Europas Comeback – Exportvorteil des Jahres 2025 kommt zum Tragen
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Europäische Aktien feiern 2025 ein kräftiges Comeback, das durch attraktive Bewertungen, robuste Erträge und einen klareren Ausblick für die EZB-Politik genährt wird. Wichtige Sektoren wie Finanz- und Industrietitel treiben die Kursgewinne an.
- Katalysatoren wie eine mögliche Beilegung des Russland-Ukraine-Konflikts, eine finanzpolitische Lockerung in Deutschland und ein unterbewertetes Zollrisiko verstärken den Wettbewerbsvorteil Europas auf den globalen Märkten.
- Europas Exporteure profitieren von unterbewerteten Zollrisiken und Rückenwind durch die chinesische Konjunkturpolitik.
Dank attraktiver Bewertungen, robuster Unternehmensgewinne und eines klareren Ausblick für die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) legte Europa einen glänzenden Start ins Jahr 2025 hin. Auf der Suche nach Investmentchancen wenden sich Anleger zunehmend europäischen Aktien zu, die mit erheblichen Abschlägen gegenüber ihren US-Pendants gehandelt werden – oft zu zukunftsgerichteten Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) auf Rekordtiefs. Diese „Aufholjagd“ wird durch die robuste Performance von Schlüsselsektoren wie Finanzwerten, Konsumgütern und Industrietiteln unterstützt, die nicht nur ein stetiges Gewinnwachstum, sondern auch attraktive Dividendenrenditen bieten.
Abbildung 1: Europa notiert mit einem erheblichen Abschlag gegenüber den USA

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Stand: 17. Februar 2025. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Katalysator Geopolitik
Ein genauerer Blick auf die Rallye offenbart mehrere zusätzliche Katalysatoren, die den Schwung im Laufe des Jahres aufrechterhalten könnten. Einer der wichtigsten ist eine mögliche Lösung des Russland-Ukraine-Konflikts. Im Falle eines diplomatischen Durchbruchs könnten die europäischen Märkte von einer Verringerung des geopolitischen Risikos und einer besseren Dynamik beim Energieangebot profitieren. Niedrigere Rohstoffpreise und nachlassender Inflationsdruck würden die Erträge in energieintensiven Sektoren stützen.
Lockerung der Schuldenbremse: Mögliche Entspannung in Deutschland öffnet die Türen für mehr öffentliche Investitionen
Ein weiterer wichtiger Katalysator liegt im Bereich der Finanzpolitik, konkret in der möglichen Lockerung der Schuldenbremse in Deutschland nach den anstehenden Wahlen. Laut Umfragen wird es zu einer Koalitionsregierung kommen, die höchstwahrscheinlich von CDU/CSU und SPD1 angeführt wird und eher bereit wäre, die starren Haushaltsbeschränkungen zu lockern. Zu den erörterten Vorschlägen gehören die Neueinstufung bestimmter staatlicher Subventionen als „Finanztransaktionen“ und die Erhöhung des zulässigen strukturellen Defizits. Diese Maßnahmen könnten dringend benötigte öffentliche Investitionen mobilisieren und so das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne ankurbeln. Obwohl für eine größere Änderung der Schuldenbremse eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat erforderlich wäre, deuten aktuelle Umfragen darauf hin, dass dieses Szenario immer plausibler wird.
Vorteil für Exporteure durch Unterbewertung von Zöllen
Ein weiterer Grund für den Aufschwung ist die Unterbewertung von Zollrisiken, die europäischen Exporteuren auf den Binnenmärkten einen deutlichen Vorteil verschafft. Da sie die möglichen Auswirkungen von US-Zöllen auf europäische Waren nicht vollständig einkalkulieren, konnten diese Exporteure ihre wettbewerbsfähigen Preise beibehalten und ihren Marktanteil vergrößern. Durch die schwache Entwicklung des Euro gegenüber dem US-Dollar sind europäische Exporteure deutlich billiger geworden. Diese Unterbewertung war ein entscheidender Faktor für die hervorragende Entwicklung vieler exportorientierter Sektoren, da sie zum Ausgleich des Kostendrucks und zur Steigerung des Umsatzwachstums beiträgt. Exporteure konnten diesen Preisvorteil nutzen, was die Gesamtperformance europäischer Aktien im Jahr 2025 weiter ansteigen lässt.
Auswirkungen des chinesischen Konjunkturpakets
Europäische Exporteure dürften auch von günstigen politischen Initiativen aus China profitieren. Wie in einer aktuellen Ankündigung des Politbüros vom 9. Dezember 2024 dargelegt, geht China von einer schrittweisen Unterstützung zu einem umfassenden Konjunkturpaket über, zu dessen obersten Prioritäten eine kräftige Ankurbelung des Verbrauchs, die Verbesserung der Investitionseffizienz und die Ausweitung der Binnennachfrage gehören3. Dieser entschlossene politische Kurs dürfte die chinesische Nachfrage wiederbeleben und zum Ende der Disinflation beitragen. Das dürfte europäischen Exporteuren, denen die gestiegene Nachfrage auf dem riesigen Markt Chinas zugutekommt, zusätzlichen Rückenwind verschaffen.
Fazit
Europäische Aktien werden von attraktiven Bewertungen, robusten Gewinnen, einer unterstützenden Geldpolitik und mehreren strategischen Impulsgebern beflügelt – vom Wettbewerbsvorteil durch ein unterbewertetes Zollrisiko über ein mögliches Ende des Russland-Ukraine-Konflikts bis hin zu einem flexibleren Finanzrahmen in Deutschland. Zusammengenommen sprechen diese Faktoren dafür, dass Anleger europäische Aktien in Betracht ziehen sollten, auch wenn sie die inhärenten Risiken in einem dynamischen geopolitischen und wirtschaftlichen Umfeld im Auge behalten müssen. Auch wenn die Aussichten weitgehend positiv sind, sollten Anleger die potenziellen Risiken nicht außer Acht lassen. Geopolitische Unsicherheiten, anhaltende Handelsspannungen und das ungleiche Tempo der wirtschaftlichen Erholung in den europäischen Ländern könnten Volatilität auslösen.
1 CDU/CSU = Christlich Demokratische Union Deutschlands/Christlich Soziale Union. SPD = Sozialdemokratische Partei Deutschlands.
2 China Central Economic Work Conference (CEWC), Stand: 16. Dezember 2024.