Wichtige Lehren für Anleger aus dem Aufschwung von Tech-Start-ups
Die wichtigsten Erkenntnisse
In der Welt der Tech-Start-ups finden zahlreiche Transaktionen statt, doch zwei Beispiele heben sich ab und bieten drei wichtige Lehren für Anleger.
Die erste Geschichte handelt von der Google-Muttergesellschaft Alphabet, die eine 23 Milliarden US-Dollar teure Übernahme des Cybersicherheits-Start-ups Wiz in Erwägung zog. Wäre diese Transaktion zustande gekommen, wäre sie die größte in der Geschichte von Alphabet gewesen und hätte die 12,5 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Motorola Mobility vor über zehn Jahren weit übertroffen. Bemerkenswert an dieser Geschichte ist, dass die letzte Bewertung von Wiz vor dem Angebot von Alphabet 12 Milliarden US-Dollar betrug1. Alphabet war also bereit, fast das Doppelte für ein Start-up zu zahlen, das cloudbasierte Programme sichert. Letztlich nahm Wiz das Angebot nicht an und erklärte, es wolle an die Börse gehen.
Die zweite Geschichte bezieht sich auf das Halbleiter-Start-up Groq, das unlängst mit 2,8 Milliarden US-Dollar bewertet wurde – mehr als das Doppelte seiner letzten Bewertung von 1,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 20212. Die Chips von Groq sind für eine schnelle Inferenz von künstlicher Intelligenz (KI) ausgelegt, was besonders nützlich ist, damit KI-gestützte Chatbots schnelle Antworten liefern können.
In beiden Fällen konnten zwei Tech-Start-ups mit spezialisiertem Know-how beobachten, wie ihre Bewertungen in die Höhe schossen. Welche Lehren können Anleger aus diesen Beispielen ziehen?
Big Tech kennt die Bedeutung von Schlüsseltechnologien
Da sich KI in allen Branchen zunehmend durchsetzt, sind nur wenige Themen so aktuell wie die Cybersicherheit. Da generative KI – derzeit in aller Munde – auf Daten beruht, ist der Schutz dieser Daten von größter Bedeutung, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in Technologieunternehmen zu bewahren.
Google (bzw. seine Muttergesellschaft Alphabet) versteht das sehr gut. Das Reputationsrisiko bei einem Cyberverstoß ist zu groß, selbst für Tech-Giganten. Es ist besser, heute einen hohen Preis zu zahlen und später ein Katastrophenszenario zu vermeiden. Diese Vorstellung wurde durch das jüngste CrowdStrike-Windows-Softwareupdate, das weltweit 8,5 Millionen Computer zum Absturz brachte, noch verstärkt3. Auch wenn es sich nicht um einen Cyberangriff handelte, war es doch eine deutliche Erinnerung daran, wie wichtig es ist, dass Technologie reibungslos und sicher funktioniert.
Für Anleger ist dies eine spannende Gelegenheit, sich mit einem Thema zu befassen, das von der KI-Revolution profitiert und gleichzeitig eine differenzierte Mischung von Unternehmen bietet.
Kleine Akteure mit Spezialgebiet sind besonders wertvoll
Wir alle haben den rasanten Aufstieg von OpenAI miterlebt. Wenn ein kleiner Akteur eine einzigartige Idee hat und sie effektiv umsetzt, kann er schnell zu einem Giganten werden. Das Ziel dieser Start-ups besteht nicht darin, der Masse zu folgen und direkt mit großen Tech-Firmen zu konkurrieren, sondern eine Nische zu finden, in der sie etwas Überzeugendes schaffen können, das die Massen ansprechen könnte.
Das Beispiel von Groq zeigt, dass dieser Grundsatz sogar in der Welt der Halbleiter gilt – einem Produkt, das oft als homogen angesehen wird. Die Halbleiter der verschiedenen Unternehmen erfüllen jedoch unterschiedliche Funktionen und richten sich an verschiedene Kunden. Nicht alle IoT-Geräte (Internet der Dinge) benötigen Nvidia-Chips, auch wenn Nvidia in letzter Zeit einen großen Teil des Hypes auf sich gezogen hat. Eine einfache Analogie sind Autos – nicht alle müssen oder wollen bei einer einzigen Marke kaufen.
Für Anleger ist ein breites Engagement in einer Vielzahl von Unternehmen, die interessante Dinge in der digitalen Wirtschaft tun, der beste Weg, um sich breit aufzustellen und das Aufwärtspotenzial aufstrebender Unternehmen zu nutzen.
Das Timing ist wichtig
In einem unserer aktuellen Blogs haben wir aufgezeigt, wie kleinere Unternehmen von einem Zinssenkungszyklus durch die US-Notenbank (Fed) profitieren können. Kleinere Unternehmen mit ungewisseren zukünftigen Cashflows reagieren naturgemäß sensibler auf Zinssätze. Es ist keine Überraschung, dass Big-Tech-Firmen auf der Suche nach Deals sind, bevor der Zinssenkungszyklus der Fed in Gang kommt.
Bei den beiden in diesem Blog behandelten Beispielen handelt es sich zwar um private Unternehmen, aber die Lehren gelten auch für kleine, börsennotierte Titel. Börsennotierte Unternehmen bieten Anlegern den zusätzlichen Vorteil, dass sie auf etwas festerem Boden stehen als Unternehmen in Privatbesitz, die sich noch in der Anfangsphase ihres Wachstums befinden.
Anleger, die ein reines Engagement in Themen wie KI und Cybersicherheit anstreben, dürften eine gesunde Mischung aus kleinen und mittleren Unternehmen in ihren Portfolios haben. Damit dürften sie für die nächste Phase des Konjunkturzyklus gerüstet sein.
1 Bloomberg, 23. Juli 2024.
2 Financial Times, 05. August 2024.
3 Financial Times, 25. Juli 2024.