Industriemetalle erhalten politische Impulse aus China
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Chinas umfassendes Konjunkturpaket soll das Wirtschaftswachstum ankurbeln, und die Märkte reagieren positiv.
- Industriemetalle werden von Chinas politischen Maßnahmen profitieren, insbesondere im Bereich der Infrastruktur.
- Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass die Anreize bereits die Anlegerstimmung heben und den Metallmarkt unterstützen.
Die People's Bank of China (PBOC) kündigte ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Ankurbelung des chinesischen Wirtschaftswachstums an, wobei die Führung des Landes zusätzliche finanzpolitische Unterstützung zugesagt hat. Die unmittelbare Marktreaktion war positiv. Unserer Ansicht nach werden Industriemetalle – ein Sektor, der eng mit der wirtschaftlichen Lage Chinas verbunden ist – von den möglichen Auswirkungen der Konjunkturmaßnahmen profitieren.
Chinas politische Ankündigungen und warum sie von Bedeutung sind
Im September fand in Peking eine überraschende Sitzung des Politbüros statt1, auf der die Dringlichkeit einer Lösung für die Wirtschaftslage des Landes unterstrichen wurde. Chinas Regierungschefs haben sich verpflichtet, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt mehr finanzpolitische Unterstützung zukommen zu lassen2. Diese Ankündigung folgt auf verschiedene Maßnahmen der Zentralbank und der Finanzaufsichtsbehörden, die das Wirtschaftswachstum ankurbeln sollen3.
Das Maßnahmenpaket der PBOC ist eines der umfassendsten der letzten Zeit und umfasst Zinssenkungen, Unterstützung für den Immobiliensektor und Bemühungen zur Stabilisierung der Aktienmärkte. Zu den wichtigsten Komponenten zählen:
| Antizyklische Maßnahmen | Unterstützungsmaßnahmen für Immobilien | Fonds zur Aktienstabilisierung |
| Der Sieben-Tage-Reverse-Repo-Satz wurde um 20 Basispunkte (Bp) auf 1,5 % gesenkt, was zu einer Kürzung des Satzes für die mittelfristige Kreditfazilität (MLF) um 30 Bp auf 2 % führte. Dadurch verringern sich die Loan Prime Rates (LPRs) für Banken und die Einlagenzinsen um 20–25 Bp. | Die Zinsen für ausstehende Hypothekendarlehen werden um durchschnittlich 50 Bp sinken, und die Mindestanzahlungsquote für Zweitwohnungen fällt von 25 % auf 15 % und entspricht damit der Quote für Erstwohnungen. | Eine Swap-Fazilität im Volumen von 500 Milliarden chinesischen Yuan wird Wertpapierfirmen, Fonds und Versicherungsgesellschaften Zugang zu Liquidität für den Kauf von Aktien verschaffen. |
| Die Mindestreservesätze (Reserve Requirement Ratio, RRR) für große und mittlere Banken wurden um 50 Bp herabgesetzt, wodurch 1 Billion Yuan an Liquidität freigesetzt werden. | Die PBOC wird das 300 Milliarden Yuan umfassende Programm zur Weitervergabe von Krediten für staatliche Unternehmen (SOEs) zum Erwerb von unverkauften Immobilienbeständen ausweiten. Das Programm deckt nun 100 % der Darlehensbeträge ab, im Mai waren es noch 60 %. | Eine spezielle Weitervergabefazilität in Höhe von 300 Milliarden Yuan wird börsennotierte Unternehmen und Großaktionäre bei Rückkäufen und der Aufstockung von Beteiligungen mit einem Weiterverleihungssatz von 1,75 % unterstützen. |
Quelle: South China Morning Post, WisdomTree, Stand: 24. September 2024
Unter den antizyklischen Maßnahmen ist die Reduzierung des Sieben-Tage-Reverse-Repo-Satzes um 20 Bp bemerkenswert, da frühere Kürzungen in der Regel nur 10 Bp betrugen. Die RRR-Senkung um 50 Bp steht im Einklang mit früheren Schritten, aber die Prognosen einer weiteren Senkung um 25–50 Bp bis zum Jahresende signalisieren eine bessere Kommunikation für eine wirksame Umsetzung der Politik.
Niedrigere Hypothekenzinsen werden die Haushalte entlasten und den Konsum im Immobiliensektor fördern. Die erweiterte Weitervergabefazilität für SOEs zum Erwerb von Wohnungsbeständen könnte sich jedoch weniger stark auswirken. Trotz vergünstigter Kreditzinsen haben bisher nur 29 von 200 Städten Interesse an dem Programm gezeigt. Da die Mietrenditen im öffentlichen Wohnungsbau bei etwa 1,5 % liegen, könnten SOEs zur Erzielung positiver Renditen auf Kapitalgewinne angewiesen sein, da die Fremdkapitalkosten etwa 2 % betragen.
Der Aktienstabilisierungsfonds zielt darauf ab, die Stimmung an den Märkten kurzfristig zu verbessern, indem er die Aktienmärkte und das Vermögen der privaten Haushalte stützt. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass damit die tieferen strukturellen Probleme Chinas gelöst werden können.
Industriemetalle und die chinesische Wirtschaft
Chinas Ankündigungen als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und Spitzenverbraucher von Rohstoffen haben Industriemetalle stark beflügelt. Auch wenn die Maßnahmen allein die Immobilienkrise wahrscheinlich nicht beheben werden, könnten sie doch Infrastrukturinvestitionen anregen, was dem Metallmarkt zugutekäme. Basismetalle dürften auf kurze Sicht solide Unterstützung erhalten. Wenn die Ankündigungen des Politbüros von finanzpolitischen Impulsen begleitet werden – wie etwa die vom Finanzministerium geplante Ausgabe von speziellen Staatsanleihen in Höhe von 2 Billionen Yuan (284,43 Milliarden US-Dollar) – könnte die Erholung bei Industriemetallen noch mehr an Fahrt gewinnen.
In unserem aktuellen monatlichen Rohstoffmonitor stellten wir fest, dass die Anlegerstimmung gegenüber Industriemetallen zurückhaltend war, was sich in einer schwachen spekulativen Positionierung an den Terminmärkten zeigte, die durch die Sorge über ein kurzfristiges Überangebot ausgelöst wurde. Seit Monaten vertreten wir die Ansicht, dass Zinssenkungen der US-Notenbank und eine bessere Stimmung gegenüber China ausschlaggebend für einen Aufschwung des Sektors sind. Beide Katalysatoren zeichnen sich nun ab und bieten das Potenzial für eine sektorweite Zunahme ausgehend von einem unseres Erachtens unterbewerteten Preisniveau. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass der Sektor langsam positiv auf die politische Unterstützung Chinas reagiert.
1 Financial Times, 26. September 2024
2 Xinhua 26. September 2024
3 Reuters, 24. September 2024
