehmer sind die USA und Russland. Sie waren im Jahr 2012 zusammen für 34 Prozent1 der weltweiten Gesamtnachfrage verantwortlich (siehe Abbildung 2). Der Anteil von China am globalen Verbrauch ist zwar mit rund 4 Prozent nur relativ gering, allerdings ist die chinesische Nachfrage in den letzten zehn Jahren um 392 Prozent gestiegen1. Dies verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Konjunkturentwicklung und Erdgasverbrauch. Erdgas gilt als umweltfreundlicher als beispielsweise Kohle und wird in erheblichem Umfang in der Energieversorgung sowie in der Industrie verwendet. Beide Branchen sind zusammen für 77 Prozent2 des prognostizierten Anstiegs des weltweiten Verbrauchs zwischen 2010 und 2040 verantwortlich.

Abbildung 2: Erdgasnachfrage nach Region
 

Quelle: BP Statistical Review of World Energy 2013

Der Erdgashandel durchläuft gerade eine Phase der Veränderung, die durch die Einführung neuer Fördermethoden bedingt ist, darunter die Exploration von Schiefergas und LNG. Zwischen 2000 und 2010 hat sich der Handel mit LNG mehr als verdoppelt2. Im Jahr 2012 ging der Großteil der Erdgasexporte in den asiatisch-pazifischen Raum, wobei Japan nach dem Atomunfall in Fukushima 36 Prozent1 der weltweiten Gesamtimporte auf sich vereinte. Das Unglück von Fukushima hatte in Japan eine Distanzierung von der Kernenergie in Gang gesetzt. Der Handel mit LNG nimmt zwar zu, allerdings macht der Erdgastransport über Pipelines nach wie vor mehr als zwei Drittel des weltweiten Gashandels aus. In den USA ist der Importbedarf durch die steigende Erdgasförderung gesunken, und es wird geschätzt, dass sich die USA bis 2020 zu einem Netto-Exporteur von Erdgas entwickeln werden. Grund dafür sind die zunehmenden Exporte über Pipelines nach Mexiko2.

Wichtige Faktoren und Trends

Die Nachfrage nach Erdgas leidet unter saisonal bedingten Schwankungen und ist wetterabhängig. Änderungen der Witterungsbedingungen und der Klimaprognosen können daher erhebliche Auswirkungen auf die Erdgaspreise haben. Im Jahr 2009 heizten rund 50 Prozent3 der US-Haushalte mit Erdgas. Da im Winter die größte Nachfrage besteht, erreichen die Erdgasvorräte in der Regel vor Winterbeginn ihren Höchststand und werden dann in den Wintermonaten allmählich verbraucht. Je nach Härte des Winters schwankt die Nachfrage und damit der Preis, was sich in der wöchentlichen Entwicklung der Vorratsniveaus niederschlägt.

Abbildung 3: Erdgas-Terminkurve

Quelle: ETF Securities

Aufgrund der beschränkten Infrastruktur ist der Weltmarkt für Erdgas traditionell fragmentiert, sodass es eine Reihe von unterschiedlichen Gashandelsplätzen (Hubs) gibt, wie z. B. Henry Hub (USA), NBP (Großbritannien) und LNG (Japan). Auch wenn Henry-Hub-Erdgas aus den USA streng genommen nicht die globale Referenzsorte ist, wird sie von Indizes, die die Erträge von Erdgas-Futures nachzubilden versuchen, oft als Benchmark herangezogen. Diese wird weitgehend vom Angebot und der Nachfrage in den USA bestimmt. In den letzten Jahren hat sich Erdgas in den USA aufgrund des neu geförderten Schiefergases im Vergleich zu den anderen internationalen Hubs stark verbilligt. Dadurch steigt die Nachfrage nach US-amerikanischem Erdgas in anderen Teilen der Welt. In den kommenden Jahren könnten sich die internationalen Erdgaspreise allerdings zunehmend annähern, sollte der weltweite LNG-Handel zunehmen.
ie LNG-Produktion ist mittlerweile kosteneffizienter geworden und hatte im Jahr 2012 einen Anteil von 32 Prozent1 am weltweit gehandelten Gas. Allerdings ist der US-amerikanische Gasmarkt seit jeher relativ isoliert vom Rest der Welt, und die LNG-Importe und -Exporte sind verglichen mit den Märkten in Asien und Europa vergleichsweise klein. Für die jüngste Reduzierung der LNG-Importe in den USA war vor allem die höhere eigene Produktion verantwortlich, in erster Linie von Schiefergas.

Schiefergas bildet sich in Tonsteinformationen und wird mittels Fracking gefördert. Mit einem Anteil von mittlerweile 39 Prozent an der gesamten US-Erdgasförderung4 gleicht es rückläufige Fördermengen aus anderen US-Gasquellen aus und senkt den Importbedarf der USA. Dadurch hat sich die Menge an verfügbaren Gasressourcen deutlich erhöht, was zu einem Rückgang der Erdgaspreise beigetragen hat.
Gaskontrakte, vor allem in Europa und Asien, sind traditionell an den Preis von Öl gekoppelt. Seit einigen Jahren zeichnet sich jedoch eine Tendenz hin zu einer Indexierung der Gaspreise ab. Dies hat in gewisser Weise zu einer Entkoppelung der Erdgas- und Ölpreise beigetragen. Da immer mehr europäische und asiatische Kontrakte eine Gasbindung aufweisen, besteht die Möglichkeit, dass die internationalen Preise die Fundamentaldaten des zugrunde liegenden Rohstoffs angemessener widerspiegeln. So werden derzeit etwa in Japan einige auslaufende an den Ölpreis gebundene Kontrakte neu ausgehandelt und künftig an den Henry Hub-Erdgaspreis gekoppelt, in der Hoffnung, dass dadurch die Importkosten sinken.

Anlagen

Anleger können indirekt in Erdgas investieren, indem sie Aktien börsennotierter Unternehmen kaufen, die in den Bereichen Exploration, Raffination, Transport und Handel von Erdgas tätig sind. Die Ertragskraft von Erdgasunternehmen wird zum Teil von den Erdgaspreisen beeinflusst, sodass sich hohe Erdgaspreise in der Regel in den Gewinnen der Unternehmen widerspiegeln sollten. Beispiele für multinationale Unternehmen, die ein Engagement in Erdgas ermöglichen, sind unter anderem ExxonMobil (USA), Royal Dutch Shell (Großbritannien) und Gazprom (Russland).
Der am weitesten verbreitete Terminkontrakt ist der Henry Hub Natural Gas Future, der an der Chicago Mercantile Exchange (CME) gehandelt wird. Der Preis für den Erdgas-Future basiert auf Erdgas zur Auslieferung am Henry Hub in Louisiana. Die Kontraktgröße entspricht 10.000 Mio. British Thermal Units (mmBtu), und der Preis wird in US-Dollar und -Cent pro mmBtu angegeben. Gehandelt wird der Kontrakt zwischen 8.00 Uhr und 13.30 Uhr Central Time.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. Erdgas-Futures haben in den letzten Jahren eine hohe negative Rollrendite verzeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia)
Erdgas-ETPs bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Erdgas-Futures und ihren Erträgen simulieren. Eine Investition am Kassamarkt für Erdgas ist aus Anlagesicht ungeeignet, da der Rohstoff dann physisch gehalten werden müsste. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Erdgasterminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Beispiele für Indizes, die ein Engagement in Erdgas-Futures ermöglichen, sind: Dow Jones–UBS Natural Gas Subindex, S&P GSCI Natural Gas Index, UBS Bloomberg CMCI Natural Gas Index, Rogers International Commodity Index Natural Gas, Barclays Capital Natural Gas Seasonal Index (USA) und Teucrium Natural Gas Fund Benchmark Index (USA).

Preis

Abbildung 4: Erdgaspreise
 


Quelle: Bloomberg


  • 1. BP Statistical Review of World Energy 2013
  • 2. US-Energy Information Administration (IEA), International Energy Outlook 2013
  • 3. US Energy Information Administration, Annual Energy Review
  • 4. US-Energy Information Administration, North America leads the world in production of shale gas

GOLD

 

Gold ist ein gelblich glänzendes Edelmetall, das als Wertaufbewahrungs- und Zahlungsmittel verwendet sowie zu Schmuck verarbeitet wird. Es ist unzerstörbar, aber dennoch formbar, und der Wert von Gold wird überall auf der Welt anerkannt. Eine weitere positive Eigenschaft ist seine gute Leitfähigkeit für Elektrizität und Wärme, sodass Gold nicht nur als Wertanlage dient, sondern auch in der Industrie eingesetzt werden kann, wo es zum Teil mit anderen Metallen legiert wird. Die oberirdischen Goldbestände sind im Vergleich zur Fördermenge äußerst umfangreich. Ein plötzlicher Anstieg der Goldnachfrage kann daher durch den Verkauf bestehender Bestände gedeckt werden.

Gold wird aus zermahlenem Gestein oder sulfidischen Erzen gewonnen. Goldpartikel können durch Schwerkraftaufbereitung oder Laugungsverfahren aus goldhaltigem Gestein extrahiert werden. Die Gewinnung aus sulfidischen Erzen erfolgt über eine Kombination aus Flotations-, Röst- und Laugungstechniken. Mit beiden Verfahren erhält man unraffinierte Barren aus Gold, Silber und anderen Verunreinigungen. Man spricht in diesem Fall von Rohgold. Dieses Rohgold wird anschließend zu Feingold mit einem Goldgehalt von 99,99 Prozent raffiniert und weltweit verkauft.

Gold wird vor allem zu Schmuck verarbeitet. Die Maßeinheit für den Feingehalt von Gold ist Karat. Das Edelmetall kann auch in der Industrie eingesetzt werden, zum Beispiel in elektrischen Leitern und Kontakten, in der Elektronik, als Zahnersatz, in medizinischen Geräten sowie in der Chemie und Fotografie.

Marktübersicht

Zwischen 2005 und 2012 leistete China mit einem Produktionsanstieg von nahezu 93 Prozent den größten Beitrag zum weltweiten Anstieg des Goldangebotes. Dem steht eine stagnierende oder rückläufige Produktion in anderen großen Erzeugerländern wie Australien, den USA und Südafrika gegenüber. In Südafrika ist das Angebot innerhalb dieser sieben Jahre infolge der abnehmenden Rentabilität der Minen gar um 44 Prozent gesunken. Im Fünfjahreszeitraum von 2008 bis 2012 lag der durchschnittliche Anteil der Bergbauproduktion am Gesamtangebot von Gold bei 61 Prozent. 2012 bauten China, Australien und die USA am meisten Gold ab (siehe Abbildung1).
Abbildung 1: Weltweite Goldproduktion, 2012

Quelle: Thomson Reuters GFMS

Auf der Nachfrageseite stand Ende 2012 die Schmuckbranche mit einem Anteil von 49 Prozent an der Goldnachfrage auf dem ersten Platz. Dem World Gold Council zufolge ging der größte Nachfrageanstieg jedoch von der Anlagebranche aus. Im Fünfjahreszeitraum bis Ende 2012 stieg die Nachfrage gemessen am Wert um rund 435 Prozent. Die Sektoren Industrie und Technik kamen für rund 11 Prozent der Nachfrage und der offizielle Sektor für knapp 20 Prozent der oberirdischen Goldbestände auf (siehe Abbildung2).
Abbildung 2: Oberirdische Goldbestände, Ende 2012

Source: Thomson Reuters GFMS, World Gold Council

Wichtige Faktoren und Trends

In Zeiten umfangreicher geldpolitischer Lockerungsmaßnahmen und hoher Inflation entwickelt sich Gold generell gut. Im Gegensatz zu Währungen, die von den Zentralbanken vermehrt werden können, ist Gold nur begrenzt verfügbar und gilt somit als wertbeständig.
Abbildung 3: Goldpreis ggü. Inflation in den USA

Quelle: Bloomberg, ETF Securities
Durch börsengehandelte Goldprodukte (ETPs) können Anleger an der Preisentwicklung von Bullionmünzen am Spotmarkt partizipieren. Physische Goldprodukte sind durch sicher verwahrte Bullionmünzen hinterlegt. Das erste Gold-ETP wurde im April 2003 an die australische Börse gebracht. Die Gold-ETPs erwiesen sich als erfolgreich. So sind ähnliche Produkte inzwischen an 30 Börsen rund um die Welt notiert, und das verwaltete Vermögen ist seit der Erstauflegung drastisch gestiegen. Anleger schätzen Gold ETPs als kosteneffiziente und sichere Möglichkeit, sich am Goldmarkt zu engagieren, ohne den Rohstoff physisch austauschen zu müssen.
In den vergangenen Jahren haben die Zentralbanken ihre Goldstrategie geändert. Zwei Jahrzehnte lang hatten sie mehr Gold an den Privatsektor abgestoßen als gekauft. 2009 leiteten sie jedoch eine Trendwende ein, und seitdem sind ihre Nettokäufe jährlich gestiegen. Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Währungshüter der Schwellenländer immer mehr Gold kaufen, um ihre externen Reserven zu diversifizieren. Darüber hinaus sind die Goldverkäufe der europäischen Zentralbanken nach Ausbruch der Wirtschaftskrise deutlich gesunken. Setzt sich dieser Trend fort, könnten die Bestände des offiziellen Sektors, insbesondere die Käufe durch die Zentralbanken, die weltweite Nachfragedynamik von Gold stärker beeinflussen.
Da Gold traditionell eine niedrige Korrelation mit den meisten anderen Anlageklassen aufweist, wird es gern zur Diversifizierung von Portfolios eingesetzt, vor allem im Rahmen von langfristig ausgewogenen Strategien. In der Vergangenheit hat sich Gold in Zeiten extremer wirtschaftlicher Turbulenzen besser entwickelt als Aktien und andere Risikoanlagen. Der Rohstoff gilt als wichtige Absicherung gegen hohe Volatilität, da er normalerweise wenig mit dem breiteren wirtschaftlichen Umfeld korreliert.

Anlagen

Anleger können eine Vielzahl von Gold-Bullion-Münzen erwerben, die von Regierungen weltweit ausgegeben werden. Die Stückelung der Gold-Anlagemünzen reicht von 1/20 Unzen bis zu 1.000 Gramm. Die gängigsten Größen (in Feinunzen) sind 1/20, 1/10, 1/4 und 1 Unze.

Goldbarren sind in einer Vielzahl von Gewichten und Größen von einem Gramm bis zu 400 Feinunzen (London Good Delivery Barren) erhältlich. Anleger können aus verschiedenen Goldbarren auswählen, die alle den Mindestfeingehalt von 99,95 Prozent aufweisen.
Eine Möglichkeit für Anleger, sich im Goldmarkt zu engagieren, ist der Kauf von Goldminenaktien. Der Aktienkurs von Goldminenunternehmen hängt zum Teil vom Goldpreis ab. Daneben gibt es allerdings weitere Einflussfaktoren. Zu den größten Produzenten zählen derzeit Barrack Gold, Newmont und AngloGold Ashanti, auf die zusammen ein Marktanteil von rund 50 Prozent2 entfällt.
Ein „zugewiesenes“ Depot wird von einem Händler im Namen eines Kunden geführt. Dabei werden dem Kunden eindeutig identifizierbare Goldbarren zugeteilt und von den anderen Metallbeständen des Händlers getrennt in einem Tresorraum verwahrt. Das Gold befindet sich vollständig im Eigentum des Kunden, und der Händler fungiert als Verwahrstelle.

An den Märkten von London und Zürich wird in erster Linie sammelverwahrtes Gold gehandelt und abgewickelt. Bei sammelverwahrtem Gold sind dem Besitzer keine bestimmten Barren zugewiesen; er verfügt lediglich über das Recht auf eine Goldlieferung in einem bestimmten Umfang.
Der am weitesten verbreitete Terminkontrakt ist der COMEX Gold Future der CME Group, der in New York unter dem Kürzel „GC“ gehandelt wird. Die Kontraktgröße beträgt 100 Feinunzen, und die Notierung erfolgt in US-Dollar und -Cent. Gehandelt wird der Kontrakt zwischen 8.20 und 13.30 Uhr ostamerikanischer Zeit (ET). Das Gold muss einen Mindestfeingehalt von 99,5 Prozent aufweisen.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des bestreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia)
Man unterscheidet zwei Arten von Gold-ETPs: physische ETPs oder Produkte ohne physische Hinterlegung. Das Ziel von physischen Produkten besteht darin, eine Rendite zu erwirtschaften, die den Spotpreisbewegungen von Gold (abzüglich der jeweiligen Verwaltungs- und Lagerungsgebühren) entspricht. Produkte ohne physische Hinterlegung (Swap-basierte Produkte) bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Gold-Futures und ihren Erträgen simulieren. Wer als Anleger in ein ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Goldterminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Beispiele für Indizes, die ein Engagement in Gold-Futures ermöglichen, sind: Dow Jones-UBS Gold Subindex, UBS Bloomberg CMCI Gold, NASDAQ Commodity Gold Index, S&P GCSI Gold Index (USA), Deutsche Bank Liquidity Commodity Index (USA) und COMEX Gold Futures (USA)

Price

Abbildung 4: Goldpreis

Quelle: Bloomberg


  • 1. World Gold Council
  • 2. Bloomberg

 


PLATIN UND PALLADIUM


Platin und Palladium gehören zu der Gruppe von Metallen, die allgemein als Platinmetalle bezeichnet werden und neben Platin und Palladium auch Rhodium, Ruthenium, Iridium und Osmium umfassen. Diese Metalle kommen in der Regel in derselben Lagerstätte vor und ähneln sich in ihren chemischen Eigenschaften. Platin und Palladium werden von allen Platinmetallen am meisten genutzt und treten im Allgemeinen zusammen mit kleinen Mengen anderer Metalle wie Gold, Kupfer und Nickel auf. Platinmetalle gelten als seltene Elemente oder Edelmetalle.

Die Gewinnung von Platinmetallen erfolgt im Wesentlichen in drei Schritten: Abbau, Schmelzen und Raffination. Der Abbau erfolgt normalerweise unter Tage, da die meisten Vorkommen tief unter der Erdoberfläche liegen. Das geförderte Erz wird zunächst zerkleinert und gemahlen, um die Platinmetallpartikel freizusetzen. Daraus wird anschließend durch Flotation das Metallkonzentrat gewonnen, das wiederum getrocknet und geschmolzen wird. Das daraus entstandene Produkt wird dann raffiniert, d. h. das Platinmetall wird von den anderen Metallen, die zusammen mit ihm vorkommen, getrennt. Die Gewinnung von Platin und Palladium läuft in der Regel sehr ähnlich ab.

Platin und Palladium werden in erster Linie für Fahrzeugkatalysatoren verwendet, kommen darüber hinaus aber auch in anderen industriellen Bereichen zum Einsatz, z. B. in der Chemie-, Elektronik- und Mineralölindustrie, bei der Glasherstellung und in der Zahnmedizin. Außerdem dienen die Metalle zur Schmuckherstellung und als Geldanlage.

Marktübersicht

Wichtigster Platinproduzent ist Südafrika. Im Jahr 2012 lag sein Anteil an der weltweiten Platinversorgung bei 72 Prozent. Aufgrund dieser starken Angebotskonzentration haben Veränderungen der südafrikanischen Fördermenge einen wesentlichen Einfluss auf die weltweite Gesamtförderung von Platin. Dies zeigt sich deutlich an der Angebotsentwicklung zwischen 2011 und 2012, als die globale Platinförderung nach Streiks im August und September 2012 um 13 Prozent fiel. Seit 2006 gehen die Fördermengen in Südafrika aufgrund des sinkenden Erzgehalts und der steigenden Förderkosten zurück.

Palladium wird im Wesentlichen in zwei Ländern gefördert: Russland und Südafrika. Diese Staaten waren im Jahr 2012 für 44 Prozent bzw. 36 Prozent des weltweiten Palladiumangebots verantwortlich. Russland hält seit jeher große Vorräte an Palladium, die seit einiger Zeit jedoch zurückgehen. So machten die Verkäufe des russischen Staats in den Jahren 2011 und 2012 nur einen Bruchteil des Angebots aus. Wie hoch die staatlichen Palladium-Vorräte Russlands sind, ist zwar ein Staatsgeheimnis, die meisten Analysten schätzen allerdings, dass die Vorräte mittlerweile auf ein unbedeutendes Niveau gesunken sind. Nordamerika steuert rund 14 Prozent zum weltweiten Palladiumangebot bei1.

Abbildung 1: Weltweite Platin- und Palladium-Vorkommen in Prozent des Gesamtangebots

 


Quelle: Johnson Matthey, ETF Securities

Die Region mit dem höchsten Platinverbrauch ist Europa. Der Kontinent ist für 25 Prozent der weltweiten Platinnachfrage verantwortlich. Auch China ist mit einem Anteil von ebenfalls rund 25 Prozent an der globalen Nachfrage ein bedeutender Platinkonsument2 . Zwischen 2002 und 2007 hat der weltweite Platinverbrauch kontinuierlich zugenommen, bevor er 2008–2009 aufgrund des Wirtschaftsabschwungs schließlich stark eingebrochen ist. Seitdem erholt sich der Verbrauch, und im Jahr 2012 ist er um 18 Prozent gestiegen. 2013 soll den Schätzungen zufolge dank der starken industriellen Nachfrage ein Allzeithoch erreicht worden sein. Im Jahr 2012 entfielen rund 40 Prozent der weltweiten Platinnachfrage auf die Schmuckherstellung und etwa 30 Prozent auf die Produktion von Katalysatoren1.

Die weltweite Nachfrage nach Palladium hat in den letzten zehn Jahren stark zugenommen und ist dank des hohen Bedarfs zur Herstellung von Fahrzeugkatalysatoren um 91 Prozent gestiegen. 2012 machte der Verbrauch von Palladium für Fahrzeugkatalysatoren knapp mehr als die Hälfte der Gesamtnachfrage aus. Dahinter folgten mit jeweils 12 Prozent der Einsatz zu Anlagezwecken und in der Elektronikindustrie.

Abbildung 2: Weltweite Verwendung von Platin und Palladium

 


Quelle: Johnson Matthey, ETF Securities

Wichtige Faktoren und Trends

Die Rentabilität der Platinmetallbergwerke leidet immer noch unter steigenden operativen Kosten. Hier sind insbesondere die Lohnkosten zu erwähnen, die eine unberechenbare und erhebliche Belastung darstellen können. 2012 lagen die operativen Kosten der Platinförderung im Schnitt bei 1.826 USD je Unze und damit um 10 Prozent höher als im Vorjahr3 (siehe Abbildung 3). Aufgrund der sinkenden Volumen und der steigenden Kosten geht die Wirtschaftlichkeit der Platinbergwerke zunehmend zurück. Eine Reihe bedeutender Bergbauunternehmen wie Anglo American Platinum hat bereits strategische Veräußerungen angekündigt, um die Kostenspirale in den Griff zu bekommen.

Abbildung 3: Kosten der Platinbergwerke und Platinpreis

 


Quelle: Bloomberg, ETF Securities.

Angesichts der geografischen Konzentration des Angebots an Platinmetallen können Probleme wie staatliche Markteingriffe, geopolitische Instabilität, unzuverlässige Infrastruktur und soziale Spannungen in Südafrika und Russland die Förderung dieser Metalle über einen längeren Zeitraum deutlich beeinträchtigen und sich damit auch auf die Preise auswirken. Probleme auf der Angebotsseite, darunter Arbeitsniederlegungen und Produktrationalisierungen, haben einen erheblichen Einfluss auf den Platinpreis. Vor allem die Streiksaison, die im Juni beginnt, kann zu kurzfristigen Preisanstiegen bei Platinmetallen führen. Besonders empfindlich reagiert das weltweite Palladiumangebot auf Veränderungen der Vorräte in Russland, deren Dezimierung in den Jahren 2012 und 2013 zu einem Rückgang der Volumen geführt hat.
Die Automobilindustrie ist ein bedeutender Abnehmer von Platin und Palladium, da beide Metalle für Fahrzeugkatalysatoren benötigt werden. In Katalysatoren für Benzinmotoren wird entweder Platin oder Palladium in Verbindung mit Rhodium verwendet, während bei Diesel-Katalysatoren und -Feinstaubfiltern in erster Linie Platin zum Einsatz kommt. Letztere benötigen zudem fünf bis zehn Mal so viel Platinmetalle wie ihre Benzin-Pendants.

Die steigende Nachfrage in China, Indien und anderen Schwellenländern sowie die weltweite Verschärfung der Emissionsvorschriften haben die Nachfrage nach Fahrzeugkatalysatoren und den darin verwendeten Platinmetallen gestützt. Während der Automobilabsatz in Europa im Zeitraum 2012–2013 schwach ausgefallen ist, hat er in China von verschiedenen staatlichen Stützungsmaßnahmen profitiert, darunter ein von den zuständigen Verantwortlichen genehmigtes Subventionspaket. Laut Schätzungen des chinesischen Verbands der Automobilhersteller wurden 2013 in China mehr als 20 Mio. Fahrzeuge verkauft.

Anlagen

Eine Möglichkeit, physisch in Platin und Palladium zu investieren, ist der Kauf von Münzen oder Barren über Edelmetallhändler. In den USA und Europa gibt es verschiedene Raffineriebetriebe, die kleine Platinbarren mit einem Gewicht von bis zu einem Kilo (32,15 Feinunzen) für Anlagezwecke herstellen.
Eine weitere Anlagemöglichkeit bieten Aktien von börsennotierten Unternehmen, die im Bereich der Platin- und Palladiumgewinnung tätig sind. Die beiden bedeutendsten Platinunternehmen der Welt sind Anglo American Platinum Ltd. und Impala Platinum Holdings Ltd. Sie kommen zusammen auf einen Weltmarktanteil von 63 Prozent. Das größte Platinunternehmen ist MMC Norilsk Nickel OJSC mit einem Marktanteil von 42 Prozent.
Terminkontrakte auf Platin und Palladium werden an der New York Mercantile Exchange (NYMEX) und am London Platinum and Palladium Market (LPPM) gehandelt. Die Platin-Futures der NYMEX tragen das Kürzel „PL“, und ihre Kontraktgröße entspricht 50 Feinunzen. Ihr Preis wird in US-Dollar und -Cent je Feinunze angegeben. Die Palladium-Futures der NYMEX tragen das Kürzel „PA“, und ihre Kontraktgröße entspricht 100 Feinunzen. Beide Kontrakte werden mittels physischer Lieferung glattgestellt.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Marktkonstellation ist unter dem Namen „Contango“ bekannt. Andererseits können die gekauften Kontrakte auch günstiger sein als die verkauften Kontrakte, was aus Anlegersicht positiv ist. In diesem Fall spricht man von „Backwardation“. Der Preisunterschied wird allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia)
Platin- und Palladium-ETPs sind entweder physisch besichert oder nicht. Das Ziel von physisch besicherten Produkten besteht darin, eine Rendite zu erwirtschaften, die den Spotpreisbewegungen von Platin und Palladium (abzüglich der jeweiligen Verwaltungs- und Lagerungsgebühren) entspricht. Physisch besicherte Platinmetallprodukte sind durch eine entsprechende Anzahl an Barren besichert, die in einem Tresor verwahrt werden. Der London Platinum and Palladium Market (LPPM) stellt sicher, dass der Markt für den Metallhandel einheitlichen Standards entspricht, indem er Mindestanforderungen für die Qualität der Metalle festlegt und die Lagerung überprüft.

Produkte ohne physische Hinterlegung (Swap-basierte Produkte) bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Platin- und Palladium-Futures und ihren Erträgen simulieren. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Terminkontrakten auf Platin und Palladium ermöglichen, muss wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten). Beispiele für Indizes, die ein Engagement in Platin-Futures ermöglichen, sind der Dow-Jones UBS Platinum Subindex, der Bloomberg CMCI Platinum Index und der S&P GSCI Platinum Index.

Preis

Abbildung 4: Performance-Grafik / Renditeübersicht über 10 Jahre für Platin und Palladium einfügen
 


Quelle: Bloomberg, ETF Securities


  • 1. Johnson Matthey
  • 2. Für 2012 sind keine Daten verfügbar, allerdings belief sich der Anteil Chinas an der weltweiten Nachfrage 2010 auf 25 Prozent.
  • 3. Bloomberg

SILBER


Silber ist ein weiß glänzendes Edelmetall mit hoher elektrischer und thermischer Leitfähigkeit. Das Edelmetall ist zwar härter als Gold, aber dennoch gut form- und dehnbar. Silber wurde über Tausende von Jahren für Ornamente und Gebrauchsgegenstände sowie als Handelsobjekt verwendet und bildete die Basis für viele Währungssysteme. Das Edelmetall ist in einigen Mineralien enthalten und kommt als Beimengung in Gold, Kupfer, Blei und Zink vor. Silber wird meist als Nebenprodukt beim Abbau dieser Metalle gewonnen.


Es gibt verschiedene Verfahren, um Silber aus Erzen zu gewinnen. Üblicherweise erfolgt die Herauslösung jedoch durch Cyanidlaugung. Das Erz wird zerkleinert, bevor im nächsten Schritt die Sulfidanteile durch Oxidation umgewandelt werden. Das aufgeschüttete Erz wird unter Zugabe von Wasser und einer Natriumcyanidlösung behandelt. Anschließend wird das Silber in der Regel mit Zink aus der Lösung ausgefällt. Zuletzt wird es gefiltert, geschmolzen und normalerweise zu Silberbarren verarbeitet. Mit dieser Produktionsmethode können auch Erze mit geringerem Silbergehalt verwertet werden.

Silber wird nicht nur für die Herstellung von Schmuck und Silberware verwendet, sondern auch industriell genutzt, unter anderem für Schalter, Kontakte und Sicherungen in Elektrogeräten, Elektronikgeräte, Batterien, Hart- und Weichlöten, Kernkraftwerke, Solarzellen, im Bereich der Wasseraufbereitung, in der Medizinbranche sowie als Katalysator.

Marktübersicht

Zwischen 2002 und 2012 hat sich das weltweite Silberangebot um 21 Prozent erhöht. Dies war vorwiegend auf den Produktionsanstieg in Mexiko (100 Prozent) und Russland (250 Prozent) zurückzuführen. Der größte Silberproduzent ist Lateinamerika. 2012 entfielen auf Mexiko, Peru und Chile 40 Prozent der weltweiten Silberproduktion (siehe Abbildung 1). In China und Australien sank die Produktion dagegen zwischen 2002 und 2012 um 8 bzw. 17 Prozent. Im Jahr 2012 stammten 75 Prozent des weltweit produzierten Silbers aus der Minenförderung. Der restliche Anteil wurde vor allem durch die Wiederaufbereitung von Altmetall gewonnen1.
Abbildung 1: Weltweites Silberangebot

Quelle: World Bureau of Metal Statistics
Obwohl Silber wohl in erster Linie mit der Verarbeitung zu Schmuck in Verbindung gebracht wird, macht dieser Bereich nur 17 Prozent der gesamten Silbernachfrage am Downstream-Markt aus. Das Metall wird vor allem in der Industrie eingesetzt (Elektro-/Elektronikbereich, Katalysatoren, Hart-/Weichlote), die insgesamt 45 Prozent der Gesamtnachfrage nach Silber am Downstream-Markt auf sich vereint (siehe Abbildung 2). In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Einsatz von Silber in der Industrie um 38 Prozent erhöht. Positiv wirkte sich dabei das Wachstum in den Industrieländern aus. Inzwischen fällt jedoch die steigende industrielle Nachfrage aus China und den Schwellenländern stärker ins Gewicht, denn die Nachfrage aus China ist im Vierjahreszeitraum zwischen 2008 und 2012 um 133 Prozent gestiegen2.

Silber wird außerdem in der Fotografie, der Münzprägung und der Herstellung von Silberware eingesetzt. Die Anlegernachfrage nach Silber hat insbesondere seit 2006, seit Einführung der ersten Exchange Traded Products (ETPs) auf Silber, zugenommen. Im Zeitraum 2006 bis 2012 erhöhte sich das Anlagevolumen bei Silber-ETPs um 360 Prozent2.
Abbildung 2: Weltweiter Einsatz von Silber

Quelle: Thomson Reuters GFMS

Wichtige Faktoren und Trends

Die Gold/Silber-Ratio gibt an, wie viele Unzen Silber für den Kauf einer Goldunze benötigt werden. Aufgrund der historischen Verwendung von Silber als Währung und Wertanlage besteht eine enge Verbindung zu Gold, die für Edelmetallanleger ein wichtiger Indikator ist. Die Korrelation mit Gold erweist sich auch bei der Einschätzung der Preisentwicklung als hilfreich.
Abbildung 3: Gold/Silber-Ratio, 2004-2014

Source: Bloomberg

Silber gilt zwar als Edelmetall, ist jedoch durch eine gewisse Dualität gekennzeichnet: Denn der Preis von Silber ist zum einen von der Goldpreisentwicklung abhängig, zum anderen jedoch auch von industriellen Trends. Da über 40 Prozent der Gesamtnachfrage am Downstream-Markt auf den industriellen Bereich entfallen2, korreliert der Silberpreis stark mit dem Konjunkturzyklus und der Industrienachfrage. Die Einsatzbereiche von Silber sind vielfältig. Dies kann den Silberpreis mitunter stützen, sollte sich das Wachstum in einem Industriezweig schwächer entwickeln als in anderen Bereichen.
Die Anlegernachfrage hat den Silberpreis in den letzten Jahren stark beeinflusst. Früher beschränkte sich die Silbernachfrage auf physische Barren. Mit der Einführung von ETPs und Derivaten auf Silber hat sich die Nachfrage nach Silber als Kapitalanlage allerdings verstärkt. Seitdem 2006 erstmals ein Silber-ETP angeboten wurde, wächst das Anlagevolumen jedes Jahr.
Historisch gesehen weist Silber eine höhere Preisvolatilität auf als Gold. Verantwortlich für die tendenziell deutlich stärkeren Preisschwankungen sind unter anderem die starke Abhängigkeit vom globalen Konjunkturzyklus sowie die verschiedenen Formen der Anlagemöglichkeiten.

Anlagen

Anleger können durch den Kauf von Silbermünzen oder -barren in physisches Silber investieren. Der Kauf oder Verkauf erfolgt über Edelmetallhändler. Besonders häufig gehandelt werden die Anlagemünzen American Eagle (USA), Maple Leaf (Kanada) und Britannia (Großbritannien). Silberbarren werden in verschiedenen Gewichtsklassen angeboten.
Anleger können ein indirektes Engagement im Silberpreis eingehen, indem sie in börsennotierte Unternehmen investieren, die an der Förderung von Silber beteiligt sind. Zu den größten Unternehmen zählen Glencore Xstrata AG (Schweiz), Industrias Penoles SAB de CV (Mexiko), KGHM Polska Miedz SA (Polen), BHP Billiton Ltd. (Australien) und Goldcorp Inc. (Kanada).
Die weltweite Benchmark ist der in New York mit dem Kürzel „SI“ gehandelte Kontrakt COMEX Silver Future (CME Group). Die Kontraktgröße beträgt 5.000 Feinunzen, und der Parketthandel findet zwischen 8.25 und 13.25 Uhr ET statt. Das gemäß dem Kontrakt gelieferte Silber muss einen Feingehalt von mindestens 999 aufweisen.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia)
Es gibt zwei Arten von Silber-ETPs: physische und synthetische Produkte. Das Ziel von physischen Produkten besteht darin, eine Rendite zu erwirtschaften, die den Spotpreisbewegungen von Silber (abzüglich der jeweiligen Verwaltungs- und Lagerungsgebühren) entspricht. Produkte ohne physische Hinterlegung (Swap-basierte Produkte) bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Silber-Futures und ihren Erträgen simulieren. Wer als Anleger in ein ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Silber-Terminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Indizes, die ein Engagement in Silber-Futures bieten, sind zum Beispiel der Dow-Jones UBS Silver Subindex, der Bloomberg CMCI Silver Index, der S&P GSCI Silver Index und der COMEX Silver Futures Index (USA).

Preis

Abbildung 4: Silberpreis

 

Quelle: Bloomberg





  • 1. World Bureau of Metal Statistics
  • 2. Gold Fields Mineral Service

ALUMINIUM

 

Aluminium ist das dritthäufigste Element in der Erdkruste. Es wiegt etwa ein Drittel so viel wie Stahl oder Kupfer. Es ist geschmeidig, formbar, leicht zu bearbeiten und zu gießen und besitzt eine hervorragende Korrosionsbeständigkeit und Haltbarkeit.

 

Der wichtigste Rohstoff für die Aluminiumproduktion ist Aluminiumerz, besser bekannt als Bauxit. Aus Bauxit, das in vielen Tropenregionen vorkommt, wird zunächst Aluminiumoxid gewonnen, das durch Veredelung in Aluminium umgewandelt wird. Für die Produktion von zwei Tonnen Aluminiumoxid sind rund fünf Tonnen Bauxit erforderlich, aus zwei Tonnen Aluminiumoxid kann eine Tonne Aluminium hergestellt werden.

 

Nach Stahl ist Aluminium das am zweithäufigsten produzierte Metall. Dem International Aluminium Institute (IAI) zufolge wird mehr Aluminium hergestellt als alle anderen Industriemetalle zusammengenommen, mit Ausnahme von Eisen und Stahl. Aluminium wird in verschiedenen Bereichen eingesetzt, darunter dem Bau- und Verkehrssektor sowie den Sektoren Elektrotechnik, Verpackungen und Gebrauchsgüter. 

Marktübersicht

Zwischen 2002 und 2012 nahm die weltweite Aluminiumproduktion um 77 Prozent1 zu. Der größte und dominanteste Hersteller von Aluminium ist China (siehe Abbildung 1), wo die Produktionsmenge in den vergangenen zehn Jahren aufgrund des enormen Wirtschaftswachstums um 358 Prozent1 angestiegen ist. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien haben von 2002 bis 2012 einen deutlichen Zuwachs verzeichnet. Die dortigen Produktionsmengen stiegen um 255 Prozent bzw. 155 Prozent1. Im Gegensatz dazu verringerte sich das Aluminiumangebot aus den USA, die 2002 der weltweit größte Aluminiumproduzent waren, im gleichen Zeitraum um 23 Prozent1.

Abbildung 1: Weltweites Aluminium-Angebot, 2012 

 

Quelle: World Bureau of Meal Statistics

Zwischen 2002 und 2012 stieg der weltweite Aluminiumverbrauch um 77 Prozent1, was überwiegend auf die Nachfrage aus Schwellenländern in Asien zurückging. Der größte Verbraucher ist China (siehe Abbildung 2), wo die Nachfrage in den letzten zehn Jahren um 380 Prozent1 zunahm. In Indien stieg der Verbrauch um 179 Prozent1, während er in den USA im selben Zeitraum um 12 Prozent1 zurückging. In der EU war die Nachfrage weitgehend unverändert. Bis 2020 wird mit einer Zunahme der Nachfrage nach dem Metall um 114 Prozent2 gerechnet.

Abbildung 2: Weltweit Aluminium-Nachfrage, 2012

 

SQuelle: World Bureau of Metal Statistics


Obwohl die globalen Aluminiumimporte zwischen 2002 und 2012 um 32 Prozent1 zugenommen haben, ist ihr Anteil am globalen Verbrauch von 65 Prozent auf 49 Prozent1 gefallen. Hauptgrund hierfür ist, dass China den eigenen Markt bedient. Im selben Zeitraum stiegen die Importe nach Deutschland um 51 Prozent1, um die umfangreiche Automobilindustrie zu versorgen. Die USA waren 2012 der größte Importeur (siehe Abbildung 3).







Die weltweiten Aluminiumexporte nahmen zwischen 2002 und 2012 um 35 Prozent1 zu. Im Jahr 2012 war Russland der wichtigste Exporteur mit einem Anteil an den globalen Aluminiumexporten von einem Viertel1. Exporte aus den Niederlanden legten von 2002 bis 2012 um 209 Prozent1 zu, womit das Land 2012 der drittgrößte Exporteur war (siehe Abbildung 4).

Abbildung 3: Weltweite Importe von Aluminium und Aluminiumlegierungen, 2002-2012 in Mio. Tonnen

 

Quelle: World Bureau of Metal Statistics


Abbildung 4: Weltweite Exporte von Aluminium und Aluminiumlegierungen, 2002-2012 in Mio. Tonnen


Quelle: World Bureau of Metal Statistics

Wichtige Faktoren und Trends

Rund 33 Prozent des weltweiten nachgelagerten Aluminiumverbrauchs gehen auf den Bausektor zurück3.Eigenschaften, die den Einsatz des Metalls in dieser Branche begünstigen, sind seine hohe spezifische Festigkeit, die Eignung für verschiedene Formgebungsverfahren, die große Gestaltungsfreiheit bietet, und die Recycelbarkeit4 . Der zunehmende Einsatz von Aluminium im Gewerbe- und Wohnungsbau, insbesondere in den Schwellenländern, ist ein maßgeblicher Faktor für die Nachfrageentwicklung.

Weitere wichtige Impulse für die Nachfrage stammen aus dem Transportsektor (vor allem aus den Bereichen Automobile und Luftfahrt), auf den weltweit rund 25 Prozent des nachgelagerten Aluminiumverbrauchs zurückgehen3. Es wird damit gerechnet, dass der Einsatz von Aluminium bei der Fertigung von Kraftfahrzeugen in den nächsten Jahren deutlich zunimmt. Aufgrund staatlicher Vorschriften für die Fahrzeugeffizienz stellt die Branche von höher gewichtigem Stahl auf das leichtere Aluminium um. In Kombination mit der steigenden Nachfrage nach Kraftfahrzeugen in den Schwellenmärkten könnte dies die Nachfrage nach Aluminium beflügeln.
Abbildung 5: Weltweiter nachgeschalteter Aluminiumverbrauch, 2012

Quelle: Bloomberg
Die geografische Verteilung der Aluminiumproduktion hat sich in den vergangenen 40 Jahren verschoben, was zum Teil auf Veränderungen der Energiepreise zurückgeht. Der Anteil der USA an der globalen Produktion ist von 32 Prozent im Jahr 19725 auf 4 Prozent im Jahr 2012 gesunken. Der Marktanteil Chinas erreichte 2012 hingegen 40 Prozent. Obwohl verschiedene staatliche Maßnahmen einen Einfluss auf diese Verlagerung hatten, spielten auch die umfangreiche inländische Energieversorgung und die geringeren Produktionskosten in China eine wichtige Rolle. Allerdings hat ein Anstieg der Energiepreise in China in den letzten Jahren dazu geführt, dass einige Schmelzereien inzwischen Verluste machen. Eine weitere Zunahme der Energiepreise könnte zu höheren Produktionskosten führen, was das Überangebot aus China reduzieren könnte.
Die Produktion von Aluminium ist relativ energieintensiv. Im Vergleich erfordert das Recycling von Aluminium lediglich 5 Prozent der Energie und es werden nur 5 Prozent der Treibhausgase ausgestoßen. Recycling spielt eine wichtige Rolle für den Aluminiumverbrauch, da mehr als ein Drittel des weltweit produzierten Aluminiums aus Altmaterial, gehandeltem Aluminium und neuem Aluminiumschrott stammt2. Aluminiumrecycling sorgt für Energieeinsparungen und verringert die Gesamtkosten für die Produktion, was einen wichtigen Einfluss auf das gesamte globale Angebot hat..
Die Lagerbestände für Metall reflektieren das Verhältnis von Angebot und Nachfrage am Markt auf kurze Sicht. Die Aluminiumbestände verzeichneten die deutlichsten Zuwächse aller Industriemetallbestände unmittelbar nach der Kreditkrise Anfang 2009. An der Londoner Metallbörse legten die Aluminium-Lagerbestände von 0,93 Millionen Tonnen im Jahr 2007 auf 5,21 Millionen Tonnen im Jahr 2012 zu3. Wenn der Anstieg der Nachfrage den Anstieg des Angebots übersteigt, könnten die Bestände abnehmen.

Anlagen

Anleger können ein indirektes Engagement im Aluminiumpreis eingehen, indem sie in börsennotierte Unternehmen investieren, die am Produktionszyklus von Hüttenaluminium beteiligt sind. Zu den Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung gehören United Company RUSAL (Russland), Rio Tinto PLC (Großbritannien), Alcoa Inc. (USA) und Aluminium Corporation of China Ltd (China).
Aluminium-Futures werden an Börsen in London, New York und Tokio gehandelt. Der am meisten gehandelte Aluminium-Terminkontrakt ist der an der Londoner Metallbörse, London Metal Exchange (LME), gehandelte Future mit dem Kürzel „AH“. Das zugrunde liegende Metall ist hochwertiges Hüttenaluminium. Die Kontraktgröße beträgt 25 Tonnen und die Notierung erfolgt in US-Dollar pro metrische Tonne. Der Ringhandel findet von 11:55–12:00 Uhr/12:55–13:00 Uhr (erste Sitzung) und von 15:15–15:20 Uhr/15:55–16:00 Uhr GMT (zweite Sitzung) statt. Der internationale Maßstab für Industriemetallpreise wird über den LME-Handel und durch die Käufer festgelegt.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia.)
Man unterscheidet zwei Arten von Aluminium-ETPs: physische ETPs oder Produkte ohne physische Hinterlegung. Das Ziel von physisch besicherten Produkten besteht darin, eine Rendite zu erwirtschaften, die den Spotpreisbewegungen von Aluminium (abzüglich der jeweiligen Verwaltungs- und Lagerungsgebühren) entspricht. Produkte ohne physische Hinterlegung (Swap-basierte Produkte) bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Aluminium-Futures und ihren Erträgen simulieren. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Aluminium-Terminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Beispiele für Indizes, die ein Engagement in Aluminium-Futures ermöglichen, sind der Dow-Jones UBS Aluminium Subindex, der Bloomberg CMCI Aluminium Index, der S&P GSCI Aluminium Index und der Barclays Capital Commodity Index Aluminium Pure Beta (USA).

Preis

Abbildung 6: Aluminiumpreise

Quelle: Bloomberg


  • 1. World Bureau of Metal Statistics
  • 2. International Aluminium Institute, Global Aluminium Recycling: A Cornerstone of Sustainable Development
  • 3. Bloomberg
  • 4. Aluminium Federation, Aluminium in Building and Construction
  • 5. International Aluminium Institute, The Global Aluminium Industry

  


KUPFER


Kupfer ist ein rötlich schimmerndes Metall, das nach Stahl und Aluminium am dritthäufigsten verwendet wird. Es ist sowohl form- und dehnbar als auch rostbeständig. Der Wert von Kupfer liegt in seiner Vielseitigkeit: Es ist überaus leitfähig und eignet sich allein oder in der Legierung mit anderen Metallen für eine Vielzahl von Verwendungszwecken.

 
Die Gewinnung von Kupfer erfolgt im Wesentlichen in drei Schritten: Aufbereitung der Erze, Schmelzen und Raffination. Die Aufbereitung der Kupfererze findet in den Minen statt, während die Schmelz- und die Raffinationsprozesse außerhalb des Bergwerks angesiedelt sind. Kupfer wird überwiegend im Tagebau gewonnen; ein kleiner Anteil wird unter Tage gefördert. Durch das Schmelzen wird das Kupfer von Verunreinigungen wie Eisen und Schwefel befreit. Zuletzt wird es durch die elektrolytische Raffination in raffiniertes Kupfer umgewandelt. An der Londoner Metallbörse wird ausschließlich raffiniertes Kupfer gehandelt.

Kupfer ist das Hauptmetall mit der höchsten Leitfähigkeit und daher sowohl in der industriellen Fertigung, vor allem in der Elektrotechnik, als auch bei der Strom- und Energieerzeugung unverzichtbar. Darüber hinaus wird Kupfer in der Kälte- und Klimatechnik, im Münzwesen, in der Baubranche, im Maschinenbau sowie in den Sektoren Telekommunikation und Transport eingesetzt.

Marktübersicht

Zwischen 2002 und 2012 stieg die weltweite Bergbauproduktion um 26 Prozent. Dieser Anstieg war überwiegend auf die höhere Produktion in China und Südamerika zurückzuführen. China und Peru verzeichneten in diesen zehn Jahren Steigerungsraten von 199 bzw. 54 Prozent. In Industrieländern wie den USA und Australien fiel das Wachstum im selben Zeitraum mit jeweils 4 Prozent hingegen niedrig aus. 2012 entfiel rund die Hälfte der weltweiten Kupferproduktion auf die größten drei Produzenten1.

Abbildung 1: Weltweites Angebot von Kupfer aus dem Bergbau, nach Ländern, 2012

 

Quelle: Bloomberg

Die weltweite Produktion von raffiniertem Kupfer fällt höher aus als die Bergbauförderung und ist zwischen 2002 und 2012 um 33 Prozent gestiegen. Grund dafür ist die erhebliche Zunahme der raffinierten Produktion in China, die in diesen zehn Jahren bei 274 Prozent lag1.

Abbildung 2: Weltweites Angebot an raffiniertem Kupfer, nach Ländern, 2012

 

Quelle: Bloomberg

Im Zehnjahreszeitraum von 2002 bis 2012 stiegen die weltweite Nachfrage nach raffiniertem Kupfer um 34 Prozent und der Verbrauch in China um 232 Prozent. Die Industrienationen meldeten einen gegenläufigen Trend. So sank der Verbrauch in den USA, in Japan und in Südkorea um 26, 15, bzw. 23 Prozent. 2012 entfielen 44 Prozent der weltweiten Nachfrage nach raffiniertem Kupfer auf China1.

Abbildung 3: Weltweite Nachfrage von raffiniertem Kupfer, nach Ländern, 2012

 Quelle: Bloomberg

Zwischen 2002 und 2012 nahmen die weltweiten Importe von raffiniertem Kupfer um 15 Prozent zu. China ist mit Abstand der größte Importeur von raffiniertem Kupfer und kam 2012 für rund 37 Prozent der gesamten Importe auf. Obwohl das Land auch der größte Produzent von raffiniertem Kupfer ist, stammen beinahe ein Viertel des in China verbrauchten Kupfers aus dem Ausland1.

Abbildung 4: Weltweite Importe von raffiniertem Kupfer, 2002-2012 (in Mio. Tonnen)

 

Quelle: Bloomberg

Die weltweiten Exporte von raffiniertem Kupfer stiegen zwischen 2002 und 2012 um 23 Prozent. Größter Exporteur war im Jahr 2012 Chile mit 31 Prozent der weltweiten Kupferexporte. Zum zweitgrößten Kupferexporteur stieg Sambia auf, nachdem das Land seine Exporte zwischen 2002 und 2010 um 129 Prozent gesteigert hatte1.
 

Abbildung 5: Weltweite Exporte von raffiniertem Kupfer, 2002-2012 (in Mio. Tonnen)

 

Quelle: Bloomberg

Wichtige Faktoren und Trends

Durch seinen Einsatz im Baugewerbe, im Maschinenbau und bei der Energieerzeugung ist Kupfer ein stark zyklischer Rohstoff. Da die weltweite Nachfrage überwiegend von China ausgeht, reagiert der Kupferpreis sehr empfindlich auf Indikatoren des verarbeitenden Gewerbes in China sowie in anderen asiatischen Schwellenländern. Wenn die Schwellenmärkte ein hohes Wirtschaftswachstum mit einer steigenden Industrieproduktion verzeichnen, zieht normalerweise auch die Nachfrage nach zyklischen Rohstoffen wie Kupfer an.

Abbildung 6: Weltweite Endnutzung von raffiniertem Kupfer, 2012

 

Quelle: Bloomberg
Der Kupferbergbau sieht sich einer Reihe von besonderen Problemen gegenüber, welche die globale Produktion beeinträchtigen können. Ein ernsthaftes Problem, vor allem für Erzeuger, die schon länger im Geschäft sind, wie Chile und die USA, ist der sinkende Erzgehalt. Er beeinträchtigt zum Beispiel die Produktion des weltgrößten Kupferbergwerks, Escondia in Chile. Der durchschnittliche Kupferanteil der geförderten Erze ist hier von 1,72 Prozent im vierten Quartal 2007 auf 0,97 Prozent im vierten Quartal 2011 gesunken2 . Dieser Rückgang drückt das Produktionsniveau und führt zu einem Anstieg der Kosten, da mehr Erz gefördert werden muss, um die gleiche Produktionsmenge zu erreichen.
Arbeitskämpfe in Südamerika belasten den Mineralbergbau und die Kupfererzeugung der Region. In den wichtigsten Bergwerken ist das Produktionsniveau infolge von langanhaltenden Arbeitskämpfen und Umweltsorgen der lokalen Bevölkerung gesunken. Zusätzlich werden die Bergwerksbetreiber durch politische Maßnahmen wie Steuergesetze und Regulierungen beeinflusst, die letztlich ebenfalls zu einem Rückgang des Kupferangebots führen können.
Die Bestände sind ein hilfreicher Indikator für die Nachfragedynamik in der Kupferindustrie. Änderungen der Kupfervorräte spiegeln Änderungen des Marktumfelds wider, und deutliche Zu- oder Abnahmen führen in der Regel zu entsprechenden Preiskorrekturen. Kurzfristige Bestandsänderungen können Anzeichen für zyklische Schwankungen der Produktion und des Verbrauchs sein. Langfristige Überschüsse oder Engpässe hingegen deuten auf strukturelle Veränderungen der weltweiten Angebots- und Nachfragesituation hin, zum Beispiel einen Rückgang des weltweiten Verbrauchs oder zusätzlichen Produktionsbedarf weltweit.

Anlagen

Anleger können ein indirektes Engagement in Kupfer eingehen, indem sie in börsennotierte Unternehmen investieren, die am weltweiten Kupferproduktionszyklus beteiligt sind. Zu den größten Unternehmen gehören Codelco, Freeport-McMoRan Copper & Gold, BHP Billiton Ltd. und Grupo Mexico.
Kupfer-Futures werden an der Londoner Metallbörse London Metal Exchange (LME) gehandelt. LME-Kupfer-Futures sind die meist gehandelten Kupfer-Terminkontrakte. Das Kontrakt-Kürzel lautet „CA“ und das zugrundeliegende Metall ist „Grade A“-Kupfer. Die Kontraktgröße beträgt 25 Tonnen, und die Notierung erfolgt in US-Dollar pro metrische Tonne. Die Ringhandel findet von 12.00–12.05 Uhr/12.30–12.35 Uhr (erste Sitzung) und von 15.10–15.15 Uhr/15.50–15.55 Uhr (zweite Sitzung) statt.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des bestreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia)
Man unterscheidet zwei Arten von Kupfer-ETPs: physische ETPs oder Produkte ohne physische Hinterlegung. Das Ziel von physischen Produkten besteht darin, eine Rendite zu erwirtschaften, die den Spotpreisbewegungen von Kupfer (abzüglich der jeweiligen Verwaltungs- und Lagerungsgebühren) entspricht. Produkte ohne physische Hinterlegung (Swap-basierte Produkte) bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Kupfer-Futures und ihren Erträgen simulieren. Wer als Anleger in ein ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Kupferterminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Beispiele für Indizes, die ein Engagement in Kupfer-Futures ermöglichen, sind der Dow-Jones UBS Copper Subindex, der S&P GSCI Copper Index, der UBS Bloomberg CMCI Copper Index, der Barclays Capital Commodity Index Copper Pure Beta (USA) und der SummerHaven Copper Index (USA)

Preis

Abbildung 7: Kupferpreise

Quelle: Bloomberg  


  • 1. Bloomberg
  • 2. Financial Times, 2012

BLEI


Blei ist ein bläulich-graues, sehr gut formbares und äußerst rostbeständiges Schwermetall mit hoher Dichte. Blei wird seit mindestens 5.000 Jahren verwendet. Es diente zunächst als Baumaterial, Pigmentstoff in Keramikglasuren und zur Herstellung von Wasserleitungen. Blei kann sehr einfach aus Erzen gewonnen werden und kommt meist in Verbindung mit Zink, Silber und Kupfer vor.

Die Extrahierung aus Erzen (Primärproduktion) erfolgt normalerweise in zwei Phasen: Abbau der Erze zur Herstellung von Konzentraten und Weiterverarbeitung der Konzentrate zur Produktion von raffiniertem Blei. Bei der Sekundärproduktion wird Blei aus dem Recycling von Bleischrott gewonnen. Das Blei kann dabei in Legierungen mit Kupfer, Nickel und Zinn vorliegen.

Durch seine hohe Korrosionsbeständigkeit ist Blei ein idealer Baustoff. Dank seiner guten Abschirmwirkung kommt es außerdem in der Medizintechnik (Radiologie) sowie beim Lärmschutz in Fabriken und auf Schiffen zum Einsatz. Der Großteil der Bleigewinnung wird zur Herstellung von Blei-Säure-Batterien verwendet, die Fahrzeuge und Notstromanlagen antreiben. Mindestens drei Viertel der Bleiproduktion fließen in wiederverwertbare Produkte ein, und über 50 Prozent des verwendeten Bleis stammt aus Recyclingmaterial.

Marktübersicht

Zwischen 2002 und 2012 stieg die weltweite Produktion im Bleibergbau um 81 Prozent. Dies ist vor allem auf die Produktionssteigerung in China von 343 Prozent zurückzuführen. Das Land war damit 2012 der größte Bleiproduzent (siehe Abbildung 1). Die Industrieländer, die traditionell wichtigsten Bleihersteller, verzeichneten dagegen Produktionsrückgänge. In den USA, die 2002 die Spitzenposition einnahmen, sank die Produktion im vergangenen Jahrzehnt um 23 Prozent, und in Australien ging sie um 10 Prozent zurück1

Abbildung 1: Weltweite Bergbauförderung von Blei, 2012

 

Quelle: World Bureau of Metal Statistics, USGS
Die weltweite Produktion von raffiniertem Blei stieg von 2002 bis 2012 um 58 Prozent. China meldete in diesem Zeitraum einen Anstieg um 251 Prozent. In Indien erhöhte sich die Produktion um 524 Prozent, sodass das Land inzwischen für 4 Prozent des weltweiten Angebots von raffiniertem Blei verantwortlich ist und damit den dritten Platz unter den größten Bleianbietern einnimmt1.

Abbildung 2: Weltweite Produktion von raffiniertem Blei, 2012

 

Quelle: World Bureau of Metal Statisitics, USGS
Die weltweite Bleinachfrage stieg zwischen 2002 und 2012 um 57 Prozent. Grund für diese Entwicklung war vor allem der Verbrauch in China und Indien, wo sich die Nachfrage infolge der starken Industrieproduktion um 388 bzw. 253 Prozent erhöhte. Im Gegensatz dazu ging der Bleiverbrauch in Industrieländern wie Japan und Deutschland im selben Zehnjahreszeitraum um 8 Prozent zurück1. Die drei größten Produzenten im Jahr 2012 waren China, die USA und Indien (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Weltweite Nachfrage nach raffiniertem Blei, 2012

Quelle: World Bureau of Metal Statisitics, USGS

Weniger als 20 Prozent des raffinierten Bleis werden international gehandelt. Dieser Anteil fällt niedriger aus als bei anderen wichtigen Metallen und spiegelt die Bedeutung der sekundären Bleiindustrie wider, die hauptsächlich lokale Märkte bedient. Größter Importeur von raffiniertem Blei waren 2012 die USA (siehe Abbildung 4), wo die Importe seit 2002 um 34 Prozent gestiegen sind1.

Abbildung 4: Weltweite Importe von raffiniertem Blei, 2002-2012 (in Mio. Tonnen)

 

 

Quelle: World Bureau of Metal Statistics, USGS

Die größte Exportregion im Jahr 2012 war Europa (siehe Abbildung 5), das rund die Hälfte der weltweiten Bleiexporte auf sich vereinte. Zwischen 2002 und 2012 stiegen die Ausfuhren mit Ursprung in Europa infolge des zunehmenden innereuropäischen Handels um 46 Prozent. Die Exporte aus China hingegen gingen 2007–2008 deutlich zurück und verharren seitdem auf niedrigen Niveaus. Dies ist auf die geringere Produktion und den steigenden Binnenverbrauch zurückzuführen1.

Abbildung 5: Weltweite Exporte von raffiniertem Blei, 2002-2012 (in Mio. Tonnen)

 

 

Quelle: World Bureau of Metal Statistics, USGS

Wichtige Faktoren und Trends

80 Prozent des weltweit gewonnenen Bleis werden in Batterien verwendet. In China entfallen 28 Prozent der gesamten Batterienachfrage auf Blei-Säure-Batterien für Fahrzeuge1. Zwischen 2005 und 2012 stieg die Verwendung von Blei in der Automobilproduktion aufgrund der zunehmenden Binnennachfrage nach Kraftfahrzeugen um 238 Prozent.1 Die Nachfrage nach Blei ist somit eng mit der Automobilproduktion verbunden. Bei einer Erhöhung der Nachfrage nach Fahrzeugen in China steigt normalerweise auch die Bleinachfrage.

Abbildung 6: Weltweite Endnutzung von Blei
 

 

Quelle: Bloomberg
Blei ist ein hochgiftiges Schwermetall, das umwelt- und gesundheitsschädigend sein kann. Zu den größten anthropogenen Quellen von Bleiemissionen gehören die Verbrennung von Kraftstoffzusätzen2 und Kohle. Mitte der 1990er-Jahre entfielen 74 Prozent der Bleiemissionen auf Kraftstoffzusätze . Dieser Anteil ist mittlerweile deutlich zurückgegangen, da gesetzliche Regelungen die Verwendung umweltfreundlicherer Alternativen vorschreiben, um die schädlichen Emissionen zu verringern. Aufgrund der Giftigkeit von Blei ist auch der Einsatz des Metalls in Wasserleitungen inzwischen weitgehend verboten. Sowohl die Umweltpolitik als auch Gesundheitsrisiken können die Bleinachfrage in bestimmten Märkten belasten.

Aufgrund der oben beschriebenen Folgen für Umwelt und Gesundheit wurde die Entwicklung und Vermarktung von Bleiersatzstoffen in den vergangenen Jahren vorangetrieben. Weit verbreitete Ersatzstoffe für bleibasierte Produkte sind unter anderem Lithium-Ionen-Polymer-Batterien, alternative Treibstoffzusätze sowie alternative Pigmentstoffe für Farben. Durch die Ersatzstoffe wird der Marktanteil von Blei geschmälert, und somit könnte sich auch die Nachfrage verringern.
Das Recycling von Blei spielt eine bedeutende Rolle. So stammt etwas mehr als 50 Prozent des weltweit angebotenen raffinierten Bleis aus der Sekundärproduktion3 . Das in Batterien verwendete Blei kann komplett wiederaufbereitet werden. Da Blei überwiegend in Batterien zum Einsatz kommt, handelt es sich hierbei um eine beträchtliche Menge. Durch das Recycling von Blei kann der Druck durch die Umweltpolitik teilweise kompensiert werden. Noch wichtiger ist jedoch, dass dadurch ein wichtiger Beitrag zum Ressourcenerhalt in der Versorgungskette geleistet wird und die Produktionskosten gesenkt werden können. Der bei weitem größte Teil der Bleiproduktion der westlichen Industrienationen entfällt auf die Wiederverwertung. In Schwellenländern wie China fällt dieser Anteil hingegen wesentlich niedriger aus. Doch auch hier dürfte die Sekundärproduktion in den kommenden Jahren zunehmen.

Anlagen

Anleger können ein indirektes Engagement in Blei eingehen, indem sie in börsennotierte Unternehmen investieren, die am weltweiten Produktionszyklus von Blei beteiligt sind. Beispiele für große Unternehmen, die ein Engagement in Blei ermöglichen, sind Glencore Xstrata plc (Schweiz), BHP Billiton Ltd. (Australien), Vedanta Resources plc (London) und Boliden AB (Schweden).
Blei-Futures werden an der Londoner Metallbörse London Metal Exchange (LME) gehandelt. LME-Blei-Futures dienen als globale Benchmark für die Bleipreise. Das zugrundeliegende Metall ist Blei mit einem Reinheitsgrad von mindestens 99,97 Prozent. Die Kontraktgröße beträgt 25 Tonnen, und die Notierung erfolgt in US-Dollar pro metrische Tonne.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des bestreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia)
Man unterscheidet zwei Arten von Blei-ETPs: physische ETPs oder Produkte ohne physische Hinterlegung. Das Ziel von physischen Produkten besteht darin, eine Rendite zu erwirtschaften, die den Spotpreisbewegungen von Blei (abzüglich der jeweiligen Verwaltungs- und Lagerungsgebühren) entspricht. Produkte ohne physische Hinterlegung (Swap-basierte Produkte) bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Blei-Futures und ihren Erträgen simulieren. Wer als Anleger in ein ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Bleiterminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Beispiele für Indizes, die ein Engagement in Blei-Futures ermöglichen, sind der Dow-Jones UBS Lead Subindex, der UBS Bloomberg CMCI Lead Index und der Barclays Capital Commodity Index Lead Pure Beta (USA).

Preis

Abbildung 7: Bleipreise

Quelle: Bloomberg

  • 1. Bloomberg Industries
  • 2. Weltgesundheitsorganisation, Lead Review, 2003
  • 3. International Lead Association

KAKAO

 

Kakao wächst auf Kakaobäumen, die vor allem in Regenwäldern und in Ländern nahe dem Äquator vorkommen. Die Ursprünge der Kakaofrucht reichen bis zu den alten Hochkulturen Südamerikas zurück. Über die spanischen Kolonien fand Kakao seinen Weg nach Europa. Die Europäer führten die Kakaobohne in Afrika ein, und heute ist der Kontinent der weltweit größte Kakaoproduzent.

 

Man unterscheidet zwei Typen von Kakaobohnen: Edelkakao und Konsumkakao. Konsumkakao dominiert seit rund fünfzig Jahren den größten Teil der weltweiten Kakaoproduktion. Die Anbausaison für Kakao ist ganzjährig, wobei die Haupterntezeit im September beginnt und sich bis in die ersten Monate eines neuen Jahres erstrecken kann. Kakao wird auf der gesamten Welt zur Herstellung von Schokolade und weiteren Produkten wie etwa Kakaobutter verwendet. Letztere kommt in einer Vielzahl von pharmazeutischen und kosmetischen Erzeugnissen zur Anwendung.

 

Kakao wird auf der gesamten Welt zur Herstellung von Schokolade und weiteren Produkten wie etwa Kakaobutter verwendet. Letztere kommt in einer Vielzahl von pharmazeutischen und kosmetischen Erzeugnissen zur Anwendung.

Marktübersicht

Der Anbau von Kakao konzentriert sich überwiegend auf den afrikanischen Kontinent. Von dort kamen im Jahr 2010/2011 73 Prozent1 der gesamten Weltmarktproduktion an Kakaobohnen. Zwischen 2002 und 2012 stieg die weltweite Produktion um 28 Prozent2, wobei die Erntemengen schwanken können, da die Erträge äußerst sensibel auf eine Reihe von Umweltfaktoren reagieren. Zwischen 2002 und 2012 bewegten sich die jährlichen Wachstumsraten zwischen minus 10 Prozent und plus 18 Prozent2. Die Elfenbeinküste und Ghana waren 2011–12 die beiden größten Produzenten von Kakaobohnen (siehe Abbildung 1).

 Abbildung 1: Globale Kakaobohnenproduktion nach Anbauland, 2011–12

 

Quelle: Internationale Kakao-Organisation, ICCO: Quarterly Bulletin of Cocoa Statistics, Vol. XXXIX, No. 3, Cocoa year 2012/13

Der globale Kakaokonsum wird an der Menge der gemahlenen Kakaobohnen gemessen, da die Hersteller die Kakaobohnen entsprechend der Nachfrage nach Kakaoprodukten weiterverarbeiten. Zwischen 2002 und 2012 stieg die Nachfrage stetig um 28,5 Prozent an2. Damit ist sie weit weniger schwankend als das Angebot. Der einzige innerhalb der letzten zehn Jahre zu verzeichnende Konsumrückgang ereignete sich im Jahr 2008/2009, als die Nachfrage im Verlauf der Wirtschaftskrise fiel. Die größten Verarbeitungsländer von Kakao in den Jahren 2011/2012 waren die Niederlande, die Elfenbeinküste und Deutschland (siehe Abbildung 2). Zwar ist die Menge an gemahlenen Kakaobohnen ein zuverlässiger Maßstab für die Menge an weiterverarbeitetem Kakao, doch es lässt sich daraus nicht schließen, wo die Endprodukte konsumiert werden. Im Jahr 2010/2011 waren die größten Konsumentenländer3 von Kakao die Vereinigten Staaten (20 Prozent), Deutschland (9 Prozent), Frankreich (6 Prozent) und Großbritannien (6 Prozent).

Abbildung 2: Globale Menge an gemahlenen Kakaobohnen nach Verarbeitungsland, 2011–12

 

 

 

Quelle: Internationale Kakao-Organisation, ICCO: Quarterly Bulletin of Cocoa Statistics, Vol. XXXIX, No. 3, Cocoa year 2012/13
Zwischen 2006 und 2011 stiegen die Nettoeinfuhrmengen von Kakaobohnen um 11 Prozent2. Die bedeutendsten Einfuhrländer waren die Vereinigten Staaten, Deutschland und Frankreich (siehe Abbildung 3). Der größte regionale Handel mit einem Anteil von 54 Prozent2 des gesamten Welthandels2 findet zwischen Afrika und der EU statt (Stand 2010/2011).

Abbildung 3: Globale Netto-Einfuhrländer von Kakaobohnen, 2006–2011 (in tausend Tonnen)
 

 

Quelle: Internationale Kakao-Organisation: The World Cocoa Economy: Past and Present, 2012
Die weltweiten Gesamtausfuhren von Kakaobohnen entsprachen 2010/2011 87 Prozent2 der Gesamtproduktion. Dies illustriert den relativ niedrigen Eigenkonsum an Kakao in einigen der bedeutendsten Kakao anbauenden Länder. Die größte Exportregion von Kakaobohnen ist Afrika mit einem Anteil von 80 Prozent2 der weltweiten Gesamtausfuhren (Stand 2010/2011; siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Globale Netto-Ausfuhrländer von Kakaobohnen, 2006–2011 (in tausend Tonnen)
 

 

Quelle: Internationale Kakao-Organisation: The World Cocoa Economy: Past and Present, 2012

Wichtige Faktoren und Trends

Der Anbau von Kakao reagiert äußerst sensibel auf eine Reihe von Wetterbedingungen. Bei „El Niño“ handelt es sich um ein Wetterphänomen, welches das Niederschlagsverhalten in verschiedenen Erdregionen beeinflusst. Statistische Analysen der Internationalen Kakao-Organisation weisen darauf hin, dass „El Niño“ signifikante negative Auswirkungen auf den Kakaoanbau hat und zu einem Rückgang der globalen Jahresproduktion um durchschnittlich 2,4 Prozent führt. Abbildung 5 veranschaulicht die Auswirkungen von El Niño-Phänomenen in der Vergangenheit auf die jährlichen Produktionszahlen.

Hinzu kommt, dass die intensive Landbewirtschaftung mit der Zeit zu einer Degradierung der Fruchtbarkeit der Böden führen kann. Die Gefahr geringerer Ernteerträge, die das Kakaoangebot beeinträchtigen können, kann durch nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Methoden gemildert werden. Mittels Kompostierung und dem großflächigen Einsatz von Düngemitteln auf den Kakaoplantagen kann die Produktivität verbessert werden5 . Angesichts der anhaltenden Produktionssteigerung in den Entwicklungsländern gewinnen nachhaltige Landbaumethoden zunehmend an Bedeutung für die Sicherung der Ernteerträge.

Abbildung 5: El Niño-Phänomene in der Vergangenheit und Abweichungen von gewöhnlichen Jahresproduktionsergebnissen

 

Quelle: US-Handelsministerium, National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), Internationale Kakao-Organisation (ICCO)

Politische Instabilität in einer Reihe Kakao anbauender Länder kann den weltweiten Handel mit Kakao stark beeinflussen. Die umstrittene Präsidentschaftswahl in der Elfenbeinküste, dem bedeutendsten Kakaoproduzenten, brachte 2010 die Kakaoausfuhren ins Stocken, was zu deutlichen Preiserhöhungen führte.
Angaben der World Cocoa Foundation zufolge gehen geschätzte 30–40 Prozent der potenziellen Kakao-Ernte durch Schädlings- und Krankheitsbefall verloren. Die Krankheiten der Kakaopflanze treten regional in unterschiedlichem Ausmaß auf. Dabei befallen die Pilze „Hexenbesen“ und „Frosty Pod Rot“ die Pflanze in Südamerika, während sich der „Swollen Shoot Virus“ sowie der Pilz „Vascular Streak Dieback“ in Afrika konzentrierten. Die „Schwarzfäule“ ist in Afrika, Südamerika und Asien verbreitet und führt zu einem geschätzten Verlust von 20–30 Prozent der globalen Kakao-Ernte6.
In den letzten zehn Jahren fand im globalen Wirtschaftssektor der Kakaoverarbeitung und des Kakaohandels eine bedeutende Konzentration statt. Dabei spielen die großen Handelsunternehmen Archer Daniels Midland (ADM), Barry Callebaut und Cargill eine dominierende Rolle. Im Jahr 2010 bestritten diese Unternehmen rund 40 Prozent der globalen Kakaoverarbeitung2. Seither hat eine weitere Konsolidierung stattgefunden. Es ist noch nicht klar, welche Auswirkungen dieses kontinuierliche Fortschreiten der Marktkonzentration auf den Kakaopreis haben wird.

Anlagen

Anleger können über Aktienanlagen ein indirektes Engagement im Kakaomarkt eingehen. Der überwiegende Teil des Kakaoanbaus findet in privaten landwirtschaftlichen Betrieben statt. Anleger haben allerdings die Möglichkeit, Aktien von zwei oder drei der größten Kakao weiterverarbeitenden Unternehmen zu erwerben, die vom Kakaoanbau abhängig sind. Die drei größten börsennotierten Unternehmen sind Archer Daniel Midland, Barry Callebaut und Cargill.
Der internationale Vergleichsindex für Kakaopreise ist der Intercontinental Exchange (ICE) Cocoa Futures mit dem Kürzel „CC“. Die Kontraktgröße entspricht 10 Tonnen. Gehandelt wird der Kontrakt in US-Dollar und US-Cent je Tonne. Die Liefermonate für den Kontrakt sind März, Mai, Juli, September und Dezember. Die Handelszeiten lauten 9.00–19.00 Uhr GMT (4.00–14.00 Uhr ET).

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des bestreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia).
Kakao-ETPs bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in einem Kakao-Future und seinen Erträgen simulieren. Eine Investition am Kassamarkt für Kakao ist aus Anlagesicht ungeeignet, da der Rohstoff dann physisch gehalten werden müsste. Wer als Anleger in ein ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Kakao-Terminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Indizes, die ein Engagement in Kakao-Futures bieten, sind zum Beispiel der Dow Jones–UBS Cocoa Subindex, der UBS Bloomberg CMCI Cocoa und der Barclays Capital Commodity Index Cocoa (USA).

Preis

Abbildung 6: Kakaopreise in US-Cents

 

Quelle: Bloomberg


  • 1. World Cocoa Foundation, The Cocoa Market Update, 2012
  • 2. Internationale Kakao-Organisation, The World Cocoa Economy: Past and Present, 2012
  • 3. Auf Basis des „sichtbaren Verbrauchs“. Diese Größe wird berechnet als Menge an gemahlenen Kakaobohnen plus Nettoeinfuhren von Kakaoprodukten sowie Schokolade und Schokoladeprodukten gemessen in Kakaobohnenmengen (Internationale Kakao-Organisation: The World Cocoa Economy: Past and Present, 2012)
  • 4. Internationale Kakao-Organisation: „Impact of El Niño / La Niña Weather Events on the World Cocoa Economy“
  • 5. World Cocoa Foundation, Challenges

KAFFEE

 

Kaffee hat seinen Ursprung im Hochland von Äthiopien. Im 16. Jahrhundert eroberte das Getränk den Nahen Osten und hielt später über holländische Händler auch in Europa Einzug. Die Kaffeehauskultur breitete sich schnell in ganz Europa und den Vereinigten Staaten aus. Noch heute ist der Kaffeekonsum in diesen Regionen hoch.

Weltweit werden vor allem zwei Kaffeesorten gehandelt: Arabica und Robusta. Arabica-Kaffee weist normalerweise die höchste Nachfrage auf und gilt bei den meisten Anbietern als Premiumsorte. Im Gegensatz zu der empfindlicheren Arabica-Pflanze ist die Robusta widerstandsfähiger und weniger krankheitsanfällig. Futures-Kontrakte bieten in der Regel ein Engagement in einer bestimmten Kaffeesorte. Der Coffee C-Kontrakt ist beispielsweise die weltweite Benchmark für Arabica-Kaffee.

Als Kaffeebohnen werden die Samen der Kaffeefrucht bezeichnet, die in reifem Zustand fast wie Kirschen aussehen. Die Bohne kann nach der Entfernung von der Frucht auf zweierlei Weise verarbeitet werden: durch trockene oder nasse Aufbereitung. Die nasse Aufbereitung ist zwar teurer, verspricht aber eine bessere Kaffeequalität.

Marktübersicht

Zwischen 2002/03 und 2012/13 lag das jährliche Produktionswachstum von Arabica-Kaffee im Bereich von minus 22 Prozent bis 17 Prozent1. Innerhalb dieses 10-Jahres-Zeitraums gab es fünf Jahre, in denen ein Rückgang verzeichnet wurde. Diese offensichtlichen Schwankungen des globalen Angebots sind auf die starke Abhängigkeit von Umweltfaktoren zurückzuführen. In den letzten zehn Jahren hat sich das weltweite Angebot von Arabica-Kaffee um nur 4 Prozent erhöht1. Der mit Abstand größte Kaffeeproduzent ist Brasilien, auf das 2012/2013 46 Prozent1 der weltweiten Arabica-Produktion entfielen (siehe Abbildung 1).

 Abbildung 1: Weltweites Arabica Kaffee Angebot, 2012/13

Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service


Der weltweite Kaffeeverbrauch2 hat sich in den letzten zehn Jahren um 25 Prozent1 erhöht. Ein Großteil dieser Zunahme ist auf die steigende Nachfrage in Schwellenländern zurückzuführen. Seit der Wirtschaftskrise 2008 hat die Nachfrage in der EU und in den USA nur leicht zugenommen. Im gleichen Zeitraum ist der Verbrauch in China dagegen um 268 Prozent, in Vietnam um 92 Prozent und auf den Philippinen um 54 Prozent gestiegen1. Sollten sich die Löhne und Gehälter in den Schwellenländern in den kommenden Jahren weiter erhöhen, könnte der Aufwärtstrend beim Kaffeekonsum in diesen Ländern zu einer anziehenden globalen Nachfrage führen.

Abbildung 2: Weltweite Arabica Kaffee Nachfrage, 2012/13

Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service
Zwischen 2002/03 und 2012/13 sind die weltweiten Importe um 26 Prozent gestiegen1. Die größten Nettoimporteure von Kaffee sind die EU und die USA mit einem Anteil von 41 bzw. 21 Prozent1 an den weltweiten Importen (siehe Abbildung 3). Auf Brasilien entfallen 30 Prozent der EU-Importe und 25 Prozent der US-Importe1. In den letzten fünf Jahren bestimmte jedoch größtenteils der Nachfrageanstieg in den Schwellenländern das Importwachstum.

Abbildung 3: Die wichtigsten Kaffee-Importeure, 2008-2013 (in tsd. 60kg Säcken)

Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service
Die weltweiten Exporte sind in den vergangenen zehn Jahren um 23 Prozent gestiegen1. Obwohl derzeit über ein Viertel der weltweiten Exporte aus Brasilien stammen, holen andere Länder auf. So verzeichnet Vietnam ein Exportwachstum von 53 Prozent, Indien von 78 Prozent und Ecuador von 95 Prozent1 (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Die wichtigsten Kaffee-Exporteure, 2008-2013 (in tsd. 60kg Säcken)

Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service

Wichtige Faktoren und Trends

Brasilien ist der größte Kaffeeproduzent, auf den fast die Hälfte der weltweiten Arabica-Produktion entfällt. Weitere große Produzenten sind Indonesien und Vietnam, die sich vorwiegend auf die Produktion von Robusta-Kaffee konzentrieren. Aufgrund dieser beträchtlichen Marktkonzentration kann jegliche Veränderung der Angebots- und Nachfragedynamik in Brasilien starke Auswirkungen auf den weltweiten Kaffeehandel und die Preise von Arabica-Kaffee haben. Die brasilianische Regierung hat in der Vergangenheit Angebotsüberschüsse aufgekauft, um den Markt zu unterstützen. Höhere Produktionsraten in Brasilien können sinkende Preise zur Folge haben. Dieses Risiko steigt, wenn die Regierung nicht entsprechend eingreift.
Hemileia vastatrix (auch bekannt als Kaffeerost) ist ein Pilz, der die Blätter der Arabica-Sträucher befällt und Ernteausfälle verursacht. In schweren Fällen stirbt sogar die gesamte Pflanze ab. Kaffeerost stellt somit für das weltweite Kaffeeangebot eine ernst zu nehmende Gefahr dar. Die Krankheit tritt in fast allen Kaffeeanbaugebieten auf. Besonders betroffen ist Mittelamerika, wo 2012/13 ein Befall von 53 Prozent verzeichnet wurde – der größte Schaden seit dem erstmaligen Auftreten der Krankheit in dieser Region3. Das US-Landwirtschaftsministerium rechnet in seinen Prognosen zur Kaffeeproduktion in Mittelamerika und Mexiko für 2013/14 aufgrund der Ernteausfälle mit einem Produktionsrückgang von 8 Prozent1.
Der Kaffeekonsum ist stark von dem verfügbaren Einkommen der Verbraucher abhängig. In der Vergangenheit war der höchste Verbrauch in den Industrieländern zu beobachten. In den kommenden Jahren könnte der Kaffeekonsum angesichts weiter steigender Löhne und Gehälter jedoch auch in den Schwellenländern deutlich steigen, vor allen in wichtigen Anbauländern wie Vietnam und Indonesien.

Anlagen

Ein indirektes Engagement am Kaffeemarkt ist durch eine Anlage in börsennotierte Unternehmen möglich, die in der Verarbeitung und im Vertrieb von Kaffee tätig sind. Hierzu zählen zum Beispiel Großunternehmen wie Nestlé (Muttergesellschaft von Nespresso) und Starbucks. Tata Coffee (Indien) bietet zudem ein indirektes Engagement am asiatischen Kaffeemarkt.
Die beiden größten Terminbörsen für Kaffee befinden sich in New York (Arabica) und London (Robusta). Die weltweite Benchmark für Arabica ist der an der IntercontinentalExchange (ICE) gehandelte Coffee C-Kontrakt mit dem Kürzel „KC“. Die Kontraktgröße entspricht 37.500 GBP. Gehandelt wird der Kontrakt in US-Dollar und US-Cent je Pfund. Die Kontraktmonate sind März, Mai, Juli, September und Dezember und die Handelszeiten 8.30-19.00 Uhr GMT (3.30-14.00 Uhr ET). In einer Notice of Certification wird die Qualität des Kaffees auf Basis des Reinheitsgrads der Bohnen und einer durch Cup-Tests ermittelten Geschmacksbewertung eingestuft. Für über dem Standard eingestufte Kaffees gibt es einen Aufschlag und für schlechter bewertete Kaffees einen Abschlag.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia)
ETPs auf Kaffee bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement an den Erträgen von Kaffee-Futures simulieren. Eine Investition am Kassamarkt für Kaffee ist aus Anlagesicht ungeeignet, da der Rohstoff dann physisch gehalten werden müsste. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Terminkontrakten auf Kaffee ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Indizes, die ein Engagement in Kaffee-Futures bieten, sind zum Beispiel der Dow Jones–UBS Coffee Subindex, der UBS Bloomberg CMCI Coffee und der Barclays Capital Commodity Index Coffee (USA).

Preis

Abbildung 5: Chart für Arabica-Kaffeepreis in US-Dollar
 

Quelle: Bloomberg


  • 1.US-Landwirtschaftsministerium, Foreign Agricultural Service, Coffee: World markets and Trade, Juni 2013
  • 2.Meist werden die Kaffeesorten Arabica und Robusta vor dem Verkauf an den Endverbraucher gemischt, sodass die Nachfragedaten die Gesamtnachfrage nach Kaffee widerspiegeln.
  • 3.Internationale Kaffeeorganisation (ICO)

MAIS

 

Mais ist eine widerstandsfähige Pflanze, die ihren Ursprung auf dem amerikanischen Kontinent hat und heute in vielen Teilen der Welt angebaut wird. Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass Mais aus der Region des heutigen Mexikos stammt. Ihre Verbreitung in der Welt verdankt die Kulturpflanze jedoch den europäischen Eroberern im 15. und 16. Jahrhundert, die den Mais zuerst nach Europa brachten. Heute ist Mais die weltweit am meisten angebaute Getreideart.

Mais wird unter verschiedenen Klima- und Bodenbedingungen angebaut, eignet sich jedoch aufgrund seiner Kälteempfindlichkeit am besten für den Anbau in gemäßigteren Zonen. Er wird in der Regel im Frühjahr ausgesät. Bei der Keimung treiben zunächst Blätter aus, später entwickelt sich ein dicker, faseriger Stängel. Nach einer Wachstumsphase findet die Bestäubung statt, die von Wetter und Bodenfruchtbarkeit beeinflusst wird. Unkraut kann der Pflanze die Feuchtigkeit und Nährstoffe streitig machen und wird meist mit Herbiziden bekämpft.

Ein Großteil der Maisernte wird als Futtermittel eingesetzt. Der Rest wird in erster Linie zu Nahrungsmittel- und Industrieprodukten verarbeitet, darunter Kraftstoff-Ethanol, Klebstoffe, Speiseöl und Margarine, Süßstoffe und andere Lebensmittel. Mais weist einen hohen Stärkegehalt auf und dient daher Menschen in aller Welt als Grundnahrungsmittel. Er ist Hauptbestandteil einer Reihe von häufig konsumierten Lebensmitteln, darunter Maisbrei, Frühstücksflocken und Tortillas.

Marktübersicht

In den letzten zehn Jahren ist die Maisproduktion um 43 Prozent gestiegen1. Das weltweite Angebot wird aktuellen Schätzungen zufolge zwischen 2011/12 und 2022/23 um 23 Prozent zunehmen2. Die beiden größten Maisproduzenten waren 2011/12 die USA und China, die zusammen für 57 Prozent3 der weltweiten Gesamtproduktion verantwortlich zeichneten (siehe Abbildung 1). In den kommenden zehn Jahren wird mit einem Produktionsanstieg von 29 Prozent in China und 24 Prozent in den USA gerechnet. Das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten prognostiziert für 2013/14 dank günstiger Ernten in den USA, China und der Ukraine eine Steigerungder globalen Produktionsmenge um 12 Prozent3.

Abbildung 1: Weltweites Maisangebot, 2011-2012

Quelle: USDA, World Agricultural Supply and Demand Estimates
In den vergangenen zehn Jahren nahm die Nachfrage nach Mais weltweit um 38 Prozent3 zu, und bis 2022/23 wird mit einem Anstieg des Verbrauchs um knapp über 27 Prozent gerechnet2. Die beiden größten Maiskonsumenten waren 2011/12 die USA und China, die zusammen über die Hälfte der weltweiten Nachfrage ausmachten (siehe Abbildung 2). In den USA beruht die Nachfrage hauptsächlich auf dem Einsatz als Futtermittel und für die Ethanolproduktion. Bis 2022/23 wird mit einem Anstieg des Verbrauchs um 28 Prozent2 gerechnet. Auch in China wird Mais in erster Linie als Futtermittel verwendet. Prognosen zufolge wird der Verbrauch bis 2022/23 um 35 Prozent zulegen2; für 2012/13 und 2013/14 wird ein jährlicher Anstieg um 7 Prozent3 erwartet.

Abbildung 2: Weltweite Maisnachfrage, 2011-2012

Quelle: USDA, World Agricultural Supply and Demand Estimates
Die weltweiten Maisimporte werden Schätzungen zufolge zwischen 2011/12 und 2022/23 um 25 Prozent2 zunehmen. Zu den größten Maisimporteuren gehörten 2011/12 Japan, Mexiko und Südkorea, wobei die Nachfrage nach Fleisch die Importe durch die asiatischen Industrienationen beflügelte (siehe Abbildung 3). Obwohl China derzeit ein Nettoimporteur ist, war das Land in der Vergangenheit bereits auch ein wichtiger Nettoexporteur. Aufgrund staatlicher Exportsubventionen und Steuernachlässe ist es schwer, Voraussagen über die chinesische Exportpolitik zu treffen. Dies trägt zur Unsicherheit des Markts bei.

Abbildung 3: Weltweite Maisimporte, 2008-2013 (in Mio Tonnen)

Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service
Die USA waren 2011/12 der größte Maisexporteur und kamen für ein Drittel der weltweiten Exporte auf Prognosen zufolge werden die US-Exporte zwischen 2011/12 und 2022/23 um 62 Prozent2 steigen, um die zunehmende Nachfrage in den Entwicklungsländern zu decken. Obwohl die USA ein wichtiger Akteur im globalen Handel mit Mais sind, machen Exporte nur einen relativ geringen Anteil an der Nachfrage nach Mais aus den USA aus. Somit wird der Preis weitgehend durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Inland bestimmt. Argentinien, die Ukraine und Brasilien sind ebenfalls wichtige Akteure am Export-Markt (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Weltweite Maisexporte, 2008-2013 (in Mio Tonnen)

Quelle: USDA, World Agricultural Supply and Demand Estimates

Wichtige Faktoren und Trends

Die USA und China halten weltweit die größten Lagerbestände, wobei die Märkte aufgrund der Exportkapazitäten der USA besonders sensibel auf Veränderungen des dortigen Lagerbestands reagieren. Bei einem Rückgang oder einem prognostizierten Rückgang können die Marktpreise positiv reagieren, bei einem Anstieg negativ (siehe Abbildung 5).

Abbildung 5: Anteil der US-Lagerbestände am Inlandsverbrauch (in %)

Figure 5

Quelle: USDA, World Agricultural Supply and Demand Estimates
Mais wird zudem für die Produktion von Kraftstoffen auf Ethanolbasis für Verbrennungsmotoren verwendet und ist der wichtigste Rohstoff für die Herstellung von Ethanolkraftstoffen in den USA. Ethanol gilt allgemein als günstigere und sauberere Alternative zu Benzin, und es wird erwartet, dass diese Eigenschaften die Produktion in den kommenden Jahren ankurbeln. Die US-Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen zur Förderung von Biokraftstoffen eingeführt. Die Produktion von Mais für die Ethanolherstellung machte 2011–2012 rund 37 Prozent der gesamten Maisproduktion in den USA aus4.
Der Einsatz von Biotechnologie bei der Maisproduktion wird kontrovers diskutiert und könnte in den kommenden Jahren einen starken Einfluss auf die Fundamentaldaten des Rohstoffs haben. Der Einsatz insektenresistenter und herbizidtoleranter Sorten ist in den USA weit verbreitet und macht mittlerweile über 75 Prozent des Anbaus aus. In der EU ist der Anbau von gentechnisch verändertem Getreide bislang auf erheblichen Widerstand getroffen. Dadurch sind Länder wie Brasilien in der Lage, große Mengen von nicht gentechnisch verändertem Mais auf diesem bedeutenden Importmarkt abzusetzen.
Corn Mais ist in aller Welt als Futtermittel verbreitet. In den USA ist er das wichtigste Futtergetreide. Der zunehmende Konsum von Fleisch und Geflügel auf globaler Ebene, insbesondere in den Entwicklungsländern, hat zu einer erhöhten Nachfrage nach Futtermitteln geführt. Mit dem Anstieg der Gehälter in den Entwicklungsländern und dem Einsatz effizienterer Methoden zur Nutztierhaltung könnte der Fleischkonsum in diesen Ländern weiter ansteigen.

Anlagen

Maisanbau wird in der Regel von Landwirten oder Unternehmen in Privatbesitz betrieben. Anleger können jedoch ein indirektes Engagement eingehen, indem sie Anteile an Agrarunternehmen erwerben, die am Produktionsprozess und am Handel mit Mais beteiligt sind. So sind beispielsweise Monsanto und DuPoint an der Produktion gentechnisch veränderter Saaten beteiligt.
Die zwei wichtigsten Maisbörsen sind das Chicago Board of Trade (CBOT) und die Dalian Commodity Exchange (DCE) in China. Die Kontraktgröße des CBOT beträgt 5.000 Scheffel (rund 127 Tonnen). Die Kontraktmonate sind März, Mai, Juli, September und Dezember, das Kürzel lautet „C“. Der Preis für Mais wird in US-Cent je Scheffel angegeben. Die Handelszeiten sind wochentags zwischen 8:30 Uhr und 13:15 Uhr Central Time.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier hier in unserem ETPedia)
Mais-ETPs bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Mais-Futures und ihren Erträgen simulieren. Eine Investition am Kassamarkt für Mais ist aus Anlagesicht ungeeignet, da der Rohstoff dann physisch gehalten werden müsste. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Mais-Terminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Zu den Indizes, die ein Engagement in Mais-Futures bieten, gehören der Dow Jones–UBS Corn Subindex, der UBS Bloomberg CMCI Corn, der S&P GSCI Corn Index und der Teucrium Corn Fund (USA).

Preis

Abbildung 6: Maispreise

Figure 6

Quelle: Bloomberg

  • 1.US-Landwirtschaftsministerium: Foreign Agricultural Service
  • 2.US-Landwirtschaftsministerium: Economic Research Service, 2013 International Long-Term Projections to 2022
  • 3.US-Landwirtschaftsministerium, World Agricultural Supply and Demand Estimates

SOJABOHNEN

 

Die Sojabohne ist eine Hülsenfrucht, die ursprünglich aus Ostasien stammt. Sie wächst hauptsächlich in warmen und heißen Klimazonen, und erst seit dem frühen 20. Jahrhundert werden Sojabohnen in bedeutenden Mengen in Europa und den USA angebaut. Heute stellen verarbeitete Sojabohnen den weltweit wichtigsten Grundstoff für Eiweißfuttermittel und Pflanzenöl dar.

Sojabohnen wachsen auf einer Vielzahl von Bodenarten. Von der Aussaat bis zur Ernte vergehen 80 bis 120 Tage. Nach der Ernte werden bei der Weiterverarbeitung von Sojabohnen zwei Nebenprodukte gewonnen: Sojaöl und Sojaschrot. Derzeit sind die USA der größte Sojabohnenproduzent der Welt. Ein Großteil der dort produzierten Menge ist gentechnisch verändert.

Aufgrund ihres hohen Proteingehalts werden Sojabohnen für die Herstellung einer Vielzahl von Lebensmitteln verwendet. Sojaschrot ist der wertvollste Bestandteil, der bei der Verarbeitung von Sojabohnen gewonnen wird, und macht 50–75 Prozent des Produktwerts aus. 98 Prozent des Sojaschrots werden als Futtermittel eingesetzt, der Rest wird für Lebensmittel, wie z. B. Backzutaten und Fleischersatzprodukte verwendet. Sojabohnen, Sojaschrot und Sojaöl können separat gehandelt werden.

Marktübersicht

In den vergangenen zehn Jahren nahm die Sojabohnenproduktion weltweit um 36 Prozent1 zu. Für den Zeitraum zwischen 2011/2012 und 2022/23 wird mit einem Anstieg der globalen Produktionsmenge um 44 Prozent2 gerechnet . Die drei größten Produzenten, die USA, Brasilien und Argentinien, waren 2011/12 zusammen für 80 Prozent3 der weltweiten Gesamtproduktion verantwortlich (siehe Abbildung 1). Es wird erwartet, dass ein Großteil des globalen Produktionsanstiegs in den kommenden zehn Jahren auf der Produktion in Südamerika basieren wird. Prognosen zufolge wird diese in Brasilien um 74 Prozent2 und in Argentinien um 73 Prozent2 zulegen. Die Produktion in China dürfte hingegen im selben Zeitraum um 22 Prozent2 abnehmen.

Abbildung 1: Weltweites Sojabohnen-Angebot

 

Quelle: USDA, World Agricultural Supply and Demand Estimates
In den vergangenen zehn Jahren legte der Sojabohnenverbrauch weltweit um 35 Prozent1 zu. Für den Zeitraum zwischen 2011/2012 und 2022/23 wird mit einem Anstieg der Nachfrage um 36 Prozent gerechnet2. Die größten Konsumenten von Sojabohnen sind China, die USA und Brasilien. Sie waren 2011–12 zusammen für 63 Prozent3 der weltweiten Nachfrage verantwortlich (siehe Abbildung 2). Für die kommenden zehn Jahre wird ein Anstieg des Sojabohnenverbrauchs in China um 58 Prozent2 sowie ein Zuwachs bei der Nachfrage in Brasilien und Argentinien um 30 Prozent2 bzw. 41 Prozent2 prognostiziert. Dem steht eine moderatere Zunahme von 14 Prozent2 des Verbrauchs in den USA gegenüber.

Abbildung 2: Weltweite Sojabohnen-Nachfrage

 

Quelle: USDA, World Agricultural Supply and Demand Estimates
Seit 2000/01 hat der Sojabohnenimport um 82 Prozent1 zugenommen. Für die kommenden zehn Jahre wird mit einem weiteren Zuwachs von 60 Prozent gerechnet2. China ist derzeit der größte Akteur im Sojabohnenhandel (siehe Abbildung 3). 2011/12 machten die chinesischen Sojabohnenimporte weltweit 63 Prozent aus, und bis 2022/23 wird mit einem Anstieg auf 71 Prozent gerechnet2. Der Marktpreis für Sojabohnen kann daher recht anfällig für Veränderungen der chinesischen Nachfrage sein.

Abbildung 3: Globale Importe 2009-2013

 

Quelle: USDA, World Agricultural Supply and Demand Estimates

Die beiden wichtigsten Exporteure von Sojabohnen sind Brasilien und die USA (siehe Abbildung 4). Zwischen 2011/12 und 2022/23 wird mit einem Zuwachs der Exporte aus Brasilien von 76 Prozent gerechnet2. Für die Exporte aus den USA wird dagegen ein Anstieg um 18 Prozent prognostiziert2. Während Argentinien beim Export von Sojabohnen nur an dritter Stelle liegt, ist das Land jedoch der größte Exporteur von Sojaschrot und Sojaöl.

Abbildung 4: Globale Exporte 2009-2013

 

Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service

Wichtige Faktoren und Trends

Gentechnisch veränderte Sojabohnen spielen eine große Rolle auf dem globalen Sojabohnenmarkt. In den USA stieg die Anbaufläche für genetisch veränderte Sojabohnen zwischen 1997 und 2013 von 17 Prozent auf 93 Prozent4 (siehe Abbildung 5). Unter einigen großen Importeuren herrscht nach wie vor deutliche Skepsis in Bezug auf den Einsatz von Biotechnologie beim Getreideanbau, wovon insbesondere Exporteure von nicht genetisch verändertem Soja aus Südamerika profitiert haben.

Abbildung 5: Anteil genetisch veränderter Sojabohnen in den USA an der bestellten Fläche (in %), 1996–2013

 

Quelle: USDA, Economic Research Service

Sojarost ist eine schwere Pilzerkrankung, die Sojabohnenpflanzen befällt und weltweit für Ernteausfälle verantwortlich ist. Die Ausbreitung des Pilzes auf Südamerika wurde erstmals 2001 dokumentiert. 2004 trat er zum ersten Mal in den USA auf5 . Anfang November 2013 wurde Sojarost in 13 US-Bundesstaaten festgestellt, wobei hauptsächlich der Südosten des Landes betroffen war6 . Da 80 Prozent der weltweiten Gesamtproduktion aus den USA und Südamerika stammen, könnte die Verbreitung dieser Pilzerkrankung schwerwiegende Auswirkungen auf das globale Angebot haben.
Sojabohnen sind ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Biodiesel, das zwar in geringeren Mengen als Bioethanol produziert wird, jedoch in den USA und in Europa an Bedeutung als alternativer Biokraftstoff gewinnt. Biodiesel kann für Dieselmotoren eingesetzt werden und ist umweltfreundlicher als herkömmliche Brennstoffe. Einige Staaten haben mit dem Ziel der Reduzierung von Treibhausgasemissionen Maßnahmen zur Förderung von Biodiesel ergriffen, was sich positiv auf die Nachfrage auswirkt.
Der Preis von Sojabohnen sollte auch vor dem Hintergrund der beiden wichtigsten Nebenprodukte betrachtet werden: Sojaöl und Sojaschrot. Der sogenannte „Crush Spread“ ist eine Handelsstrategie, die im Rahmen des Risikomanagements angewendet wird und bei der eine Kombination aus Future-Positionen in Sojabohnen, Sojaöl und Sojaschrot eingegangen wird, um eine Verarbeitungsmarge zu erzielen. Die beiden Nebenprodukte haben jeweils eine eigene Nachfrage- und Lieferkette, sind aber dennoch aneinander gekoppelt.

Anlagen

Anleger können über Agrarunternehmen, die am Produktionsprozess und am Handel mit Sojabohnen beteiligt sind, ein Engagement im Sojabohnensektor aufbauen. Zu den börsennotierten Unternehmen mit einem Engagement in Sojabohnen gehören Bunge Limited und Archer Daniels Midland Company. Monsanto produziert genetisch veränderte Sojabohnensaat.
Sojabohnen werden an Börsen in aller Welt gehandelt, wobei der CME Group Chicago Board of Trade (CBOT) Soybeans Future als wichtigster Indikator für Preisveränderungen von Sojabohnen gilt. Die Kontraktgröße beträgt 5.000 Scheffel (rund 136 Tonnen), und die Kontraktmonate sind Januar, März, Mai, Juli, August, September und November. Sojabohnen-Futures tragen das Kürzel „S“ und ihr Preis wird in US-Cent je Scheffel angegeben. Sojaschrot-Futures werden in US-Dollar je US-Tonne gehandelt und Sojaöl-Futures in US-Cent je US-Pfund. Die Handelszeiten sind wochentags zwischen 8:30 Uhr und 13:15 Uhr Central Time.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft und für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), wäre dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia)
Sojabohnen-ETPs bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Sojabohnen-Futures und ihren Erträgen simulieren. Eine Investition am Kassamarkt für Sojabohnen ist aus Anlagesicht ungeeignet, da der Rohstoff dann physisch gehalten werden müsste. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Sojabohnen-Terminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Zu den Indizes, die ein Engagement in Sojabohnen-Futures bieten, gehören der Dow Jones–UBS Soybeans Subindex, der S&P GSCI Soybeans Index, der UBS Bloomberg CMCI Soybeans Index und der Teucrium Soybean Fund Benchmark Index (USA)

Preis

Abbildung 6: Sojabohnen-Preise

Figure 6

Quelle: Bloomberg


  • 1.US-Landwirtschaftsministerium, FAS, World: Soybeans and Products Supply and Distribution
  • 2.US-Landwirtschaftsministerium, Economic Research Service, 2013 International Long-Term Projections to 2022
  • 4.UUS-Landwirtschaftsministerium, Adoption of Genetically Engineered Crop in the US
  • 5.US-Landwirtschaftsministerium, Agricultural Research Service: Invasive and Emerging Fungal Pathogens – Diagnostics Fact Sheets
  • 6.US-Landwirtschaftsministerium, Pest Information Platform for Extension and Education

ZUCKER

 

Zucker (Saccharose) gehört zu der übergeordneten Gruppe der Kohlenhydrate und zeichnet sich durch seinen süßen Geschmack aus. Ihren Anfang nahm die Zuckerproduktion in Asien. Die spanischen und portugiesischen Kolonien sorgten später für die weitere Verbreitung in aller Welt. Christoph Kolumbus brachte das Zuckerrohr in die Karibik. Von dort aus erreichte die Zuckerproduktion Brasilien, den heute größten Zuckerhersteller.

Zucker wird aus zwei Rohstoffen gewonnen: Zuckerrohr und Zuckerrüben. Zuckerrohr benötigt ein tropisches Klima und wächst in Teilen Südasiens, Südamerikas und der Karibik. Zuckerrüben werden in Regionen mit gemäßigtem Klima angebaut, zu einem großen Teil auch in Europa. Etwa 75 Prozent des Zuckers werden aus Zuckerrohr hergestellt. Rohzucker und raffinierter (weißer) Zucker sind zwei verschiedene Produkte, die beide international gehandelt werden. Zuckerrüben anbauende Länder exportieren raffinierten Zucker, während Zuckerrohrproduzenten entweder Rohrzucker oder raffinierten Zucker ausführen. Die Differenz zwischen den Marktpreisen für Rohzucker und Weißzucker wird als Weißzuckerprämie bezeichnet.

Zucker wird zwar in erster Linie als Lebensmittelrohstoff für Haushalt und Industrie genutzt, ist jedoch auch ein effizienter Ausgangsstoff für die Ethanolproduktion.

Marktübersicht

Zwischen 2008 und 2013 hat sich das weltweite Zuckerangebot um 22 Prozent erhöht1. Dieser Anstieg ist im Wesentlichen auf das Produktionswachstum bei den größten Zuckerherstellern zurückzuführen. In diesem Zeitraum ist die Produktion in Brasilien um 21 Prozent und in Indien um 71 Prozent gestiegen1. 2012/13 waren die wichtigsten Zuckerproduzenten Brasilien, Indien und die Europäische Union (siehe Abbildung 1). Für den Zeitraum 2013 bis 2022 wird ein weltweites Wachstum der Zuckerproduktion von ca. 1,9 Prozent pro Jahr bei mäßig steigenden Ernteerträgen prognostiziert2. Zu beachten gilt, dass das Zuckerangebot von den Wetterbedingungen abhängig ist. In Indien zum Beispiel unterliegt die jährliche Zuckerproduktion aufgrund des Monsuns oft starken Schwankungen.
Abbildung 1: Weltweites Zuckerangebot

Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service
Zwischen 2008 und 2013 erhöhte sich die Weltnachfrage nach Zucker um 15 Prozent1, wobei vor allem in Asien ein starkes Wachstum zu verzeichnen war. In diesen fünf Jahren stieg die Nachfrage in Thailand um 30 Prozent, in Indien um 23 Prozent und in China um 20 Prozent1. In Europa fiel das Nachfragewachstum innerhalb dieses Zeitraums mit 15 Prozent etwas schwächer aus1. 2012/13 waren die wichtigsten Zuckerabnehmer Indien, die Europäische Union und China (siehe Abbildung 2). Prognosen zufolge wird die weltweite Nachfrage nach Zucker in den kommenden zehn Jahren um ca. 1,9 Prozent pro Jahr steigen. Einen großen Wachstumsbeitrag werden dabei die Regionen Afrika und Asien leisten, die ein Zuckerdefizit aufweisen2.
Abbildung 2: Weltweite Zuckernachfrage

Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service
Global Die weltweiten Importe stiegen zwischen 2008 und 2013 um 23 Prozent1. Dies war vor allem auf den Handel in Asien zurückzuführen, wo die zunehmende Nachfrage nach zuckerbasierten Produkten teilweise durch Importe gedeckt wurde. Innerhalb des Fünfjahreszeitraums beeindruckte insbesondere China mit einem Importwachstum von 253 Prozent1. Die beiden größten Zuckerimporteure EU und USA (siehe Abbildung 3) verzeichneten dagegen ein nur geringes Importwachstum.
Abbildung 3: Weltweite Zuckerimporte
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Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service
In den Jahren 2012/13 machte der weltweite Export 32 Prozent der Gesamtproduktion aus1. Der Exportmarkt wird von einigen wenigen großen Anbietern bestimmt, wobei Brasilien die Führungsposition innehat. 2012/13 war das Land für fast die Hälfte der weltweiten Exporte verantwortlich1 (siehe Abbildung 4). Beträchtliche Schwankungen der jährlichen Produktion haben dazu geführt, dass sich Indien zeitweise vom größten Importeur zum zweitgrößten Exporteur entwickelt hat. Diese Schwankungen haben die Volatilität am Weltzuckermarkt beträchtlich erhöht. In den kommenden Jahren dürfte die Exportentwicklung maßgeblich von den Zuckerrohrproduzenten in Schwellenländern wie Brasilien und Thailand bestimmt werden.
Abbildung 4: Weltweite Zuckerexporte

Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service

Wichtige Faktoren und Trends

Bioethanol wird durch Fermentation von Zuckern hergestellt. Das durch die Vergärung entstandene reine Ethanol kann als Kraftstoff für Motorfahrzeuge verwendet werden. Brasilien ist der größte Produzent von zuckerrohrbasiertem Ethanol. Das Land setzt fast die Hälfte seiner Zuckerproduktion zur Gewinnung von Ethanol für den Inlandsverbrauch ein. Die Abschaffung der US-Zölle auf Importe von zuckerrohrbasiertem Ethanol aus Brasilien sowie zwischenstaatliche Übereinkommen zur Förderung des Einsatzes erneuerbarer Energien könnten sich als Wachstumstreiber der Biokraftstoffindustrie und insbesondere der Bioethanol-Exporte aus Brasilien erweisen.
Abbildung 5: Zuckerrohrbasierte Bioethanol-Produktion in Brasilien

Quelle: USDA, Economic Research Service
Nach Schätzungen der IntercontinentalExchange werden weniger als 50 Prozent der weltweiten Zuckerproduktion auf einem freien Markt gehandelt3. Der internationale Zuckermarkt ist maßgeblich durch staatliche Subventionen für inländische Produzenten und Handelszölle gekennzeichnet. In den USA zum Beispiel werden ausländische Importe durch Marktkontrollen und Zollkontingente streng kontrolliert. Auch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU ist ein Beispiel für eine protektionistische Handelsbarriere. Durch beträchtliche Subventionen für Zuckerproduzenten in der EU wird ein Überangebot auf dem Markt begünstigt.
Zuckerersatz wie Glukose-Fruktose-Sirup (GFS), der für viele gesüßte Getränke verwendet wird, findet als Alternative zu Zucker in verschiedenen Endprodukten Anwendung. Prognosen zufolge dürfte die Nachfrage nach GFS von 2013 bis 2022 um 15 Prozent zunehmen2 und womöglich den Marktanteil von Zucker schmälern. Da in vielen Industrie- und Schwellenländern das wachsende Problem der Übergewichtigkeit zu einem gesundheitspolitischen Thema geworden ist, könnte die Verwendung von Süßungsmitteln als Ersatz für Zucker an Bedeutung gewinnen.

Anlagen

Anleger können ein indirektes Engagement im Zuckermarkt eingehen, indem sie in börsennotierte Unternehmen investieren, die im Bereich der Zuckerproduktion tätig sind. Zu den weltweit größten Zuckerproduzenten zählen die folgenden Unternehmen: Südzucker AG (Deutschland), Cosan Ltd. (Brasilien) und die Muttergesellschaft von British Sugar PLC, Associated British Foods (GB).
Die beiden größten Terminbörsen befinden sich in New York (Rohzucker) und London (Weißzucker). Der ICE Sugar No. 11-Kontrakt mit dem Kürzel „SB“ ist die globale Benchmark für Rohzucker. Die Kontraktgröße entspricht 112.000 Pfund. Gehandelt wird der Kontrakt in US-Dollar und US-Cent je Pfund. Die Kontraktmonate sind März, Mai, Juli und Oktober und die Handelszeiten 7.30-19.00 Uhr GMT (2.30-14.00 Uhr ET).

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia)
ETPs auf Zucker bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement an Zucker-Futures und seinen Erträgen simulieren. Eine Investition am Kassamarkt für Zucker ist aus Anlagesicht ungeeignet, da der Rohstoff dann physisch gehalten werden müsste. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Zucker-Terminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Indizes, die ein Engagement in Zucker-Futures bieten, sind zum Beispiel der Dow Jones–UBS Sugar Subindex, der UBS Bloomberg CMCI Sugar, der Barclays Capital Sugar Pure Beta Index oder der Teucrium Sugar Fund (USA).

Preis

Abbildung 6: Zuckerpreis

etf_fig6_sugar_v2-01

Quelle: Bloomberg


  • 1. US-Landwirtschaftsministerium, Foreign Agricultural Service, World Sugar Production, Supply and Distribution
  • 2. ECD-FAO Agricultural Outlook 2013-2022
  • 3. IntercontinentalExchange, Sugar No. 11 and Sugar No. 16 

WEIZEN

 

Weizen ist ein Getreide, das in weiten Teilen der Welt angebaut wird. In der Vergangenheit wuchs es in gemäßigten Klimazonen, und schon seit Urzeiten wird es als Nahrungsmittel angebaut. Da sich die Nutzung des ursprünglich wilden Getreides in den verschiedenen Völkern zunehmend verbreitete, kamen neue Weizensorten auf, mit denen eine nachhaltigere Versorgung sichergestellt werden sollte.

Jede Weizenart – z. B. roter, weicher Winterweizen, roter, harter Weizen, Hartweizen und Weißweizen um nur einige zu nennen – benötigt andere Wachstumsbedingungen, sodass sich die angebauten Arten von Land zu Land unterscheiden. Der rote, weiche Winterweizen kommt in der Regel in feuchteren Gebieten vor, die für Hartweizen ungeeignet sind. Winterweizen wird in den USA von September bis Dezember angebaut und Anfang Juli geerntet.

Weizen dient in erster Linie als Nahrungsmittel und deckt rund 20 Prozent des Kalorienbedarfs der Weltbevölkerung. Das Eiweiß Gluten macht Weizen zu einem äußerst vielseitigen Getreide und dient einem Großteil der Weltbevölkerung als wichtige Eiweißquelle. Weizen wird in erster Linie für Mehl verwendet, kommt aber auch in Bierbrauereien und Whisky-Destillerien zum Einsatz, zur Herstellung von Speiseölen, als Stroh für Viehställe, Viehfutter, Heu sowie zur Herstellung von Zeitungspapier und anderen Produkten.

Marktübersicht

In den letzten zehn Jahren hat die weltweite Weizenproduktion um 15 Prozent1 zugenommen, und zwischen 2011/12 und 2022/23 wird ein Anstieg des Angebots von 11 Prozent2 prognostiziert. Die Europäische Union und China sind derzeit die beiden größten Weizenproduzenten (siehe Abbildung 1). China hat seine Weizenproduktion in den vergangenen zehn Jahren um 34 Prozent1 gesteigert, während sie in der EU lediglich um 7 Prozent1 gestiegen ist. In der ehemaligen Sowjetunion3 ist die Weizenproduktion 2011/12 zwar aufgrund extremer Witterungsverhältnisse um 33 Prozent4 zurückgegangen, allerdings wird erwartet, dass diese Gruppe von Ländern in den kommenden zehn Jahren einen erheblichen Anteil an der Steigerung der weltweiten Produktion haben wird.
Abbildung 1: Weltweites Weizenangebot

Quelle: USDA, World Agricultural Supply and Demand Estimates
Zwischen 2002 und 2012 hat der Weizenverbrauch weltweit um 13 Prozent1 zugenommen, und in den kommenden zehn Jahren wird ein weiterer Anstieg von 7 Prozent2 erwartet. Die drei größten Abnehmer von Weizen sind die EU, China und Indien. Sie sind zusammen für fast die Hälfte des weltweiten Weizenverbrauchs verantwortlich (siehe Abbildung 2). In China stieg die Nachfrage im vergangenen Jahrzehnt um 34 Prozent2, wodurch sich die globale Weizennachfrage entsprechend erhöhte. In den Schwellenländern zeichnet sich ein wachsender Verbrauch von Weizen ab, während in den USA genau das Gegenteil der Fall sein dürfte. Hier wird die Nachfrage in den Jahren 2013/14 und 2014/15 voraussichtlich stark einbrechen und danach bis 2022 unverändert bleiben.
Abbildung 2: Weltweite Weizennachfrage

Quelle: USDA, World Agricultural Supply and Demand Estimates

Anders als bei Mais und Sojabohnen sind die Anteile am weltweiten Handel von Weizen gleichmäßiger verteilt. Auf kein Land entfallen mehr als 10 Prozent4 der Gesamtimporte (siehe Abbildung 3). Der weltweite Weizenhandel wird den Schätzungen zufolge zwischen 2013/14 und 2022/23 um 16 Prozent2 zunehmen, wobei sich die Importe vor allem auf die Schwellenländer konzentrieren dürften. Ägypten wird 2022 voraussichtlich der größte Weizenimporteur bleiben, und ein erheblicher Anteil am Anstieg der weltweiten Importe dürfte auf das Konto von Ländern in Afrika und im Nahen Osten gehen. China ist kein bedeutender Weizenimporteur und stützt sich im Wesentlichen auf seine eigene Produktion. Angesichts der beträchtlichen Nachfrage des Landes würden die Preise bei einer Veränderung der fundamentalen Lage in China allerdings äußerst empfindlich reagieren.

Abbildung 3: Weltweite Weizenimporte

Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service
Die ehemalige Sowjetunion hat derzeit einen Anteil von 25 Prozent4 am weltweiten Export von Weizen. Die Ausfuhren traditioneller Exportnationen, wie die USA und Kanada, werden im kommenden Jahrzehnt voraussichtlich entweder stagnieren oder zurückgehen. In der EU wird dagegen mit einem Anstieg der Exporte deutlich über das Niveau der letzten zehn Jahre hinaus gerechnet. Die Exporte Russlands, der Ukraine und Kasachstans dürften bis 2022 um 55 Prozent2 zulegen, womit diese Länder einen beträchtlichen Beitrag zum prognostizierten Anstieg der weltweiten Weizenexporte leisten würden.
Abbildung 4: Weltweite Weizenexporte

Quelle: USDA, Foreign Agricultural Service

Wichtige Faktoren und Trends

Ausgehend von Prognosen des US-Landwirtschaftsministeriums2 könnte sich Russland bis 2023 zum größten Exporteur von Weizen entwickeln, und die gesamten Weizenexporte der ehemaligen Sowjetunion könnten fast das Doppelte der Exporte der USA erreichen (siehe Abbildung 5). Sollten sich diese Prognosen als richtig erweisen, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf das weltweite Weizenangebot haben. Aufgrund der unvorhersehbaren Witterungsbedingungen und schwankenden Ernteerträge der Region ist dann allerdings mit jährlichen Schwankungen des Weizenangebots und des Handels zu rechnen.
Abbildung 5: Prognostizierte Weizenexporte der USA und der ehemaligen Sowjetunion

Quelle: USDA, Economic Research Service, 2013 International Long-Term Projections to 2022
Die Weizennachfrage der Schwellenländer wird von zwei wesentlichen Faktoren beeinflusst: der steigenden Bevölkerungszahl und den wachsenden Einkommen. Es wird geschätzt, dass im Jahr 2030 zusätzlich eine Milliarde Tonnen Getreide benötigt werden, um eine Weltbevölkerung von 8,7 Mrd. Menschen5 zu ernähren. Außerdem könnte aufgrund wachsender Einkommen und verbesserter Ernährungsgewohnheiten der Anbau von Weizen als Viehfutter zunehmen. Dadurch könnten Schwellenländer in eine Importabhängigkeit von Industrieländern mit Weizenüberschüssen gezwungen werden.
China, Russland, die Ukraine und Kasachstan haben in der Vergangenheit bereits mehrmals Importzölle verhängt und Ausfuhrbeschränkungen beschlossen und dadurch das globale Angebot aus dem Gleichgewicht gebracht. Da diese Länder einen erheblichen Einfluss auf das Angebot und den Export von Weizen haben, könnten protektionistische Maßnahmen die Weizenpreise stützen, wenn die Märkte einen möglichen Rückgang des Welthandels einpreisen.
Weizen – wie auch die meisten anderen Agrarrohstoffe – sind fundamental stark abhängig von den Witterungsbedingungen, die sehr wechselhaft sein können. Extreme Feuchte oder Trockenheit können den Ernteertrag schmälern und somit zu einer Verknappung des Angebots und einer entsprechenden Verteuerung des Weizens führen. Im Jahr 2012 etwa vernichteten Hitzewellen und Waldbrände einen Teil der Ernte in der ehemaligen Sowjetunion, woraufhin die Weizenproduktion und die Ausfuhren deutlich sanken. Der Weizenpreis stieg daher zwischen Juni und Juli 2012 in nur einem Monat um 25 Prozent.

Anlagen

Anleger können über Agrarunternehmen, die am Produktionsprozess und am Handel von Weizen beteiligt sind, ein Engagement im Weizensektor aufbauen. Börsennotierte Unternehmen, die ein solches Engagement ermöglichen, sind unter anderem Archer Daniel Midland und Bunge, die ihren Firmensitz jeweils in den USA haben.
Weizen-Futures werden hauptsächlich an der Terminbörse CBOT (Chicago Board of Trade) der CME Group gehandelt. Sie tragen das Kürzel „W“ und werden in Einheiten von 5.000 Scheffeln (ca. 136 Tonnen) gehandelt. Den meisten Weizen-Kontrakten liegt roter, weicher Winterweizen zugrunde, der häufig auch als „Chicago-Weizen“ bezeichnet wird. Die an der CBOT gehandelten Weizen-Futures dienen allgemein als Referenz für die Weizenpreise und notieren in US-Cents je Scheffel. Die Kontraktmonate sind März, Mai, Juli, September und Dezember. Gehandelt werden die Futures wochentags zwischen 8:30 Uhr und 13:15 Uhr Central Time.

Futures-Kontrakte werden in der Regel kurz vor ihrem Ablauf verkauft, um anschließend in einen neuen Kontrakt zu investieren. Mit diesem als „Rollen“ bezeichneten Prozess soll eine tatsächliche Lieferung des betreffenden Rohstoffs vermieden werden. Auf diese Weise wird ein kontinuierliches Rohstoffengagement ermöglicht. Die erworbenen Kontrakte können teurer sein als die verkauften Kontrakte, was bedeutet, dass die Terminkurve aufsteigend verläuft, und was für die Anlageerträge negativ ist. Diese Konstellation wird als „Contango“ bezeichnet. Sind die erworbenen Kontrakte dagegen billiger als die verkauften (fallende Terminkurve), ist dies aus Sicht der Anleger positiv. Einen solchen Kurvenverlauf nennt man „Backwardation“. Die Verluste bzw. Gewinne, die aus dem Rollen von Terminkontrakten entstehen, werden allgemein als „Rollrendite“ bezeichnet. (Weitere Informationen finden Sie hier in unserem ETPedia)
Weizen-ETPs bilden Indizes nach, die ein kontinuierliches Engagement in Weizen-Futures und ihren Erträgen simulieren. Eine Investition am Kassamarkt für Weizen ist aus Anlagesicht ungeeignet, da der Rohstoff dann physisch gehalten werden müsste. Wer als Anleger in einen ETP oder ein anderes Finanzinstrument investiert, das Indizes nachbildet, die ein kontinuierliches Engagement in den Erträgen von Weizen-Terminkontrakten ermöglichen, muss daher wissen, dass diese Erträge immer die Gewinne und Verluste umfassen, die daraus entstehen, dass der Kontrakt zur Aufrechterhaltung des Engagements gerollt wird – Gewinne, wenn sich die Terminkurve in Backwardation befindet, und Verluste im Fall einer Terminkurve in Contango. Die Gesamterträge aus einer Anlage in Rohstoff-Futures können daher stark von den im Spot-Preis oder im Terminkurs des nächstfälligen Kontrakts implizierten theoretischen Erträgen abweichen (siehe unten).

Zu den Indizes, die ein Engagement in Weizen-Futures ermöglichen, gehören der Dow Jones–UBS Wheat Subindex, der S&P GSCI Wheat Index, der UBS Bloomberg CMCI Wheat Index und der Teucrium Wheat Fund Benchmark Index (USA).

Preis

Abbildung 6: Weizenpreise

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Quelle: Bloomberg


  • 1. US-Landwirtschaftsministerium, Foreign Agricultural Service
  • 2. US-Landwirtschaftsministerium, Economic Research Service, 2013 International Long-Term Projections to 2022
  • 3. Armenien, Aserbaidschan, Weißrussland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Russische Föderation, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine und Usbekistan
  • 4. US-Landwirtschaftsministerium, World Agricultural Supply and Demand Estimates
  • 5. FOA, World Agriculture 2030