Erneuerbare Energien im zweiten Aufwind
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet mit Rekordgeschwindigkeit voran, da Länder sowohl der Dekarbonisierung als auch der Energiesicherheit Priorität einräumen.
- China war 2025 für mehr als 60 % des weltweiten Zubaus an Kapazitäten für erneuerbare Energien verantwortlich und trägt maßgeblich zur Wertentwicklung des Themas bei.
- Der KI-Boom erzeugt neue Nachfrage nach Infrastruktur für erneuerbare Energien, darunter Technologien wie Wasserstoff-Brennstoffzellen.
In den 1970er-Jahren veränderte der Arabisch-Israelische Krieg die weltweite Sichtweise auf Energie. 1973 verhängten die Ölfördernationen ein Embargo gegen mehrere Länder im Westen, was die Ölpreise in die Höhe trieb und Benzinknappheit auslöste. Kaum ein Land spürte den Schock so deutlich wie Dänemark, wo importiertes Öl damals rund 90 % der Grundenergieversorgung ausmachte.1 Angesichts der Risiken einer derart starken Abhängigkeit von ausländischer Energie begann Dänemark, in Alternativen zu investieren, insbesondere in Windkraft.
Mehr als 50 Jahre später erzeugt Dänemark fast 90 % seines Netto-Stroms aus erneuerbaren Energiequellen und ist damit eine der weltweit führenden Erfolgsgeschichten im Bereich der erneuerbaren Energien.2
Der aktuelle Konflikt im Iran hat erneut die mit fossilen Brennstoffen verbundenen geopolitischen Risiken aufgezeigt. Wenn Ihr Auto auf importierten Kraftstoff angewiesen ist und die Versorgung unterbrochen wird, bleibt das Auto entweder stehen oder der Betrieb wird sehr teuer. Wenn Sie jedoch lediglich Strom benötigen und über eine lokale Versorgung mit erneuerbaren Energien verfügen, sind Sie energieunabhängig. Gleichzeitig sorgt die KI-Revolution für einen rasanten Anstieg des Strombedarfs und stützt den Sektor damit weiter. Nein, Rechenzentren werden nicht mit Solarstrom betrieben, aber es gibt etwas anderes, das wir in diesem Blog behandeln.
Erneuerbare Energien erfahren einen zweiten Aufschwung, und Anleger wollen offenbar die Gunst der Stunde nutzen.
WisdomTree-Lösung zur Nutzung der Chance
Der WisdomTree Renewable Energy UCITS ETF bietet Anlegern:
- Ein umfassendes Engagement entlang der Wertschöpfungskette der erneuerbaren Energien.
Der börsengehandelte Fonds (ETF) deckt über fünf Kategorien von Rohstoffen und Fertigung über Enabler bis hin zu Anwendungen und neuen Technologien 32 verschiedene Teilsektoren ab. Beispielsweise sind Wasserstoff-Elektrolyseure und Wasserstoff-Brennstoffzellen zwei eigenständige Teilbereiche der Kategorie der neuen Technologien. Diese Vielfalt schafft Diversifikation und Zugang zum gesamten Spektrum der Chancen, die das Energiewesen prägen. - Ein zukunftsorientiertes Konzept, das auf Branchenexpertise basiert.
Der in Partnerschaft mit Wood Mackenzie entwickelte ETF nutzt einen researchgestützten Ansatz, um die Relevanz und Attraktivität jedes Teilsektors und jedes Unternehmens zu bewerten. Diese Erkenntnisse dienen als Leitfaden für die Auswahl und Gewichtung von Aktien, wobei das Ziel besteht, dass die Strategie mit der Entwicklung der Branche Schritt hält
Der strukturelle Trend hält an
Abbildung 1: Weltweite Kapazitätserweiterung im Bereich erneuerbare Energien

Quelle: IEA, Global Energy Review, April 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Falls Anleger daran erinnert werden mussten, dass es bei erneuerbaren Energien um mehr geht als um kurzfristige Marktstimmungen, liefern die neuesten Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) den Beweis dafür. Laut dem „Global Energy Review 2026“ der IEA beliefen sich die weltweiten Kapazitätszuwächse bei erneuerbaren Energien 2025 auf fast 800 Gigawatt (GW) – ein Plus von 16 % gegenüber dem Vorjahr und das 23. Jahr in Folge mit einem Rekordwachstum. Wie die Abbildung oben zeigt, hat sich der jährliche Kapazitätszuwachs in den letzten zehn Jahren drastisch verstärkt und ist von weniger als 200 GW im Jahr 2015 auf fast 800 GW im Jahr 2025 angestiegen. Auf die Fotovoltaik (PV) entfielen mehr als drei Viertel aller neuen Kapazitäten für erneuerbare Energien, während Windenergie weitere 20 % ausmachte.
Seit 2022 ist das Tempo des Wachstums besonders bemerkenswert. Nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine und der daraus resultierenden Energiekrise in Europa wurden Länder an die Risiken erinnert, die mit der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen, insbesondere von russischem Erdgas, einhergehen. Der Zubau an Kapazitäten für erneuerbare Energien sprang von rund 340 GW im Jahr 2022 auf über 560 GW im Jahr 2023, um dann in den Jahren 2024 und 2025 weiter anzusteigen. In vielerlei Hinsicht ist erneuerbare Energie heute ebenso eine Frage der Energiesicherheit wie der Dekarbonisierung. Die aktuellen Spannungen um den Iran unterstreichen diesen Punkt. Zwar lässt sich nicht vorhersagen, ob die Ereignisse der letzten Zeit eine weitere Beschleunigung des Ausbaus auslösen werden, doch die Geschichte zeigt, dass geopolitische Schocks oft die Argumente für im Inland erzeugte Energie stärken. Da zudem der Strombedarf aufgrund künstlicher Intelligenz rapide zunimmt, beurteilen viele Anleger die langfristigen Aussichten für erneuerbare Energien weiterhin positiv.
Chinesische Aktien beflügeln das Thema
China steht weiterhin im Mittelpunkt der Story erneuerbarer Energien. Laut IEA entfielen 2025 mehr als 60 % der weltweit neu installierten Kapazitäten bei erneuerbaren Energien auf das Land, wobei in einem einzigen Jahr fast 370 GW an Solar-PV- und 117 GW an Windkraftkapazitäten in Betrieb genommen wurden. Allgemeiner betrachtet haben chinesische Aktien im vergangenen Jahr einen Aufschwung erlebt, der durch technologische Fortschritte in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Robotik, Elektrofahrzeuge, Batterien und erneuerbare Energien gestützt wurde. Ein schwächerer US-Dollar, eine positivere Anlegerstimmung gegenüber China und unterstützende innenpolitische Maßnahmen haben ebenfalls dazu beigetragen, Kapital zurück in den Markt zu locken. Daher profitierten Aktien erneuerbarer Energien nicht nur von starken Fundamentaldaten der Branche, sondern auch von einer allgemeinen Neubewertung chinesischer Aktien.
Mehrere chinesische Unternehmen, die in der Wertschöpfungskette der erneuerbaren Energien tätig sind, haben besonders hohe Renditen erzielt. Betrachten wir zwei Beispiele. Beijing Sifang Automation, ein Anbieter von Lösungen für Netzautomatisierung und Stromversorgungssysteme, hat von steigenden Investitionen in Stromnetze profitiert, die zur Integration wachsender Kapazitäten aus erneuerbaren Energien erforderlich sind. Je mehr Solar- und Windenergie ins Netz eingespeist wird, desto größer wird der Bedarf an intelligenter Übertragungs- und Verteilungsinfrastruktur. Jiangsu Zhongtian Technology kam unterdessen die starke Nachfrage nach Stromkabeln und Energieübertragungsanlagen zugute, die für die Anbindung von Projekten im Bereich erneuerbare Energien an die Endverbraucher unerlässlich sind. In beiden Fällen scheinen die Anleger zu erkennen, dass es bei der Energiewende um mehr geht als nur um die Erzeugung erneuerbarer Energie. Sie erfordert auch die Infrastruktur, die für die effiziente Übertragung, Verwaltung und Speicherung dieser Energie notwendig ist. Beide Unternehmen gehörten in diesem Jahr zu den Aktien mit der besten Performance in diesem Thema.
KI-Effekt stärkt erneuerbare Energien
Wenn Anleger über erneuerbare Energien nachdenken, kommen ihnen in der Regel Solarmodule und Windkraftanlagen in den Sinn. Das Spektrum der erneuerbaren Energien ist jedoch weitaus größer. Eine Technologie, die jahrelang relativ unbekannt war, ist Wasserstoff. Trotz seines Potenzials als saubere Energiequelle stellten viele Anleger infrage, welchen Platz Wasserstoff im Energiesystem der Zukunft einnehmen würde und ob sich jemals eine Nachfrage in großem Maßstab einstellen würde.
Der Aufstieg der künstlichen Intelligenz könnte hier eine Antwort bieten. Bloom Energy, dessen Brennstoffzellentechnologie mit Wasserstoff und anderen Brennstoffen betrieben werden kann, gehört zu den herausragenden Akteuren der Branche. Im Oktober 2025 gab das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit Brookfield im Wert von 5 Milliarden US-Dollar bekannt, um die nächste Generation der KI-Infrastruktur mit Strom zu versorgen. Die Brennstoffzellen von Bloom wurden ausgewählt, weil sie schnell und zuverlässig Strom vor Ort liefern können und Rechenzentren dabei helfen, Netzengpässe in einer Zeit zu überwinden, in der der Strombedarf durch KI stark ansteigt. Nur sechs Monate später baute Bloom seine Zusammenarbeit mit Oracle aus und gab eine Rahmenvereinbarung bekannt, die den Einsatz von bis zu 2,8 GW Brennstoffzellenkapazität zur Unterstützung der KI- und Cloud-Computing-Infrastruktur in den USA vorsieht.
Die Bedeutung geht über ein einzelnes Unternehmen hinaus. Jahrelang bestand die Herausforderung für Wasserstofftechnologien darin, einen überzeugenden kommerziellen Anwendungsfall zu finden. KI könnte das nun ändern. Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Strom, und zunehmend benötigen sie diesen schneller, als herkömmliche Stromnetze liefern können. Technologien, die skalierbare, ausfallsichere und emissionsärmere Stromversorgungslösungen bieten können, finden daher wieder verstärkt Beachtung. Mit anderen Worten: Die KI-Revolution schafft nicht nur Nachfrage nach Halbleitern und Rechenzentren. Sie eröffnet auch Chancen für Teile des Ökosystems der erneuerbaren Energien, die viele Anleger bisher übersehen hatten.
Fazit
Thematisches Investieren kann manchmal bedeuten, auf Technologien zu setzen, die sich vielleicht durchsetzen – oder auch nicht. Doch bei erneuerbaren Energien ist das anders, denn sie sind bereits ein zentraler Bestandteil des globalen Energiesystems und wachsen angesichts des steigenden weltweiten Energiebedarfs schneller denn je. Zuerst kommt der Fortschritt, und erst dann ziehen die Märkte nach. Das macht diese Entwicklung so glaubwürdig und – wenn ich das so sagen darf – zu einem zeitlosen Thema.
Das Thema erneuerbare Energien mag von langfristigen strukturellen Trends profitieren, dennoch können Anlagen in Unternehmen dieser Branche Schwankungen unterliegen und von Änderungen der Regulierung, staatlichen Subventionen, technologischen Entwicklungen, Rohstoffpreisen und den allgemeinen Marktbedingungen beeinflusst werden. Thematische Anlagen weisen in der Regel ein stärker konzentriertes Engagement auf als breit angelegte Marktstrategien und können Phasen mit einer unterdurchschnittlichen Wertentwicklung durchlaufen. Ein Engagement in chinesischen Unternehmen und neuen Technologien kann zudem politische, regulatorische und marktbezogene Risiken erhöhen.
1Quelle: IWF-Bibliothek, 1986.
2Quelle: Investindk.com, Juni 2026.
