Gründe, warum die Allokation in Kryptowährungen derzeit die wichtigste Entscheidung in Anlageportfolios sein könnte
Die wichtigsten Erkenntnisse
Nach 15 Jahren Wachstum und zunehmender Nutzung machen Kryptowährungen heute rund 2 % der Marktkapitalisierung aller liquiden Vermögenswerte weltweit aus1. Dank der jüngsten Notierung von börsengehandelten Bitcoin-Spotfonds (ETFs) in den USA und Hongkong, des Listings von börsengehandelten Krypto-Produkten (ETPs) an der Londoner Börse und der Notierung von Ethereum-Spot-ETFs in den USA sind Kryptowährungen nun fast weltweit über regulierte Vehikel zugänglich. Ob es uns gefällt oder nicht: Kryptowährungen sind eine etablierte Anlageklasse mit dem gleichen Anspruch auf eine Allokation in den Portfolios der Anleger wie Rohstoffe, High-Yield-Anleihen und Private Credit.
Bewertung der Qualität einer Anlageentscheidung in Multi-Asset-Portfolios: das Information-Ratio
Die Performance von Multi-Asset-Portfolios ist das Ergebnis zahlreicher Anlageentscheidungen – von der strategischen Allokation über die Fonds- oder Wertpapierauswahl bis hin zur taktischen Allokation. Allerdings hat nicht jede dieser Entscheidungen die gleichen Auswirkungen. Die Fondsauswahl bei US-Aktien wird sich aufgrund ihrer relativen Gewichtung in Portfolios tendenziell stärker auswirken als die Fondsauswahl bei EUR-High-Yield-Anleihen.
Die am häufigsten verwendete Kennzahl zur Beurteilung von Entscheidungen auf normalisierte Weise ist das Information-Ratio: das Verhältnis zwischen der durch eine einzelne Entscheidung erzielten Überrendite und dem Tracking-Error, der durch dieselbe Entscheidung im Vergleich zur Benchmark entsteht.
Die Allokation in Kryptowährungen könnte für die meisten Portfolios die folgenreichste Anlageentscheidung sein
Es ist möglich, die Auswirkungen einer Allokation in Kryptowährungen anhand einer solchen Kennzahl zu bewerten. Gehen wir also von einem klassischen 60:40-Portfolio aus, das 60 % seines Portfolios in globale Aktien (abgebildet durch den MSCI AC World Net TR Index) und 40 % in Anleihen über Währungen und Ratings hinweg (abgebildet durch den Bloomberg Multiverse TR Index) investiert. Ein solches (monatlich neu gewichtetes) Portfolio hätte zwischen dem 31. Dezember 2013 und dem 30. Juni 2024 eine annualisierte Rendite von 5,38 % erzielt.
Angenommen, der Manager hätte beschlossen, in diesem Portfolio 1 % in Bitcoin zu investieren (und damit 59 % in Aktien und 40 % in Anleihen), hätte sich die auf das Jahr hochgerechnete Rendite des Portfolios auf 6,05 % erhöht. Das entspräche einer annualisierten Überrendite von 67 Basispunkten2 . Da der Tracking-Error einer solchen Beimischung (berechnet auf der Grundlage der täglichen Renditen) 69 Basispunkte beträgt1, ist das Information-Ratio einer solchen Entscheidung in etwa 1.
Wie steht dieses Ergebnis im Vergleich zu anderen Entscheidungen da? Um einen Vergleich anzustellen, brauchen wir ein Normalmaß. Deshalb haben wir uns die Tausenden von Fonds angesehen, die von Morningstar in die Vergleichsgruppen Global Equity Income, Global Large Cap Value, Global Large Cap Blend und Global Large Cap Growth eingestuft werden. Danach haben wir angenommen, dass der Manager für den Aktien-Sleeve den absolut besten in Europa domizilierten Fonds über den gesamten Zeitraum auswählen konnte. Alle, die sich schon einmal mit der Fondsselektion befasst haben, wissen, dass eine solche Aufgabe unmöglich ist und dass es eine herausragende Leistung wäre. Auf diese Weise wäre eine Outperformance von 2,5 % pro Jahr entstanden, allerdings auf Kosten eines Tracking-Errors von 8 %. Das Information-Ratio dieser herausragenden Entscheidung beträgt also nur 0,33. Weniger als ein Drittel der Effizienz der Allokation in Kryptowährungen. Zur näheren Erläuterung: Wenn der Manager die harte Vorgabe eines Tracking-Errors von 69 Basispunkten gegenüber der Benchmark über die letzten zehn Jahre hinzugefügt hätte, hätte er zwei Möglichkeiten gehabt:
- Allokation von 1 % in Bitcoin im Portfolio. Dadurch hätte sich die Performance des Portfolios um 67 Basispunkte erhöht.
- Allokation von 5 % in den besten Fonds (siehe oben) und Verbleib der restlichen 55 % im MSCI AC World. Dadurch hätte sich die annualisierte Wertentwicklung des Portfolios um 22 Basispunkte verbessert.
Es liegt ziemlich klar auf der Hand, welche Anlageentscheidung die größte Wirkung hatte. Und doch hat man das Gefühl, dass die beste Entscheidung nicht die schwierigste war (heute den besten Fonds für die nächsten zehn Jahre zu finden, ist eine sehr hohe Messlatte!).
Nun, zehn Jahre sind eine lange Zeit, und wir könnten argumentieren, dass die Entwicklung von Bitcoin zu Beginn der 2010er-Jahre ungewöhnlich stark war. Werfen wir also einen Blick auf aktuellere Zeiträume:
- In den letzten drei Jahren (einschließlich des letzten Krypto-Winters, in dem Bitcoin mehr als 70 % seines Werts einbüßte) hätte das Information-Ratio beim Hinzufügen von 1 % Bitcoin zum 60:40-Portfolio 0,65 betragen. Immer noch doppelt so effizient wie eine perfekte Fondsauswahl bei 60 % des Portfolios4
- In den letzten 18 Monaten und einem ziemlich positiven Markt für Bitcoin lag das Information-Ratio bei 25.
Fazit
Die Institutionalisierung von Kryptowährungen ist in vollem Gange. Operative und aufsichtsrechtliche Hindernisse werden nach und nach beseitigt, und Kryptowährungen haben sich zu einer vollwertigen Anlageklasse entwickelt, die Anleger im Blick haben sollten. Ein Rückblick auf die Wirkung der Aufnahme von Kryptowährungen in ein Portfolio und ein Ausblick auf den verbleibenden Weg bis zur umfassenden Akzeptanz machen deutlich, dass die Allokation in Kryptowährungen unter den unzähligen Anlageentscheidungen, die für die Verwaltung eines Portfolios getroffen werden müssen, eine der einflussreichsten, wenn nicht die einflussreichste sein wird. Dennoch sind die meisten institutionell verwalteten Multi-Asset-Portfolios in dieser Anlageklasse strukturell untergewichtet (um nicht zu sagen: nicht investiert). Die Endanleger bemerken das und fragen sich, warum ihre Manager nicht die einflussreichsten Entscheidungen für ihr hart verdientes Geld treffen.
Source
1 Bloomberg, WisdomTree. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
2 Bloomberg, WisdomTree. Vom 31. Dezember 2013 bis zum 28. Juni 2024. In USD. Auf der Grundlage täglicher Renditen. Das globale 60:40-Portfolio setzt sich zu 60 % aus dem MSCI AC World und zu 40 % aus dem Bloomberg Multiverse zusammen. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
3 Bloomberg, WisdomTree. Vom 31. Dezember 2013 bis zum 28. Juni 2024. In USD. Auf der Grundlage täglicher Renditen. Das globale 60:40-Portfolio setzt sich wie folgt zusammen: zu 60 % aus den besten europäischen Fonds (im gleichen Zeitraum), die Morningstar bei der Betrachtung der vier im Blog aufgeführten Vergleichsgruppen herausstellt, und zu 40 % aus dem Bloomberg Multiverse. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
4 Bloomberg, WisdomTree. Vom 30. Juni 2021 bis zum 28. Juni 2024. In USD. Auf der Grundlage täglicher Renditen. Das globale 60:40-Portfolio setzt sich zu 60 % aus dem MSCI AC World und zu 40 % aus dem Bloomberg Multiverse zusammen. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
5 Bloomberg, WisdomTree. Vom 31. Dezember 2022 bis zum 28. Juni 2024. In USD. Auf der Grundlage täglicher Renditen. Das globale 60:40-Portfolio setzt sich zu 60 % aus dem MSCI AC World und zu 40 % aus dem Bloomberg Multiverse zusammen. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
