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Macro Alerts
Abenomics 2.0 — Da steckt mehr dahinter
09 Dez 2015
WisdomTree


Letzte Woche hat Japans Premier Shinzo Abe über den Stand seiner Prioritäten für die Wirtschaftspolitik für 2016 und später informiert. Das wichtigste Fazit ist, dass er keine positiven Überraschungen enthüllte, die eine Anhebung der Wachstumsaussichten für 2016 veranlassen würde. Die neuen Angaben der politischen Diskussion um Japans „Abenomics 2.0“ lassen uns vermuten, dass sich die Politik für strukturelles Wachstum in die richtige Richtung bewegt. Abe macht konkrete Fortschritte beim Aufbau glaubwürdiger Allianzen mit den Wirtschaftsführern für seine Wachstumsstrategie. Der Fortschritt in der Wirtschaftspolitik im Sinne eines Konsensus mit breiter Unterstützung zwischen Regierung und dem Privatsektor darf als zentraler Motor für die mittel- bis langfristige Dynamik im Hinblick auf eine strukturell positive Marktstimmung für den japanischen Aktienmarkt nicht unterschätzt werden — die „Japan Inc.“ ist aus unserer Sicht wieder da.

Harte Fakten

Unter statistischen und realen Aspekten passten die politischen Erklärungen der letzten Woche gut zu den Themen, die verschiedene Medien in den letzten vier oder fünf Wochen herausstellten:

  • Abe hat sein Kabinett angewiesen, einen Ergänzungshaushalt von rund 3,5 Billionen Yen oder 0,7 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufzustellen;
  • Abe hat sich de facto verpflichtet, die Körperschaftsteuer ab dem Haushaltsjahr 2016 von 32,11 % auf unter 30 % zu senken;
  • Abe hat seine Entschlossenheit bekräftigt, den Mindestlohn um 3 % pro Jahr anzuheben, bis er von derzeit 798 Yen pro Stunde auf 1.000 Yen gestiegen ist.

Für die unmittelbare Zukunft haben die Steigerung des Mindestlohns und der Ergänzungshaushalt vermutlich die größte Wirkung, aufgrund ihrer positiven Folgen für die Inlandsnachfrage 2016 generell und besonders im Vorfeld der Oberhauswahlen im Juli 2016. Konkret hat sich nun bestätigt, dass der Ergänzungshaushalt eine Geldspritze für Empfänger niedriger Renten von nicht weniger als 30.000 Yen vorsieht. Die genauen Einzelheiten werden wahrscheinlich um den 10. Dezember präsentiert. Angesichts der hohen Konsumneigung der Geringverdiener könnten dadurch die Konsumausgaben nach unserer Schätzung um bis zu 0,25 % steigen. Die Anhebung des Mindestlohns dürfte Folgen in einer ähnlichen Größenordnung bescheren. Die Regierungskanzlei schätzt, dass rund 5 % bis 9 % der Lohnempfänger derzeit den Mindestlohn beziehen. Eine Anhebung um 3 % dürfte daher die verfügbaren Einkommen um rund 0,35 % steigen lassen. Auch hier dürfte aus unserer Sicht die Konsumneigung relativ hoch sein.

Rückkehr der „Japan Inc“

Noch wichtiger als die oben erwähnte relativ bescheidene Wachstumsrechnung sind die positiven und zielgerichteten Entscheidungen als Motor für die Prioritäten der Abenomics 2.0. Nach Jahren des Misstrauens und mangelndem Willen zur Kooperation zeigen die Bekanntmachungen der letzten Woche, dass die Japan Inc. — Kooperation zwischen Wirtschaftsführern und Regierung — dabei ist, sich neu zu bilden. Letzte Woche sickerten konkrete, greifbare Ergebnisse durch:

  • Japans Keidanren — der wichtige Verband der Großunternehmen — sagte sowohl höhere Investitionen als auch höhere Grundlöhne zu. Konkret sagte er eine Steigerung der Investitionen um 7 % p.a. von 71,7 Billionen Yen auf 81,7 Billionen Yen über die nächsten zwei Jahre zu. Gleichzeitig wurde versprochen, die Grundlöhne um mehr als 2 % in diesem Jahr anzuheben.
  • Im Gegenzug erhielt der Keidanren die Zusage von Premier Abe, sich auf neun zentrale politische Prioritäten zu konzentrieren:
    • Rasche Senkung der Unternehmenssteuern (erledigt, siehe oben)
    • Senkung der Steuer auf Sachanlagen beim Kauf neuer Anlagen
    • Fortsetzung der unternehmensfreundlichen Deregulierung
    • Förderung des Freihandelspotenzials der Trans-Pacific Partnership (TPP) und Ausdehnung des Freihandels
    • Sicherstellung preisgünstiger und stabiler Energieversorgung
    • Förderung zukunftsweisender Technologie
    • Stärkere steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung
    • Förderung der Erwerbstätigkeit von Frauen, Jugendlichen, Älteren und Ausländern
    • Steigerung der Liquidität und Mobilität des Arbeitsmarktes durch Deregulierung

Zu beachten ist, dass die Lobby der japanischen Großunternehmen jetzt das Thema Steigerung der Erwerbstätigkeit, auch von Nicht-Japanern, auf die Agenda setzt. Mit anderen Worten: Langsam aber sicher beginnt das unausgesprochene Tabu, über Einwanderung zu sprechen, zu fallen. Politikern und Managern in der Wirtschaft ist inzwischen klar geworden, wie eng der Arbeitsmarkt geworden ist. Aus unserer Sicht beginnt der reine Pragmatismus eine Rolle zu spielen. Nach unserer Erfahrung beurteilen viele internationale Investoren den Fortschritt der Abenomics immer noch danach, ob Japan auf ausländische Arbeitskräfte zurückgreifen wird, um das Wachstumspotenzial im Inland zu heben, aber für die Binnenwirtschaft haben die Steueränderungen Priorität: Drei der neun Forderungen des Keidanren-Verbands enthalten Steuerreformen (also niedrigere effektive Steuersätze, niedrigere Steuern auf Sachanlagen und größere steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung (F+E)). Wie üblich sind Steueränderungen komplex und müssen gewissenhaft untersucht werden. Weitere Einzelheiten werden bekannt werden, sobald die Debatte über den Staatshaushalt in den nächsten drei bis vier Wochen ihren Höhepunkt erreichen. Was jetzt zählt, ist dass der Leitsatz im nächsten Jahr auf unter 30 % fällt. Außerdem steht eine sachgerechte Steuerpolitik für mehr betriebliche Investitionen und F+E-Aufwand auf der Tagesordnung. Dabei hat die Lobby der Großunternehmen mehr als 7 % höhere Investitionen ab nächstem Jahr versprochen — sofern Abe seinen Teil des Deals erfüllt. Für Anleger könnte die wachsende Transparenz auf eine konkrete steuerliche Förderung von Investitionsaufwand nach einem enttäuschenden Jahr 2015 aus unserer Sicht einen Wendepunkt für japanische Unternehmen der Investitionsgüterbranche bedeuten.

Und die Bank of Japan?

Die Meldungen der letzten Woche bezogen sich nicht unmittelbar auf die Bank of Japan (BOJ). Allerdings dürfte die wachsende Gewissheit einer fiskalischen Steigerung der Privateinkommen und Unternehmensinvestitionen vermutlich zusätzliche geldpolitische Impulse bescheren — eher etwas später als früher. Ein weiterer Faktor im Timing des nächsten Schritts ist die im Dezember anstehende Entscheidung der US-Notenbank (Fed). Angesichts seiner großen Erfahrung und Vernetzung in der internationalen Hochfinanz könnte BOJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda durchaus erst einmal abwarten und zuschauen. Das heißt: Wenn die Fed durch eine Änderung der relativen Geldpolitik mit höheren Zinsen in den USA einen Teil der Arbeit der BOJ tun kann, könnte Japan eine stimulierende „Freifahrt“ gewinnen. Denn steigende Japan-USA-Zinsspreads führen zu Zinsdifferenzgeschäften, die den Yen drücken und den Dollar beflügeln.

Wie die Wirtschaftselite ist die BOJ Bestandteil des Mottos „ein Team, ein Ziel

Wir bleiben bei unserer Meinung, dass zusätzliche geldpolitische Lockerungen aus Japan wahrscheinlich sind, wobei sie sich von 2015 jetzt auf März bis Mai 2016 verschieben dürften. An dieser Stelle betonen wir unverändert, dass der wichtigste Motor über die Debatte über die „VPI-Inflations-Arithmetik“ und die richtige Zusammensetzung des Warenkorbs hinausgeht. Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass Premier Abe alle Akteure in Japans Wirtschaftspolitik — Unternehmensführungen, Haushaltspolitiker, Geldpolitiker und Aufsichtsspitzen — zum Leitbild „Ein Team, ein Ziel“ führt. Der deutlichste Beweis für unsere These wäre es, wenn die BOJ das von Abe vorgegebene BIP-Ziel von nominal 600 Billionen Yen in ihre geldpolitischen Ziele übernähme. In der Praxis könnte der Beitrag der BOJ zur wachstumsfreundlichen Strategie 2016 aus unserer Sicht in dem Ausbau der Indexfonds (ETFs) der BOJ bestehen. Sie könnte das Budget zwischen 3 Billionen und 6 Billionen Yen ausweiten und „Zaito“ sowie regionale öffentliche Anleihen in das Aufkaufprogramm aufnehmen und eventuell Negativzinsen einführen, um die Geldpolster im Privatsektor in produktive und risikoreichere Anlagen zu locken. Nach unserer Meinungen könnten alle oder Teile dieser geldpolitischen Instrumente spätestens Mitte 2016 in Japan im Einsatz sein. Anleger, die diese Meinung teilen, sollten die folgenden OGAW-ETFs in Erwägung ziehen:

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