Was uns die Reaktion meiner Tochter auf ein BlackBerry über Anlagen in Megatrends verrät
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Themen zahlen sich aus, doch der Wert konzentriert sich auf sehr wenige Unternehmen. Die Geschichte wiederholt sich: Von Kodak bis Blockbuster – Themen sind erfolgreich, während die meisten einzelnen Unternehmen, die ihnen angehören, scheitern.
- Beim thematischen Investieren wiegen die Kosten, einen Gewinner zu verpassen, schwerer als die Kosten, einen Verlierer zu halten. Die Renditen sind asymmetrisch: Eine Verlustposition kann höchstens 100 % kosten, während eine Gewinnerposition 1.000 % oder mehr einbringen kann.
- Diversifikation ist kein Kompromiss, sondern die Strategie. Ein disziplinierter, breit gefasster Themenkorb kann Ihnen die Chance bieten, das nächste Amazon zu halten, bevor es offensichtlich wird.
- Verbundene Produkte WisdomTree Megatrends UCITS ETF - USD Acc, WisdomTree Tech Megatrends UCITS ETF - USD Acc Mehr erfahren
Letzten Sommer besuchte ich mit meiner 12-jährigen Tochter ein Kommunikationsmuseum. Wir schlenderten durch die Räume – von Telegrafen über Wählscheibentelefone bis hin zu Faxgeräten. Am Ende eines Ausstellungsraums waren in einer einzigen Vitrine zwei Objekte nebeneinander ausgestellt: ein iPhone und ein BlackBerry. Ich zeigte mit leiser Nostalgie auf das BlackBerry. „Als ich in deinem Alter war, war das das Handy, das alle haben wollten.“ Sie betrachtete es einen Moment lang und kicherte dann. „Aber die Tastatur ist nicht Teil des Bildschirms.“
Diese Reaktion sagte alles. Was einst als Statussymbol galt, ist heute eine veraltete Kuriosität. Die Mobilfunkkommunikation hat ihr Versprechen auf spektakuläre Weise eingelöst, doch der dadurch geschaffene Wert wurde nicht gleichmäßig verteilt. Research in Motion hielt 2009 rund 20 %1 des weltweiten Smartphone-Marktes. Bis 2013 war dieser Anteil auf unter 3 %1 eingebrochen. Apple, das das iPhone unter fast allseitiger Skepsis der etablierten Branchenakteure auf den Markt brachte, sicherte sich einen überproportionalen Anteil an den Gewinnen des gesamten Marktes. Das Thema war erfolgreich. Die meisten Unternehmen in diesem Bereich waren es nicht.
Die Geschichte wiederholt sich oft – Anleger sollten daraus lernen
Das Bemerkenswerte an dieser Geschichte ist, wie vertraut sie bei fast jedem wichtigen Megatrend wirkt.
Nehmen wir die Fotografie. Kodak dominierte den Markt für Verbraucherfotografie beinahe das gesamte 20. Jahrhundert lang. Ausgerechnet ein Kodak-Ingenieur erfand 1975 die erste Digitalkamera.2 Die Unternehmensleitung legte das Projekt auf Eis, um das Filmgeschäft zu schützen. Die digitale Revolution fand dennoch statt – ohne Kodak. Das Unternehmen meldete 2012 Insolvenz an.
Das Internet folgte dem gleichen Muster. Yahoo war Ende der 1990er-Jahre für Millionen von Menschen das Tor zur Online-Welt. Das Unternehmen besaß die Marke, die Nutzerzahlen und die Ressourcen. Amazon wirkte wie ein bescheidener Online-Buchladen mit fragwürdiger Rentabilität. Doch Amazon erkannte etwas, was Yahoo nie begriff: Das Internet war nicht nur ein neues Medium, sondern eine neue Infrastruktur. Heute erwirtschaftet allein Amazons Cloud-Sparte mehr Gewinn als die meisten börsennotierten Unternehmen in Europa.
Ähnliches gilt zuletzt für soziale Netzwerke oder Heimvideos. MySpace erreichte 2008 mit 75,9 Millionen Besuchern3 pro Monat seinen Höhepunkt. Facebook war damals der kleine Herausforderer. Innerhalb weniger Jahre hatten sich die Rollen komplett vertauscht. Netflix wandte sich an Blockbuster mit dem Vorschlag einer Partnerschaft, als das Unternehmen einen Umsatz von 600 Millionen US-Dollar erzielte. Blockbuster lehnte ab. 2010 meldete das Unternehmen Konkurs an.
Das Muster ist immer dasselbe: Themen erweisen sich langfristig meist als gewinnbringend, doch an den Aktienmärkten gilt das Prinzip „Der Gewinner bekommt alles“. Die Gewinne fließen in der Regel nur einer sehr kleinen Zahl von Unternehmen zu, und diese Unternehmen sind selten die, die zu Beginn am sichersten erscheinen.
Die Mathematik hinter der Asymmetrie
Hier liegt der Haken, der leicht zu übersehen ist. Megatrends oder Themen lassen sich relativ früh erkennen. Das Internet Ende der 1990er-Jahre oder das Mobiltelefon Anfang der 2000er-Jahre wirkten zwar revolutionär, doch die zukünftigen Gewinner schon so früh mit Sicherheit zu identifizieren, ist deutlich schwieriger, wenn nicht gar unmöglich. Amazon ging 1997 als Online-Buchhandlung mit einem Wert von unter 500 Millionen US-Dollar4 an die Börse, als Yahoo noch marktbeherrschend war. Nvidia war bis weit in die 2010er-Jahre hinein ein Nischenhersteller von Grafikchips, bis es durch die Einführung von ChatGPT zum weltweit größten Anbieter wurde. Thematische Gewinner werden erst im Nachhinein offensichtlich.
Das ist die grundlegende Herausforderung bei thematischen Anlagen: Die Unternehmen, die letztlich den größten Teil des durch einen Megatrend geschaffenen Werts für sich verbuchen, sind selten die Titel, die zu Beginn als die sichersten Anlagen erscheinen. Die Kosten, wenn man sie verpasst, sind enorm. Verlierer können einen Verlust von 100 % verursachen, doch Gewinner können eine Rendite von 1.000 % oder mehr einbringen.
Diese Asymmetrie lässt sich anhand eines einfachen Beispiels veranschaulichen. Ein diversifizierter Korb der zehn größten Internetaktien zum Jahresende 1998 übertraf den S&P 500 in den folgenden 24 Jahren um fast zwei Prozentpunkte pro Jahr5, obwohl nur drei dieser Unternehmen bis heute überlebt haben. Dennoch hatte jede konzentrierte Auswahl von fünf Aktien aus demselben Pool eine Wahrscheinlichkeit von 60 %, hinter dem Markt zurückzubleiben5, einfach weil die Wahrscheinlichkeit, einen dieser drei Überlebenden zu erfassen, so gering war. Die Analyse legt nahe, dass das Verpassen eines langfristigen Gewinners einen größeren Einfluss auf die Renditen haben kann als das Halten mehrerer erfolgloser Unternehmen.
Die Bedeutung für thematische Anlagen
Die überraschende Erkenntnis lautet, dass eine zu große Überzeugung bei thematischen Anlagen ein Nachteil sein kann. Je sicherer Sie sich sind, das nächste Apple frühzeitig zu erkennen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie ein Portfolio aufbauen, das dieses Unternehmen verpasst.
Das heißt jedoch nicht, dass dies ein Argument für ein undifferenziertes Engagement wäre. Der Kauf eines breiten Technologieindex erfasst lediglich bereits etablierte Mega-Caps und lässt wachstumsstarke Unternehmen außer Acht. Es ist ein Large-Cap-Engagement in Technologiewerten, kein thematisches Investieren.
Ein durchdachtes thematisches Engagement vereint:
- Themenausrichtung mit einer maßgeschneiderten Portfoliostruktur, um das Thema abzudecken
- Thematische Expertise, die fundierte Research-Kompetenz mit Praxiswissen verbindet, das über die reine Finanzanalyse hinausgeht
- Fokus auf reine Akteure, d. h. Unternehmen, bei denen ein wesentlicher Teil der Umsatzerlöse direkt mit dem Thema verbunden ist
- Differenzierung mit geringer Überschneidung zu breiten Markt- und Technologie-Benchmarks
- Transparenz und Disziplin, damit Anleger genau verstehen, was sie halten
Das Ziel ist ein Korb, der breit genug ist, damit die zukünftigen Gewinner darin nicht fehlen, aber nicht so eng, dass eine einzige Fehleinschätzung die These zunichtemacht. Wo auch immer das nächste Amazon entsteht, es sollte bereits enthalten sein.
Umsetzung in die Praxis
Diese Philosophie untermauert den WisdomTree Megatrends UCITS ETF (WMGT) und den vor Kurzem aufgelegten WisdomTree Tech Megatrends UCITS ETF (TMGT). Der WisdomTree Megatrends UCITS ETF bietet Zugang zu 19 Themen, die technologische, ökologische und soziale Megatrends abdecken – von künstlicher Intelligenz (KI) über Quantencomputing bis hin zu erneuerbaren Energien und Verteidigung in Europa. Das erfolgt über einen diversifizierten, von Experten angeleiteten Korb mit strategischer und taktischer Allokation zwischen den einzelnen Themen. Der WisdomTree Tech Megatrends UCITS ETF wendet dieselbe Strategie speziell im Technologiebereich an, und zwar in KI, Cybersicherheit, Blockchain, Weltraum und Quantencomputing. Beide Strategien basieren auf der Erkenntnis, dass es schwierig ist, zukünftige Gewinner im Voraus zu erkennen. Ihr diversifizierter Ansatz zielt darauf ab, ein Engagement in verschiedenen Unternehmen und Themen zu bieten, die von langfristigen strukturellen Trends profitieren können.
Zurück ins Museum
Das Kichern meiner Tochter über das Blackberry war kein Spott. Es war einfach nur Ehrlichkeit. Sie wächst in der Welt auf, die Apple geschaffen hat. Aus ihrer Sicht war die physische Tastatur einfach ein Design, das den Anschluss verpasst hat. Sie konnte ja nicht wissen, dass es einst ein Statussymbol für eine ganze Generation war.
Das ist das Wesen thematischer Umbrüche. Der Wandel verläuft meist schneller und umfassender, als irgendjemand erwartet, und der Wert fließt vollständig an die Unternehmen, die das neue Paradigma prägen. Für Anleger lautet die Lehre nicht, vorherzusagen, wer gewinnt. Vielmehr müssen sie sicherstellen, dass ihr Portfolio breit genug gefächert ist, damit sie unabhängig vom Gewinner bereits in diesen Unternehmen investiert sind.
Thematische Anlagen bieten die Möglichkeit, von langfristigen strukturellen Wachstumstrends zu profitieren, sind jedoch auch mit Risiken verbunden. Viele Unternehmen, die mit neuen Themen in Verbindung stehen, erzielen möglicherweise keinen wirtschaftlichen Erfolg, und thematische Portfolios können Phasen mit erheblicher Volatilität und Underperformance durchlaufen. Die zukünftigen Gewinner eines Themas lassen sich nicht mit Sicherheit vorhersagen, und Diversifikation beseitigt weder das Anlagerisiko noch garantiert sie positive Renditen.
1 Quelle: Statista, 2026. Globaler Marktanteil von RIM bei Smartphones (vierteljährlich) 2007–2016.
2 Quelle: National Inventors Hall of Fame, Steven Sasson.
3 Quelle: comScore, über Bloomberg Businessweek, Dezember 2008.
4 Quelle: Investopedia, Geschichte des Börsengangs von Amazon, Mai 1997.
5 Quellen: WisdomTree, Bloomberg as of 30/06/2023. Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.
Verbundene Produkte