Erhöhte Gold/Silber-Ratio rückt schlechte Entwicklung von Silber in den Vordergrund
28 Oct 2022Gold bekommt seit März von einem starken Dollar und steigenden Zinsen Gegenwind. Dennoch hat sich Silber in diesem Zeitraum schlechter entwickelt als Gold, da die Industrienachfrage wenig Unterstützung liefert. Silber wird häufig als gehebelte Version von Gold charakterisiert, da es in beide Richtungen größere Schwankungen aufweisen kann. In den zwölf Monaten nach dem COVID-Crash auf den Märkten vom März 2020 übertraf Silber Gold deutlich. Aktuell beträgt die Gold/Silber-Ratio rund 85 Punkte und steht damit deutlich über dem historischen Durchschnitt, der tendenziell im Bereich 50–60 Punkte liegt.
USA lösen strategische Reserve weiter auf und Ölpreis sinkt erneut
28 Oct 2022Am 19. Oktober gab US-Präsident Joe Biden bekannt, dass die USA weitere 15 Millionen Barrel Öl aus der strategischen Reserve des Landes freigeben werden. Dabei handelt es sich um die letzte Tranche von insgesamt 180 Millionen Barrel, die seit Mai aus der Reserve entnommen wurden. Die US-Regierung gab zu verstehen, dass sie die strategische Reserve wieder auffüllen werde, wenn die Preise unter 70 USD/Barrel fielen. Sowohl die WTI- als auch die Brent-Öl-Benchmark waren im Laufe des Monats Oktober leicht rückläufig.
Erwartung weiterer Engpässe bei Rohstoffen
21 Oct 2022Die Bestände zahlreicher Rohstoffe befinden sich deutlich unterhalb des historischen Durchschnitts. Und die Zahl der Rohstoffe, die sich in Backwardation befinden – bei denen die Spotpreise also über den Terminpreisen liegen –, befindet sich auf einem historischen Hoch. Beides signalisiert eine knappe Angebots- und Nachfragedynamik. Nach der spekulativen Netto-Positionierung und der technischen Preisanalyse zu urteilen, macht sich bei vielen Rohstoffen Pessimismus breit. Trotz der Angst vor einer Rezession scheint dieser Pessimismus angesichts der Fundamentaldaten nicht gerechtfertigt und es könnte bei mehreren Rohstoffen zu einer durch Short-Eindeckungen ausgelösten Rally kommen, wenn diese Positionen auslaufen. Unseren Erwartungen zufolge wird das Angebot bei zahlreichen Rohstoffen weiterhin knapp bleiben. Schmelzereien sind angesichts hoher Energiekosten gezwungen, ihren Betrieb einzustellen. Die Organisation erdölexportierender Länder und ihre Partner (OPEC+) zeigen sich angesichts der aktuell rückläufigen Ölpreise klar unzufrieden und haben begonnen Maßnahmen zu ergreifen. Der sichere Transport von Getreide aus der Ukraine ist über November hinaus nicht garantier.
Konjunktur sorgt bei Edelmetallen für Gegenwind
21 Oct 2022Gold belastet den gesamten Komplex der Edelmetalle, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte. Gleichwohl erwartet Metals Focus, dass sowohl Platin als auch Palladium das Jahr mit einem Angebotsdefizit beenden. Dies ist hauptsächlich auf ein rückläufiges Angebot aus dem Bergbau in Südafrika zurückzuführen, dem größten Produzenten von Platingruppenmetallen (PGMs). Die Nachfrage nach den beiden Metallen zur Verarbeitung in Autokatalysatoren ist nach wie vor hoch. Außerdem wurde in den letzten Tagen bekannt, dass die London Metal Exchange (LME) ein Verbot für russische Rohstoffe erwägt. Sollte es nicht dazu kommen, wird sich dies höchstwahrscheinlich auf Industriemetalle wie Aluminium, Nickel und Kupfer auswirken. Da es sich bei Russland aber um einen wichtigen Produzenten von PGMs handelt, ist es möglich, dass die Märkte diese Entwicklung auch für Platin und Palladium als positives Signal wahrnehmen.
Aussichten auf einen Höhepunkt der Angriffslust der Zentralbanken könnte den Gegenwind für Edelmetalle mildern
13 Oct 2022Die US-Notenbank (Fed) hat im September ihre dritte Zinserhöhung um 75 Basispunkte in Folge durchgeführt. Dadurch wurde der Aufwärtsdruck auf den US-Dollar und die Treasury-Renditen und der Abwärtsdruck auf Gold aufrechterhalten. Doch obwohl kurzfristig erwartet wird, dass die USA die Zinsen weiter erhöhen und dies außerdem schneller tun werden als andere große Volkswirtschaften, fasst im Marktdiskurs zunehmend die Auffassung Fuß, dass sich die Angriffslust der Fed einem Höhenpunkt nähert. Ein Höhepunkt der Angriffslust könnte das Vorspiel zu einem schließlich friedfertigen Umschwenken durch die Zentralbank sein. Auf der Grundlage dieser aufkommenden Stimmung erholte sich Gold in der letzten September- und der ersten Oktoberwoche. Die spekulative Netto-Positionierung in Gold, ein Maß für die Stimmung, ist weiterhin deutlich gedämpft und liegt rund zwei Standardabweichungen unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Das bedeutet, es besteht ein hohes Potenzial, dass die Stimmung für einen Kursanstieg bei Gold sorgt, sobald der Aufwärtsdruck auf den Dollar und US-Staatsanleihen nachlässt.
Industriemetalle stehen unter konjunkturbedingtem Druck und könnten sich erholen
13 Oct 2022Industriemetalle sind konjunkturabhängig. Wir stellen fest, dass die Metallpreise unter dem derzeitigen Abschwung leiden, wie dies bereits in der Vergangenheit der Fall war. Basismetalle sind im Rahmen der Energiewende jedoch so wichtig wie nie zuvor. Im Moment spielt sich eine Energiekrise ab, die durch den Krieg in der Ukraine noch verstärkt wird. In Europa möchte man die Energiewende beschleunigen, um die Abhängigkeit von russischen Energiequellen zu reduzieren. Dadurch steigt die Last auf erneuerbare Energiequellen und Batteriespeicher, um unseren Energiebedarf zu decken. Kurz gesagt: Dafür braucht man noch sehr viel mehr Metall. Doch die Produktion vieler Basismetalle ist rückläufig. Dies ist teilweise auf sinkende Preise zurückzuführen, wodurch es schwieriger wird, Investitionen zu rechtfertigen. Außerdem wird die Verhüttung von Metallen durch die hohen Energiepreise unwirtschaftlich. Deshalb befinden sich die Bestände von Industriemetallen derzeit deutlich unterhalb des Durchschnitts der letzten fünf Jahre. Unseres Erachtens spiegelt die Preisentwicklung seit Jahresbeginn diese hohe Knappheit nicht wider. Deshalb besteht viel Spielraum für eine Aufwärtskorrektur.
Wie wird die Gesetzgebung die EUA-Preise beeinflussen?
06 Oct 2022Emissionszertifikate der Europäischen Union (EUAs) verzeichneten im September ein Minus von 17 %. Das ist der stärkste monatliche Rückgang seit März 2020, also seit dem Tiefpunkt der COVID-Krise. Unserer Meinung nach ist dieser Pessimismus nicht gerechtfertigt. Die Wirtschaftsaktivität wird voraussichtlich zwar nachlassen, aber nicht so stark wie in den Lockdown-Monaten des Jahres 2020. Außerdem ist es wahrscheinlich, dass das EU-Parlament gegen einen Vorschlag der Europäischen Kommission stimmen wird, die Marktstabilitiätsreserve (MSR) zur Finanzierung von REPowerEU zu plündern. Wie wir in unserem Artikel „Schießt die EU „aus der Hüfte“, indem sie die Marktstabilitätsreserve plündert?“ kommentierten, würde ein Anzapfen der MSR nicht nur das Angebot von EUAs erhöhen, sondern auch ein negatives Signal im Hinblick auf die Entschlossenheit der EU senden, ein Überangebot zu kontrollieren, und den Marktteilnehmern Angst vor übermäßigen und plötzlichen politischen Eingriffen einjagen. Die Entscheidung des Parlaments über die Ablehnung des Vorschlags sollte unseres Erachtens für eine Umkehrung des Preisrückgangs sorgen, zu dem es im Juni 2022 gekommen war, als die Kommission ihren Vorschlag unterbreitete. Das Parlament und der Rat (die Tschechische Republik führt den Vorsitz) sind dagegen für das Frontloading des Verkaufs von EUAs, deren Verkauf die Mitgliedsstaaten im Zeitraum von heute bis 2030 geplant hatten. Da das Gesamtangebot bei diesem überarbeiteten Vorschlag unverändert bleibt, sollte der Plan unseres Erachtens keine negativen Auswirkungen auf die Preise haben. Falls die Preise als Reaktion auf das Frontloading in der Tat nachgeben sollten, dürfte sich dadurch ein sogar noch besserer Einstiegspunkt bieten.
Kommt es zu einem zeitweiligen Rückgang der Erdgaspreise?
06 Oct 2022US-amerikanisches Henry-Hub-Erdgas, das im Laufe des Sommers hohe Zuwächse verzeichnet hat, erlitt im Monat September einen Crash von 25 %. Anfang September ließ die Nachfrage durch den Betrieb von Klimaanlagen nach (der Sommer 2022 war in den USA außergewöhnlich heiß), was bei Erdgas zu einem starken Nachfragerückgang führte. Obwohl die Nachfrage nach Erdgas in Europa und Asien hoch ist, wurde der Export aus den USA auf diese Märkte durch den Brand am LNG-Terminal (Liquefied Natural Gas) in Freeport beeinträchtigt. Das Terminal hat einen Anteil von fast 20 % an der Exportkapazität der USA. Es wird erwartet, dass das Terminal im November teilweise wieder geöffnet wird. Dies wird unseren Erwartungen zufolge zu einer Reduzierung der US-Bestände führen und zum gegebenen Zeitpunkt für steigende Preise sorgen.
Zink und Aluminium entwickeln sich trotz eines zunehmend angespannten physischen Markts schlecht
22 Sep 2022Die Kurse von Industriemetallen befinden sich nach wie vor auf einem niedrigen Niveau, obwohl die Energiekrise in Europa in den kommenden Monaten für einen äußerst angespannten Metallmarkt sorgen wird. Die Produktion von Metallen wie Aluminium und Zink ist sehr energieintensiv und viele europäische Hersteller haben die Produktion angesichts stark gestiegener Energiepreise zurückgefahren. Die größte Aluminiumhütte in Europa, Aluminium Dunkerque, gab bekannt, bis zum 1. Oktober 22 % ihrer Produktion stillzulegen, was 64 kt entspricht, und kommentierte, dass die Strompreise „viel zu hoch sind, um die Produktion mit voller Kapazität wiederaufzunehmen“. Die europäische Aluminiumproduktion hat den niedrigsten Stand seit den 1970er-Jahren erreicht (Quelle: Bloomberg). Die Kurse spiegeln den Angebotsengpass, den dieser Produktionsrückgang mit sich bringen wird, derzeit nicht wider. Die Terminkurve von Aluminium befindet sich noch immer in Contango (Terminpreise liegen über den Spotpreisen). Dies lässt darauf schließen, dass die Märkte für den Moment auf die bevorstehende Rezession fixiert sind und wenig Interesse daran besteht, wie angespannt der Markt sein könnte, wenn sich Europa von der Rezession erholt oder sie irgendwie vollkommen vermeidet.
Der Ethereum Merge ist abgeschlossen. Was hat sich verändert?
22 Sep 2022Das Ethereum-Netzwerk dachte die von Bitcoin entwickelte Idee einer dezentralen Blockchain weiter und fügte der Blockchain neue Funktionen hinzu. Es wurden programmierbare Anwendungen und Smart Contracts eingeführt, die automatisierte Entscheidungen und Transaktionen ermöglichten. Smart Contracts sind selbstausführende Code-Stücke, die die Bedingungen für den Ablauf einer bestimmten Aktion schaffen. Das bedeutet, dass der Code entscheidet, ob eine Aktion stattfinden kann oder nicht – nicht ein Unternehmen oder eine Einzelperson. Das war ein wichtiger Durchbruch. Anstatt sich auf eine zentrale Institution oder das subjektive Urteil einer Person verlassen zu müssen, führt der Code eine Transaktion durch, nachdem bestimmte, vom Code vorgegebene Bedingungen erfüllt werden. Anstatt sich darauf verlassen zu müssen, dass ein Unternehmen oder eine Person eine Transaktion durchführt, entwickelte das Ethereum-Netzwerk eine dezentrale Peer-to-Peer-Netzwerkarchitektur, in der Vertrauen dezentralisiert wurde. Laut den Entwicklern von Ethereum bestand das Hauptziel in der Entwicklung einer Abwicklungsebene für das Internet of Value.