WisdomTree
Gold Monthly
March 2026
Nitesh Shah
Head of Commodities and Macroeconomic Research, WisdomTree Europe
Nitesh Shah ist ein Finanzexperte mit über 24 Jahren Erfahrung in den Bereichen Research und Anlagestrategie. Als Head of Commodities & Macroeconomic Research bei WisdomTree Europa leitet er Marktanalysen und -einblicke für die verschiedenen Anlageklassen, wobei sein Schwerpunkt auf Rohstoffen und börsengehandelten Produkten liegt. Zuvor war er bei Moody's, HSBC Investment Bank, The Pension Protection Fund und Decision Economics tätig, wo er sein Fachwissen in den Bereichen Marktanalyse und Strategie vertiefte.
Nitesh Shah hat einen Master-Abschluss in internationaler Wirtschaft und Finanzwesen von der Brandeis University und einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der London School of Economics. Seine Einsichten werden häufig in den Finanzmedien zitiert und er ist ein gefragter Redner bei Branchenveranstaltungen. Außerdem ist er Moderator des Podcasts „Commodity Exchange“, in dem er über Trends auf den globalen Märkten spricht. Nitesh Shah begeistert sich für die Beratung von Anlegern und bietet ihnen umsetzbare Erkenntnisse, die ihnen bei der Orientierung in der komplexen Finanzlandschaft helfen.
Iran-Krieg als neuer Katalysator für Gold
Geopolitik am Steuer
Im letzten Jahr haben sich rasch neue geopolitische Entwicklungen vollzogen. Im April 2025 hatten wir den Tag der Befreiung, im Januar 2026 kam es zu einem Regimewechsel in Venezuela, im Januar 2026 unternahm Trump den Versuch, Grönland zu übernehmen, und Ende Februar 2026 brach dann der Krieg zwischen den USA/Israel und dem Iran aus.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick darüber, um wie viel der Goldpreis nach früheren geopolitischen Schockereignissen gestiegen ist. In den meisten Fällen schneidet Gold deutlich besser ab als Aktien.
Abbildung 1: Wertentwicklung von Gold nach geopolitischen Krisen
*Da seit dem Ereignis noch kein volles Jahr vergangen ist, wurden die neuesten Daten herangezogen (13.03.2026). Quelle: Bloomberg, WisdomTree, 1973–2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Muster „Erst abwärts, dann aufwärts“ wirkt vertraut
Der Krieg dauert nun seit über zwei Wochen an, doch der Goldpreis liegt weiter unter dem Niveau, das zu Beginn des Konflikts verzeichnet wurde. Ist das ungewöhnlich? Nicht wirklich. Ein Blick zurück auf historische geopolitische Schockereignisse zeigt, dass dieses Muster recht häufig auftritt.
Die nachstehende Abbildung ist ein Auszug aus der Tabelle oben und konzentriert sich auf Fälle, in denen die Preise zunächst unter Druck gerieten. Die Terroranschläge vom 11. September, die Dotcom-Blase, der Schwarze Montag, der Rücktritt von Nixon, der Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie die griechische Staatsschuldenkrise führten alle zu einem gewissen negativen Druck auf den Goldpreis, bevor dieser anschließend stark zulegte.
Die Dauer dieses anfänglichen Abwärtsdrucks war von Fall zu Fall unterschiedlich, doch die Mechanismen sind im Großen und Ganzen ähnlich:
- Der geopolitische Schock erzeugt Abwärtsdruck auf zyklische Vermögenswerte wie Aktien.
- Margin Calls bei Aktien-Futures erfordern den Zugriff auf liquide Mittel.
- Gold, ein barmittelähnliches und hochliquides Instrument, wird verkauft, um Margin-Zahlungen zu leisten.
- Durch diesen Verkaufsdruck sinkt der Goldpreis vorübergehend.
Ein Faktor, der diesmal etwas einzigartig sein könnte, ist der zusätzliche Verkaufsdruck seitens privater Haushalte in Nahost, die liquide Mittel benötigen, um unerwartete Ausgaben zu decken, wie zum Beispiel den Kauf teurer Flugtickets zur Evakuierung aus der Region. Laut Bloomberg gab es in der ersten Woche des Konflikts erhebliche Preisnachlässe beim Goldverkauf auf den lokalen Märkten.1
Abbildung 2: Wertentwicklung von Gold nach geopolitischen Ereignissen

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, 1974–2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Geopolitischer Druck dürfte anhalten
Mit einem Preis von rund 5.000 US-Dollar je Unze zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels erscheint Gold deutlich unterbewertet. Unserer Ansicht nach werden viele Anleger diese Konsolidierungsphase als günstigen Einstiegszeitpunkt betrachten, um ihr Engagement in Gold zu erhöhen.
Trump hat kein klares Ziel für den Krieg formuliert. Da in diesem Jahr Zwischenwahlen anstehen, wird er unter Druck stehen, den Konflikt in irgendeiner Form zu einem Abschluss zu bringen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass der Iran einem Waffenstillstand schnell zustimmen wird. Trump könnte einen Sieg verkünden, bevor die militärischen Kräfte des Iran vollständig ausgeschaltet sind, wodurch noch für einige Zeit erhebliche geopolitische Risiken bestehen bleiben würden. In einem solchen Umfeld dürfte Gold weiterhin gut gestützt bleiben.
Gegenwind durch den US-Dollar
Einer der Gründe, aus denen Gold in US-Dollar gerechnet nicht so stark gestiegen ist, liegt in der Aufwertung des US-Dollar selbst, was dessen Status als sichere Währung widerspiegelt. Der US-Dollar hat während dieses Konflikts stärker an Wert gewonnen als andere traditionelle Fluchtwährungen. Andere Fluchtwährungen wie der Schweizer Franken und der Yen stehen vor zusätzlichen Herausforderungen, da die Schweiz und Japan Netto-Energieimporteure sind – im Gegensatz zu den USA, die weitgehend energieunabhängig sind.
Wenn die derzeitige Stärke des US-Dollar nachlässt, dürfte der Goldpreis zulegen. Der strukturelle Abwärtsdruck auf den US-Dollar hält an, unter anderem aufgrund des wachsenden Zwillingsdefizits und der zunehmenden Unsicherheit darüber, inwieweit Trump die Unabhängigkeit der Federal Reserve (Fed) akzeptiert.
Abbildung 3: Gold und US-Dollar-Korb

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Oktober 2025–März 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Gegenwind durch Anleihen
Auch die steigenden Anleiherenditen wirken sich negativ auf den Goldpreis aus. Angesichts des zunehmenden Inflationsdrucks schrauben viele Händler ihre Erwartungen bezüglich kurzfristiger Zinssenkungen zurück. Als Folge davon sind die Renditen langfristiger Anleihen in die Höhe geklettert. Höhere Anleiherenditen üben in der Regel Abwärtsdruck auf den Goldpreis aus.
Abbildung 4: Gold vs. Realzinsen

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Oktober 2025–März 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Anlegerstimmung
Auch die spekulative Nettopositionierung in Gold-Futures erscheint vor dem Hintergrund der geopolitischen Lage relativ verhalten. Wir beobachten seit einiger Zeit, dass die Positionierung am Terminmarkt die Stärke der weltweit positiven Stimmung gegenüber Gold nicht vollständig widerspiegelt.
Abbildung 5: Spekulative Nettopositionierung in Gold-Futures

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, 2009–2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Auch die Zuflüsse in börsengehandelte Produkte (ETPs) haben sich seit Kriegsbeginn abrupt verändert. Im Januar und Februar 2026 verzeichnete Nordamerika sehr starke Zuflüsse in Höhe von insgesamt 11,5 Milliarden US-Dollar. In diesem Zeitraum waren die Kapitalströme in Europa relativ verhalten, während die Kapitalströme in Asien sogar noch höher waren als in Nordamerika.
Seit Beginn des Konflikts sind jedoch mehr als 7 Milliarden US-Dollar aus nordamerikanischen Produkten abgeflossen, während die Zuflüsse in europäische Produkte zugenommen haben. Die Kapitalströme in Asien bleiben robust. Dank anhaltender Zuflüsse bleibt Asien in diesem Jahr gemessen an den Kapitalbewegungen mit Abstand der größte ETP-Markt.
Abbildung 6: Kapitalströme in Gold-ETPs
Quelle: Weltgoldrat, 1. Januar 2026–13. März 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Fazit
Insgesamt scheint die aktuelle Konsolidierung der Goldpreise eher kurzfristige Liquiditätsengpässe als eine Verschlechterung der Fundamentaldaten widerzuspiegeln. Die geopolitischen Risiken bleiben hoch, der strukturelle Druck auf den US-Dollar hält an und die Anlegerpositionierung ist vor diesem Hintergrund nach wie vor eher zurückhaltend. Sobald dieser vorübergehende Gegenwind abklingt, dürfte sich die Rolle von Gold als geopolitische Absicherung und als Mittel zur Portfoliodiversifikation wieder durchsetzen. Vor diesem Hintergrund könnte das derzeitige Preisumfeld letztlich als günstige Gelegenheit in Erinnerung bleiben, das Engagement in Gold auszubauen.
1 Gold Stuck in Dubai Is Being Sold at Discount as War Widens, Bloomberg, 7. März 2026.