Ist Bitcoin eine Safe-Haven-Anlage in einer geopolitisch unsicheren Welt?
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Auf lange Sicht bietet Bitcoin Anlegern einen alternativen Wertspeicher jenseits der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzsysteme.
- Obwohl Bitcoin aufgrund seiner langjährigen Erfolgsbilanz und mangelnden Beziehung zu geopolitischen Risiken als sicherer Hafen angesehen werden kann, ist die Kryptowährung keine Absicherung gegen geopolitische Ereignisse.
- Bei Bitcoin-ETPs müssen Anleger keine privaten Zugangsschlüssel speichern oder in irgendeiner Weise mit der Blockchain und der Krypto-Infrastruktur interagieren.
- Verbundene Produkte WisdomTree Physical Bitcoin Mehr erfahren
Geopolitik ist die Lehre von den Auswirkungen von Geografie und Wirtschaft auf die Politik und die Beziehungen zwischen Nationen1. Die Einbindung eines Landes in internationale Angelegenheiten setzt es potenziellen politischen, wirtschaftlichen, militärischen und sozialen Risiken aus2. Diese Risiken sind geopolitische Risiken.
Verschiedene geopolitische Ereignisse wie die Abstimmung des Vereinigten Königreichs, aus der Europäischen Union auszutreten, das Ausbrechen der COVID-19-Pandemie oder Russlands Einmarsch in der Ukraine wirken sich auf die Vermögenspreise aus. In den meisten Fällen gehen Investitionen mit steigenden geopolitischen Risiken zurück, was die Beschäftigungslage und die Preise von Vermögenswerten beeinträchtigt.
Kann Bitcoin Anleger dabei unterstützen, ihre Ersparnisse in einer geopolitisch ungewissen Welt zu schützen? Lassen Sie es uns herausfinden.
Geopolitische Risiken
Geopolitische Ungewissheit ist ein geopolitisches Risiko. Anleger können sie anhand des Index für das geopolitische Risiko (GPR) von Caldara und Iacoviello abschätzen, der derzeit anhand der Anzahl der Artikel berechnet wird, die zehn verschiedene Zeitungen (Chicago Tribune, The Daily Telegraph, Financial Times, The Globe and Mail, The Guardian, The Los Angeles Times, The New York Times, USA Today, The Wall Street Journal und The Washington Post) über nachteilige geopolitische Ereignisse veröffentlichen3.
Abbildung 1: Index für das geopolitische Risiko (GPR) von Caldara und Iacoviello

Quelle: https://www.matteoiacoviello.com/gpr.htm. Vom 1. Januar 2014 bis zum 1. September 2024. Monatliche Daten. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Abbildung 1 (oben) zeigt den Index für das geopolitische Risiko (GPR) von Caldara und Iacoviello, der zur Messung nachteiliger geopolitischer Ereignisse und damit verbundener Risiken entwickelt wurde. Die meisten Anleger gehen davon aus, dass die Aktienkurse sinken, wenn der Index steigt. Doch welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Index und dem Kurs von Bitcoin, wenn es überhaupt einen gibt?
Korrelationen
Um die Beziehung zwischen dem Bitcoin-Kurs und dem GPR-Index zu untersuchen, betrachten wir ihre Korrelationen4, die sich wie folgt verhielten:
- -0,03 im Zeitraum 1. Januar 2014–7. Oktober 2024
- 0,01 im Zeitraum 8. Oktober 2023–7. Oktober 2024
Das zeigt eindeutig, dass der Preis von Bitcoin nicht an geopolitische Ereignisse gekoppelt ist. Darüber hinaus stellt Abbildung 2 (unten) die nachlaufenden täglichen Korrelationen über ein Jahr zwischen Bitcoin und dem GPR-Index dar. Es ist gut zu erkennen, dass zwischen dem Kurs von Bitcoin und nachteiligen geopolitischen Ereignissen keine Beziehung besteht.
Abbildung 2: Nachlaufende tägliche Korrelationen zum GPR-Index über ein Jahr

Quellen: WisdomTree, GlassNode, https://www.matteoiacoviello.com/gpr.htm. Tägliche Daten. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Während Bitcoin und der GPR-Index auf lange Sicht nicht korrelieren, haben die meisten Anleger eine deutlich kurzfristigere Perspektive. Wenn sich ein großes geopolitisches Ereignis entfaltet, wollen sie sofort ein Verständnis der unmittelbaren Auswirkungen auf ihre Portfolios entwickeln.
Abbildung 3: Der Preis von Bitcoin während großer geopolitischer Ereignisse
Quelle: WisdomTree, GlassNode, https://www.matteoiacoviello.com/gpr.htm. T = der Tag des Ereignisses. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Abbildung 3 (oben) stellt drei beispielhafte Ereignisse und die Veränderung des Bitcoin-Preises von einem Tag vor dem Ereignis (T-1) zum Tag des Ereignisses (T) bzw. drei, sieben und 30 Tage nach dem Ereignis (T+3, T+7 und T+30) dar. Der Bitcoin-Kurs rutschte in zwei der drei Fälle am Tag des Ereignisses ab und erholte sich nach beiden Ereignissen nicht innerhalb von 30 Tagen. Es handelt sich um eine einfache Illustration dafür, dass Bitcoin keine Absicherung gegen geopolitische Risiken darstellt.
Die Geschichte von Bitcoin
Bitcoin ist sowohl das Netzwerk als auch die Währung:
- Als Netzwerk funktioniert Bitcoin ohne einen zentralen Intermediär. Das ermöglicht den Werttransfer zwischen zwei verschiedenen Parteien ohne Zensur. Mit einer mehr als 15-jährigen Bilanz hat sich Bitcoin als Netzwerk besonders in Entwicklungsregionen mit unzuverlässigen oder korrupten Finanzsystemen bzw. diskriminierenden Kapitalkontrollen als nützlich erwiesen.
- Als Währung hat Bitcoin ein begrenztes Angebot mit einem klaren, kodifizierten Ausgabeschema, das auf einen Umlauf von 21 Millionen Coins beschränkt ist. Daher ist die „Geldpolitik“ von Bitcoin im Gegensatz zu Währungen, die von Zentralbanken ausgegeben werden, transparent. Bitcoin als Währung ist selten und weist ähnliche Merkmale wie Gold auf. Dennoch bietet Bitcoin die Möglichkeit, nahezu unmittelbare Zahlungen und Abrechnungen ohne eine zentrale Gegenpartei durchzuführen.
Wie vorab erläutert, korreliert Bitcoin auf lange Sicht nicht mit dem GPR-Index. Darüber hinaus weist Bitcoin eine sehr geringe Korrelation zu traditionellen Vermögenswerten auf. Im Zeitraum vom 31. Dezember 2013 bis zum 30. September 2024 betrugen die Korrelationen zwischen Bitcoin und den meisten traditionellen Vermögenswerten ungefähr 20 % oder weniger5. Somit würde sich Bitcoin sowohl unter normalen Marktbedingungen als auch in einem von geopolitischen Ereignissen belasteten Umfeld hervorragend zur Portfoliodiversifikation eignen.
Fazit
Insgesamt bietet Bitcoin Anlegern auf lange Sicht einen alternativen Wertspeicher jenseits der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzsysteme. Obwohl Bitcoin aufgrund seiner langjährigen Erfolgsbilanz und mangelnden Beziehung zu geopolitischen Risiken als sicherer Hafen angesehen werden kann, ist die Kryptowährung keine Absicherung gegen geopolitische Ereignisse.
1 Quelle: Britannica Dictionary (https://www.britannica.com/dictionary/geopolitics)
2 Quelle: Geopolitical Futures (https://geopoliticalfutures.com/risk/)
3 Quelle: https://www.matteoiacoviello.com/gpr.htm
4 Quellen: WisdomTree, GlassNode, https://www.matteoiacoviello.com/gpr.htm. Wöchentliche Daten vom Freitag. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Verbundene Produkte
