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Trends der demografischen Vielfalt
El Niño: Auswirkungen auf Agrarrohstoffe
04. Feb 2019
Nitesh Shah, Director, Research


El Niño bezieht sich auf einen Klimakreislauf im Pazifischen Ozean, der globale Auswirkungen auf die Witterungsverläufe hat. Der Name, der frei übersetzt „Christkind“ bedeutet, geht auf peruanische Fischer in den 1600er Jahren zurück, die beobachteten, dass der Fischertrag häufig um die Weihnachtszeit herum zurückging, wenn die Wassertemperaturen anstiegen. Zu den Effekten von El Niño gehören bestimmte Windströmungen über dem Pazifischen Ozean, starker Regen in Südamerika und Dürren in Australien sowie Teilen von Asien, darunter Indien und Indonesien.   

 

Nachdem die US-amerikanische Wetter- und Ozeanbehörde (NOAA) vorausgesagt hat, dass es während des diesjährigen Winters auf der nördlichen Halbkugel mit einer Wahrscheinlichkeit von 96% zum Wetterereignis El Niño kommen wird, stehen die Chancen gut, dass wir in den kommenden Monaten einige ungewöhnliche Wetterphänomene beobachten können. 

 

Abbildung 1. Die Wahrscheinlichkeit des Auftritts des Wetterphänomens El Niño in diesem Jahr1

Quelle: Climate Prediction Center der NOAA und International Research Institute for Climate and Society der Columbia University, WisdomTree, Stand 20. Dezember 2018

 

Auswirkungen von El Niño auf die Preise von Agrarrohstoffen

 

El Niño kann erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Agrarindustrie haben, da der Anbau landwirtschaftlicher Erzeugnisse stark von den Witterungsverläufen abhängt. Für die Produktion des optimalen Ertrags kommt es auf das richtige Quantum an Sonnenlicht und Regen zum richtigen Zeitpunkt an. So können beispielsweise Dürren aufgrund des Wassermangels eine Ernte vernichten, während Überschwemmungen Pflanzen wegspülen oder den Ernteprozess verzögern und zu einer Vernichtung der Erzeugnisse führen können. 

 

Wenngleich El Niño beträchtliche Auswirkungen auf die Preise von Agrarrohstoffen haben kann, hängt der spezifische Effekt auf einen bestimmten Rohstoffpreis von Umfang und Zeitpunkt von El Niño sowie Standortfaktoren ab, z. B. davon, wo die Feldfrüchte gewachsen sind und wie gut die Bauern auf extreme Witterungsverhältnisse vorbereitet sind. 

 

Abbildung 2. Wettereffekt von El Niño

Quelle: NOAA

 

Analyse der Auswirkungen auf die Preise von Agrarrohstoffen 

 

Bei der Beurteilung der wahrscheinlichen Auswirkungen von El Niño sollte als erster Schritt der Zeitpunkt des Jahres berücksichtigt werden, in dem El Niño wahrscheinlich beginnt. In diesem Fall geht die NOAA davon aus, dass das Ereignis in diesem Jahr wahrscheinlich im Winter auf der Nordhalbkugel eintreten wird. Durchaus denkbar ist aber auch, dass es mit geringerer Intensität bis in den Sommer auf der Nordhalbkugel hinein andauert. Im nächsten Schritt ist zu beurteilen, auf welchen Teil des Anbauzyklus es sich auswirken wird. Einer Studie von Iizumi et al. zufolge hat eine witterungsbedingte Beeinträchtigung in der Anzuchtperiode des Anbauzyklus tendenziell die größte Auswirkung auf die Ernteerträge.   

 

Auf Basis von Erkenntnissen von Iizumi et al. haben wir die potenziellen kurzfristigen Auswirkungen von einem El Niño-Phänomen auf Feldfrüchte in der Anzuchtphase beurteilt. Nachstehend fassen wir unsere wesentlichen Schlussfolgerungen zusammen:

 

Optimismus in Bezug auf Zucker, Kakao und Weizen 

 

Zu den Agrarrohstoffen, die wir im Fall des Auftritts eines El Niño-Phänomens positiv beurteilen, zählen Zucker, Kakao und Weizen. 

 

Die Zuckerproduktion konzentriert sich vor allem auf Indien und bestimmte Regionen in Brasilien. Wenn El Niño auftritt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Regenfälle in beiden Ländern unterdurchschnittlich ausfallen und es zu längeren Trockenperioden kommt. Dies könnte die Preise nach oben treiben. 

 

Indonesien, das 10% des weltweiten Kakaoangebots produziert, könnte ebenfalls direkt von einem El Niño-Ereignis getroffen werden. Eine trockene und warme Witterung in Indonesien könnte zu weiteren Preisanstiegen bei Kakao führen.

 

Australien, das 4% des globalen Weizenangebots hervorbringt, ist ein weiteres Land, das bei einem Auftritt von El Niño unter trockenem Wetter leiden könnte. Dies könnte positive Auswirkungen auf die Weizenpreise haben, wenngleich ein Großteil der Weizenernte voraussichtlich bis Mitte Januar eingefahren sein dürfte. Dies sollte den Effekt eines El Niño-Ereignisses begrenzen. 

 

Pessimismus in Bezug auf Sojabohnen, Mais und Arabica-Kaffee

 

Im Gegensatz dazu beurteilen wir die Auswirkungen auf Sojabohnen, Mais und Arabica-Kaffee pessimistisch.  

 

Brasilien und Argentinien, die gemeinsam fast die Hälfte des weltweiten Bedarfs an Sojabohnen abdecken, dürften im Fall des Eintritts eines El Niño-Ereignisses von günstigen Wachstumsbedingungen profitieren. Daher könnte sich El Niño negativ auf die Preisentwicklung für Sojabohnen auswirken.

 

Figura 3. Gli effetti di El Niño sulla coltivazione della soia nella fase di crescita riproduttiva da dicembre a marzo

 

 

Quelle: Adaptiert von WisdomTree aus „Impacts of Southern Oscillation on the global yields of major crops“ (Auswirkungen der südlichen Oszillation auf die globalen Erträge der Hauptanbaukulturen) von Iizumi et al, Mai 2014
Prognosen sind kein Indikator für die künftige Performance, und Investitionen jeglicher Art unterliegen Risiken und Unsicherheiten. 

 

Die Auswirkungen von El Niño auf Mais sind weniger signifikant, könnten aber für die Anbaubedingungen in Südamerika und Teilen Australiens leicht positiv sein und somit einen geringfügigen Abwärtsdruck auf die Preise ausüben.

 

Die Produktion von Arabica-Kaffee ist stark auf Brasilien, Mexiko, Kolumbien und Mittelamerika konzentriert. Diese Länder könnten günstige Anbaubedingungen verzeichnen. Und da sich der meiste Kaffee in diesen Regionen in den nächsten Monaten in der Anzuchtphase befinden wird, könnte es bei diesem Rohstoff zu einem Angebotsanstieg mit anschließender Preissenkung kommen.   

 

Weitere Faktoren  

 

Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass die vorstehende Analyse auf dem reinen Effekt eines El Niño-Ereignisses basiert und die zahlreichen weiteren Faktoren, die die Ernte von Feldfrüchten beeinträchtigen könnten, unberücksichtigt bleiben. Ferner stellen wir fest, dass die Preise von Agrarrohstoffen durch eine Reihe anderer Entwicklungen beeinflusst werden können, darunter Wechselkursbewegungen und die Handelspolitik. Allerdings dient die Analyse als grobe Richtschnur dafür, wie die Rohstoffpreise möglicherweise beeinflusst werden könnten, wenn demnächst ein El Niño-Ereignis eintreten würde.

 

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