Die „Hot Picks“ an der Spitze der breit angelegten Rohstoffrallye
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Rohstoffe verzeichnen einen breit angelegten Aufwärtstrend, der durch Angebotsengpässe, geopolitische Risiken und eine starke Nachfrage unterstützt wird.
- Erdgas profitiert von der kalten Wetterlage und Rekordexporten von Flüssiggas, Aluminium von Zöllen und Angebotskürzungen, Kaffee von witterungsbedingten Engpässen und Spekulation und Gold von der Nachfrage der Zentralbanken und der geopolitischen Unsicherheit.
Der breite Rohstoffmarkt zeigte sich 2025 bisher erstaunlich stark und trotzte der wirtschaftlichen Unsicherheit und dem makroökonomischen Gegenwind. Seit Jahresbeginn (lfd. Jr.) ist der Bloomberg Commodity Index (BCOM), der weithin als Benchmark für ein breites Rohstoffengagement gilt, um fast 8 % gestiegen (siehe Abbildung 1). Mehrere wichtige Rohstoffe sind aufgrund von Angebotsengpässen, geopolitischen Ereignissen und einer sich verändernden makroökonomischen Dynamik deutlich gestiegen.
Abbildung 1: Gesamtrendite von Rohstoffen im lfd. Jr.

Quelle: Bloomberg, WisdomTree. Daten vom 31.12.2024 bis zum 24.02.2025. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
In Abbildung 2 sind die Wertentwicklung aller Rohstoffe im BCOM-Index und ihre jeweilige Zielgewichtung für 2025 dargestellt. Auffallend ist, dass 21 der 24 Rohstoffe im bisherigen Jahresverlauf positive Renditen erzielt haben. Das weist auf eine breit angelegte Rallye und nicht auf einen Aufwärtstrend hin, der nur von einer Handvoll besonders starker Rohstoffe getragen wird.
In diesem Blog befassen wir uns mit vier herausragenden Rohstoffen – Erdgas, Aluminium, Kaffee und Gold – die jeweils einen wichtigen Sektor im breiteren Rohstoffkomplex darstellen. Wir untersuchen die Faktoren, die für den Aufwärtstrend und die mögliche zukünftige Entwicklung verantwortlich sind.
Abbildung 2: Wertentwicklung von Rohstoffen im BCOM-Index

Quelle: Bloomberg, WisdomTree. Daten vom 31.12.2024 bis zum 24.02.2025. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Erdgas (Sektor: Energie)
Die US-Erdgaspreise haben in diesem Jahr erheblich zugelegt (+28 % auf Basis der Gesamtrendite1), was auf ein Zusammentreffen von witterungsbedingten Nachfragespitzen und strukturellen Verschiebungen im weltweiten Angebot zurückzuführen ist. Die extreme Kältewelle in den USA zu Beginn des Jahres ließ die Heizungsnachfrage stark ansteigen und trieb die Henry-Hub-Erdgaspreise in die Höhe. Da die Temperaturen unter die üblichen Werte fielen, übertrafen die Lagerentnahmen die Erwartungen, was das verfügbare Angebot verknappte und die Preise hochschraubte.
Diese Aufwärtsdynamik wird noch dadurch verstärkt, dass die Exporte von Flüssiggas (LNG) aus den USA Rekordhöhen erreicht haben. Die anhaltenden Bemühungen Europas, sich alternative Energiequellen – unabhängig von russischem Gas – zu sichern, erzeugen eine nachhaltige Nachfrage nach US-LNG. Gleichzeitig verschärften wetterbedingte Produktionskürzungen in den USA das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage weiter. Mit Blick auf die Zukunft wird das Zusammenspiel von Lagerbeständen, Wettermustern und globaler LNG-Nachfrage die Preisentwicklung bestimmen. Angesichts der Erwartung von weiterhin ungewöhnlich kalten Temperaturen und der geopolitischen Spannungen, die sich nach wie vor auf die Energiemärkte auswirken, bleibt Erdgas eine volatile, aber potenziell vielversprechende Anlage.
Außerdem ist anzumerken, dass von der Gesamtrendite von 28 % 18,4 % auf die Rollrendite zurückzuführen sind2. Das ist besonders bedeutsam, da die Terminkurve für Erdgas in den letzten Monaten in eine Backwardation übergegangen ist. Dadurch konnten die Anleger von positiven Rollrenditen profitieren – eine Seltenheit auf einem Markt, auf dem die Carry-Kosten normalerweise hoch sind. Allerdings ist zu beachten, dass sich Erdgas wieder in einen saisonalen Contango begibt und dass die Spotpreise deutlich steigen müssen, um die negativen Rollrenditen auszugleichen, wenn die starke Performance aufrechterhalten werden soll.
Aluminium (Sektor: Industriemetalle)
Aluminium hat sich im Komplex der Industriemetalle stark entwickelt: Die Preise kletterten auf über 2.700 US-Dollar je Tonne3 und markierten damit ein Neunmonatshoch. Eine wichtige Triebkraft war die Ankündigung der US-Regierung, die Zölle auf Aluminiumimporte zu erhöhen, was sich insbesondere auf die Lieferketten wichtiger Exporteure wie Kanada auswirkt.
Auf der Weltbühne haben auch die Produktionskürzungen in China eine entscheidende Rolle gespielt. Da Peking strenge Produktionsobergrenzen und Ziele für CO2-Emissionen durchsetzt, sind Aluminiumhütten gezwungen, ihren Betrieb zu drosseln, was das weltweite Angebot verknappt.
Unterdessen bleibt die Nachfrage robust, vor allem in Sektoren, die von der Energiewende profitieren. Aluminium ist ein wichtiger Rohstoff für Elektrofahrzeuge, die Infrastruktur für erneuerbare Energien (wie Solarzellen und Windturbinen) und Stromübertragungsleitungen. Diese strukturelle Nachfrage in Verbindung mit einem begrenzten Angebot schafft die Voraussetzungen für anhaltend hohe Aluminiumpreise.
Darüber hinaus hat sich in der Kurve der Aluminium-Futures eine ungewöhnliche Frontmonats-Backwardation herausgebildet. Während die Rollrendite im laufenden Jahr leicht negativ war, unterstreicht die neuerliche Verschiebung in eine Backwardation die zunehmende Angebotsverknappung.
Kaffee (Sektor: Landwirtschaft und Nutztiere)
Die Preise für Arabica-Kaffee sind enorm gestiegen und haben vor Kurzem die Marke von 4,30 US-Dollar pro Pfund überschritten – ein Niveau, das seit Jahren nicht mehr erreicht wurde. Dieser Anstieg lässt sich durch eine Kombination aus Störungen auf der Angebotsseite und spekulativer Marktpositionierung erklären.
Brasilien, der weltweit größte Produzent von Arabica-Kaffee, wird seit April 2024 von einer Dürre heimgesucht. Angesichts des belasteten Anbaus wurden die Ertragserwartungen für die kommende Ernte nach unten korrigiert. Der zweijährliche Erntezyklus von Arabica-Kaffee, bei dem sich Jahre mit hoher und niedriger Produktion abwechseln, verschlimmert den angespannten Angebotsausblick. Die Saison 2024/2025 sollte eigentlich eine ertragreiche Saison werden, aber ungünstige Witterungsbedingungen haben die Ertragssteigerungen begrenzt.
Was spekulative Transaktionen betrifft, hob die Intercontinental Exchange (ICE) vor Kurzem die Einschussanforderungen für Kontrakte auf Arabica-Kaffee an und zwang Leerverkäufer, Positionen aufzulösen. Diese Glattstellung von Leerverkäufen förderte eine weitere Aufwärtsdynamik und führte zu einer sich selbst verstärkenden Kursrallye. Mit Blick auf die Zukunft werden die Wetterverhältnisse in Brasilien, die Entwicklung der spekulativen Positionierung und Beeinträchtigungen der globalen Lieferkette den weiteren Verlauf der Kaffeepreise bestimmen.
Gold (Sektor: Edelmetalle)
Gold hat einmal mehr seine Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt und ist trotz eines starken US-Dollar und steigender Anleiherenditen – zwei Faktoren, die das Edelmetall normalerweise belasten – stetig gestiegen. Zu den wichtigsten Faktoren, die den Goldpreis im Jahr 2025 nach oben treiben werden, gehören die verstärkten geopolitischen Risiken, die Nachfrage der Zentralbanken und die Inflationssorgen.
Einer der bedeutendsten strukturellen Treiber waren die kräftigen Käufe der Zentralbanken. Nach Angaben des Weltgoldrats setzten die Zentralbanken ihre Goldaufstockung fort – die Käufe lagen weiter nahe Rekordniveaus (die Goldkäufe der Zentralbanken 2024 waren nur um 1 % niedriger als 2023 und verzeichneten ein sehr starkes viertes Quartal 20244). Dieser Trend erwies sich in Schwellenländern als besonders ausgeprägt, die eine Diversifikation ihrer Reserven weg vom US-Dollar anstreben.
Abbildung 3: Goldnachfrage der Zentralbanken

Quelle: WisdomTree, Weltgoldrat, Q1/2010 – Q4/2024. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Die geopolitische Instabilität verstärkt die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen. Anhaltende Konflikte und Handelsspannungen veranlassen Anleger dazu, Gold als Absicherung gegen Unsicherheit einzusetzen. Darüber hinaus gibt der Inflationsdruck nach wie vor Anlass zur Sorge. Auf der ganzen Welt wandeln die Zentralbanken auf einem schmalen Grat zwischen der Kontrolle des Preisanstiegs und der Wahrung der wirtschaftlichen Stabilität. Bei einem weiteren Anstieg der Inflationserwartungen könnte der Goldpreis zusätzliche Aufwärtsimpulse erhalten.
Fazit
Der breite Rohstoffkomplex legte einen starken Start ins Jahr 2025 hin, wobei Erdgas, Aluminium, Kaffee und Gold die Spitzenposition einnahmen. Strukturelle Angebotsengpässe, geopolitische Spannungen, spekulative Positionierungen und eine solide Nachfragesituation tragen alle zu den Kursgewinnen bei. Trotz anhaltender Volatilität bieten diese Rohstoffe weiterhin attraktive Anlagemöglichkeiten.
1Bloomberg, WisdomTree. Daten vom 31.12.2024 bis zum 24.02.2025.
2Ebd.
3Ebd.
4WisdomTree, Weltgoldrat, Q1/2010 – Q4/2024.
