WisdomTree
Gold Monthly
April 2026
Nitesh Shah
Head of Commodities and Macroeconomic Research, WisdomTree Europe
Nitesh Shah ist ein Finanzexperte mit über 24 Jahren Erfahrung in den Bereichen Research und Anlagestrategie. Als Head of Commodities & Macroeconomic Research bei WisdomTree Europa leitet er Marktanalysen und -einblicke für die verschiedenen Anlageklassen, wobei sein Schwerpunkt auf Rohstoffen und börsengehandelten Produkten liegt. Zuvor war er bei Moody's, HSBC Investment Bank, The Pension Protection Fund und Decision Economics tätig, wo er sein Fachwissen in den Bereichen Marktanalyse und Strategie vertiefte.
Nitesh Shah hat einen Master-Abschluss in internationaler Wirtschaft und Finanzwesen von der Brandeis University und einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der London School of Economics. Seine Einsichten werden häufig in den Finanzmedien zitiert und er ist ein gefragter Redner bei Branchenveranstaltungen. Außerdem ist er Moderator des Podcasts „Commodity Exchange“, in dem er über Trends auf den globalen Märkten spricht. Nitesh Shah begeistert sich für die Beratung von Anlegern und bietet ihnen umsetzbare Erkenntnisse, die ihnen bei der Orientierung in der komplexen Finanzlandschaft helfen.
Erholung nach heftigem Einbruch
Im Januar 2026 verzeichnete Gold den größten monatlichen Anstieg seit September 1999, bevor es im März den stärksten Absturz seit Juni 2013 hinnehmen musste. Das erste Quartal dieses Jahres war für das Edelmetall außergewöhnlich ereignisreich.
Im April konnte Gold einen Teil seiner Verluste vom März wieder wettmachen, auch wenn die Erholung noch nicht abgeschlossen ist.
Unserer Ansicht nach befindet sich Gold auf dem Weg zu einem neuen, höheren Gleichgewicht, gestützt durch eine sich verbreiternde Anlegerbasis. Chinesische Versicherungsgesellschaften, indische Pensionsfonds und Emittenten digitaler Assets wie Tether stellen relativ neue Nachfragquellen dar. Gleichzeitig haben die Zuflüsse in Gold-ETFs (börsengehandelte Fonds) sowohl in China als auch in Indien im vergangenen Jahr deutlich zugenommen.
Dieser Übergang dürfte zwar weiterhin von Schwankungen geprägt sein, deutet jedoch darauf hin, dass sich der Goldpreis letztendlich auf einem höheren Niveau stabilisieren könnte. Für langfristig orientierte Anleger können solche Phasen der Volatilität Chancen statt Risiken bieten.
Geopolitisches Risiko – zunächst Abschwung, dann Erholung
Gold gilt traditionell als Absicherung gegen geopolitische Risiken. Wie wir jedoch bereits erwähnt haben, verläuft die Reaktion oft nicht linear: Auf anfängliche Rückgänge folgen spätere Zuwächse.
Der zugrunde liegende Mechanismus ist relativ einheitlich. Ein geopolitischer Schock löst in der Regel Kursverluste bei Risikoanlagen wie Aktien aus, was zu Nachschussforderungen und einem Ansturm auf Liquidität führt. Als hochliquider Vermögenswert wird Gold häufig verkauft, um diesen Verpflichtungen nachzukommen, was vorübergehenden Abwärtsdruck auf die Preise ausübt.
Allerdings sollte dies keinesfalls als Vertrauensverlust in Gold gewertet werden. Vielmehr spiegelt es die Rolle von Gold als Liquiditätsquelle in Krisenzeiten wider. Historisch gesehen erholt sich der Goldpreis tendenziell, sobald diese Dynamik der Zwangsverkäufe abklingt, da dann die Prämie für geopolitische Risiken zum dominierenden Faktor wird.
Nach der aktuellen Eskalation der Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran geriet Gold durch Veräußerungswellen unter Druck. Der Rückgang fiel stärker aus als in vielen früheren geopolitischen Krisen, was zum Teil auf die bereits stattfindende Preiskorrektur nach den im Januar erreichten Höchstständen zurückzuführen war. Ende März schien ein Wendepunkt erreicht zu sein, da der Goldpreis im vergangenen Monat relativ konstante Zuwächse verzeichnete.
Der fragile Waffenstillstand wurde verlängert (Stand: 22. April 2026), was den Risikomärkten eine gewisse Erholung verschaffte. Die allgemeine Lage bleibt jedoch ungewiss. Eine eingeschränkte Eskalation bedeutet noch keine signifikante Deeskalation. Die anhaltenden Spannungen, insbesondere um die Straße von Hormus, dürften die geopolitischen und inflationsbezogenen Sorgen aufrechterhalten, was den Goldpreis weiterhin stützen könnte.
Abbildung 1: Wertentwicklung von Gold nach geopolitischen Ereignissen

Quelle: Bloomberg Finance L.P, WisdomTree, 1974–2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Gold als Liquiditätsquelle für Zentralbanken in Krisenzeiten
Nicht nur Anleger verkaufen bei angespannter Lage Gold, auch Zentralbanken verhalten sich bisweilen ähnlich. Die Türkei ist ein anschauliches Beispiel dafür. Im März 2026 mobilisierte die Zentralbank innerhalb von zwei Wochen etwa 58–60 Tonnen Gold, um die türkische Lira zu stützen.
Vor allem handelte es sich dabei teilweise um Gold-Swaps und nicht um direkte Verkäufe. Das sind quasi besicherte Devisengeschäfte, sodass das Gold in der Bilanz verbleibt. Der Zeitpunkt dieser Swaps wurde nicht öffentlich bekannt gegeben.
Auch wenn solche Maßnahmen zunächst negativ auf den Goldpreis wirken mögen, stärken sie doch die Rolle von Gold als hochliquider und vertrauenswürdiger Reservewert. Sowohl Anleger als auch Zentralbanken greifen in Krisenzeiten auf Gold zurück – nicht, weil sie die Anlage ablehnen, sondern als Bestätigung ihres Nutzens.
Frühere Präzedenzfälle stützen diese Auslegung. Nachdem die Türkei 2023 nach einem Erdbeben in großem Umfang Gold verkauft hatte, um die heimischen Märkte zu stabilisieren, baute sie ihre Goldreserven in den folgenden Monaten wieder auf. Im Laufe der Zeit könnte sich ein ähnliches Muster abzeichnen.
Zwar haben die meisten Zentralbanken ihre Aktivitäten vom März 2026 noch nicht an den IWF gemeldet, doch waren die Käufe im Februar kräftig, nachdem im Januar, als die Preise hoch waren, eine Flaute zu verzeichnen war. Polen war laut Berichten der größte Käufer und stockte seine Bestände um 20 Tonnen auf – der höchste monatliche Zuwachs seit Februar 2025. Damit belaufen sich seine Goldreserven auf insgesamt 570 Tonnen (31 % der Gesamtreserven), wobei das erklärte Ziel bei 700 Tonnen liegt.
Usbekistan baute seine Reserven um 8 Tonnen auf 407 Tonnen aus (88 % der Gesamtreserven), während die Chinesische Volksbank ihre Reihe von Käufen auf 16 Monate in Folge ausweitete und ihre Bestände auf 2.308 Tonnen erhöhte (rund 10 % der Gesamtreserven).
In aktuellen Debatten in Polen wurde zudem die mögliche Nutzung von Goldreserven als Finanzinstrument thematisiert. Die politischen Entscheidungsträger haben die Möglichkeit geprüft, Goldreserven zur Finanzierung von Verteidigungsausgaben zu nutzen, doch die Vorschläge sind nach wie vor umstritten und haben noch nicht die uneingeschränkte Zustimmung der Regierung erhalten. Die Einzelheiten sind weiterhin unklar, insbesondere hinsichtlich der Frage, ob es sich dabei um direkte Verkäufe oder um komplexere Finanztransaktionen handeln würde.
Asien dominiert die ETP-Zuflüsse
Bei Gold-ETPs (börsengehandelte Produkte) lag Asien in diesem Jahr bislang an der Spitze: Die Zuflüsse betrugen über 14 Milliarden US-Dollar. Diese Nachfrage macht mehr als 20 % der asiatischen Gold-ETP-Bestände aus und verdeutlicht das rasante Tempo, mit dem in der Region Gold angehäuft wird. 2025 hat sich das Gold-AUM (verwaltetes Vermögen) in Asien verdoppelt. Wie bereits erwähnt, sind chinesische Versicherungsgesellschaften und indische Pensionsfonds seit Kurzem neue berechtigte Käufer von Gold-ETPs.
Die Nachfrage nach nordamerikanischen Gold-ETPs startete kräftig ins neue Jahr: Sie verzeichneten im Januar und Februar zusammen Zuflüsse in Höhe von mehr als 11,5 Milliarden US-Dollar. Bis Ende März hatten sich diese Gewinne vollständig umgekehrt. Zum 17. April befand sich die Region mit Nettozuflüssen von mehr als 2 Milliarden US-Dollar seit Jahresbeginn wieder im positiven Bereich. In Europa hingegen verlief der Jahresbeginn relativ ruhig: Januar und Februar waren beide verhalten, und im März waren nur geringe Abflüsse zu beobachten. Der April entwickelt sich jedoch zu einem stärkeren Monat: Bis zum 17. April wurden Zuflüsse von fast 3 Milliarden US-Dollar verbucht.
Quelle: Weltgoldrat, 1. Januar 2026–17. April 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Dollar wertet erneut ab
Im Februar und März geriet der Goldpreis durch den erstarkenden US-Dollar unter Druck. Als Nettoexporteur von Energie sind die USA im Vergleich zu vielen anderen Volkswirtschaften von den jüngsten geopolitischen Spannungen relativ abgeschirmt. Folglich schnitt der US-Dollar in diesem Zeitraum besser ab als andere traditionelle sichere Anlagen wie der Schweizer Franken, der japanische Yen und Gold.
Im April hat der US-Dollar jedoch wieder an Wert verloren, was den Goldpreis gestützt hat. Das wachsende Zwillingsdefizit dürfte im Laufe der Zeit zu einer strukturellen Dollarschwäche führen, auch wenn die Stärke des US-Energiesektors diese Tendenz teilweise ausgleichen könnte.
Abbildung 2: Gold und US-Dollar-Korb

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Oktober 2025–April 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Gegenwind durch Anleihen lässt nach
Auch wenn sich die Beziehung zwischen Gold und den Anleiherenditen in den letzten Jahren als instabiler erwiesen hat, lässt sich weiterhin eine kurzfristige inverse Beziehung beobachten.
Der Anstieg der Anleiherenditen im März 2026 belastete erneut den Goldpreis, wobei schwache Auktionen von US-Staatsanleihen auf angebotsseitigen Druck hinwiesen. Im April entsprach die Nachfrage bei den Auktionen sowohl für dreijährige als auch für zehnjährige Anleihen eher den Erwartungen, was zu sinkenden Renditen beitrug.
Dieses Nachlassen der Renditen hat die Erholung von Gold im April gestützt.
Abbildung 3: Gold vs. Realzinsen (Rendite inflationsgeschützter Staatsanleihen)

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Oktober 2025–April 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Fazit
Die aktuelle Korrektur bei Gold scheint eher durch Liquiditätsdruck als durch eine nennenswerte Veränderung der Fundamentaldaten bedingt zu sein. Mit dem Abklingen dieses Drucks kommen die zugrunde liegenden Nachfragefaktoren wieder zum Tragen.
Unseres Erachtens zeichnen sich günstige Rahmenbedingungen ab: Die strukturelle Nachfrage breitet sich über verschiedene Regionen und Anlegergruppen hinweg aus, die Zentralbanken bleiben aktiv, und die makroökonomischen Gegebenheiten, die von geopolitischer Unsicherheit bis hin zu einem schwächeren US-Dollar reichen, wirken zunehmend auf einen steigenden Goldpreis hin.
Auch wenn die Volatilität voraussichtlich hoch bleiben wird, betrachten wir dies eher als ein Merkmal des Umbruchs denn als Zeichen von Fragilität. Unserer Ansicht nach etabliert sich für Gold eine höhere Handelsspanne, wobei Rückgänge voraussichtlich auf erneute Nachfrage stoßen werden.