Lithium: Das leichte Metall mit schwerer Wirkung
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Die Elektrifizierung des Verkehrswesens ist der wichtigste einzelne Faktor, der das Wachstum der Lithiumnachfrage beeinflusst.
- Nach dem rasanten Ausbau in den letzten Jahren dürfte sich das Wachstum des Lithiumangebots bis in die 2030er-Jahre hinein verlangsamen.
- Bergbau und Raffination sind nach wie vor geografisch konzentriert, was das Risiko künftiger Engpässe verschärft.
Im Jahr 1817 entdeckte der junge schwedische Chemiker Johan August Arfwedson bei der Analyse eines Minerals namens Petalit ein neues Element. Er nannte es Lithium, abgeleitet vom griechischen Wort „lithos“, was „Stein“ bedeutet. Denn im Gegensatz zu Natrium und Kalium wurde es nicht in Pflanzenasche, sondern in Gestein entdeckt. Es erwies sich als das leichteste Metall im Periodensystem. Lithium ist zwar leicht, reagiert aber selbst mit Wasser sehr schnell und hat im Labor schon immer Neugier geweckt.1
Zwei Jahrhunderte später steht genau dieses Element im Mittelpunkt einer ganz anderen Revolution. Lithium bildet das Rückgrat moderner wiederaufladbarer Batterien. Von Elektrofahrzeugen (EV) über Netzspeicher bis hin zu Smartphones und Rechenzentren – es treibt still und leise die Elektrifizierung und Digitalisierung unserer Welt voran.
Da Volkswirtschaften zunehmend auf Dekarbonisierung, Digitalisierung und Elektrifizierung setzen, gewinnt Lithium rasch an strategischer Bedeutung. Die Nachfrage dürfte kräftig zulegen, während sich das Angebot im Verhältnis zu dieser Nachfrage in den kommenden Jahren verknappen könnte. In diesem Blog geben wir einen Überblick über die wichtigsten Prognosen zu Angebot und Nachfrage bei Lithium und die möglichen Auswirkungen für Anleger.
Wie erschließt WisdomTree die Chance?
Der in Zusammenarbeit mit dem Branchenexperten Wood Mackenzie entwickelte WisdomTree Strategic Metals and Rare Earths Miners UCITS ETF bietet Anlegern ein intelligentes Engagement in Unternehmen, die in den Lieferketten von zehn verschiedenen Rohstoffen tätig sind. Diese umfassen Aluminium, Kobalt, Kupfer, Lithium, Nickel, Platin, Silber, Zinn, Zink und seltene Erden.
Dank der Branchenexpertise von Wood Mackenzie können wir drei Dinge umsetzen: Identifizierung der wichtigsten Wertschöpfungsketten-Segmente für jede Rohstoffposition im Portfolio, Festlegung der Aktiengewichtungen auf der Grundlage ihres Umsatzengagements in der Wertschöpfungskette und ihrer Wachstumsaussichten sowie kontinuierliche Marktbeobachtung, um sicherzustellen, dass der börsengehandelte Fonds (ETF) auch weiterhin das Chancenpotenzial widerspiegelt.
Anlegern, die ein direktes Rohstoffinvestment wünschen, bieten WisdomTree Energy Transition Metals sowie der WisdomTree Strategic Metals UCITS ETF intelligente Engagements in zehn Rohstoffen. Dazu zählen Kupfer, Aluminium, Nickel, Silber, Zink, Blei, Platin, Kobalt und Lithium. Beide Produkte wurden in Zusammenarbeit mit Wood Mackenzie entwickelt und stützen sich bei der Auswahl und Gewichtung der Metalle auf eine vorausschauende Einschätzung sowohl hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Energiewende als auch im Hinblick auf die allgemeine Angebots- und Nachfragedynamik.
Zusammen können Anleger mit diesen Lösungen durch sorgfältig zusammengestellte Aktien- und Rohstoffengagements von den Wachstumsaussichten bei Lithium profitieren.
Nachfrage nach Lithium dürfte steigen
Das Stated Policies Scenario der Internationalen Energieagentur (IEA), also ihr Basisszenario, das die Zukunft auf der Grundlage der derzeit weltweit erklärten Politik prognostiziert, sagt einen deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Lithium voraus.
Abbildung 1: Gesamtnachfrage nach Lithium im Basisszenario der IEA

Quelle: Internationale Energieagentur (IEA), Mai 2025. Prognosen sind kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und alle Anlagen sind mit Risiken und Ungewissheiten verbunden.
Aus der Abbildung lassen sich drei wichtige Beobachtungen ableiten. Erstens sind Elektrofahrzeuge der wichtigste Wachstumsmotor. Lithium-Ionen-Batterien bilden das Herzstück sowohl von reinen Elektrofahrzeugen als auch von Plug-in-Hybridfahrzeugen. Mit zunehmender Verbreitung von Elektroautos steigt auch die Nachfrage nach Lithium. Laut Schätzungen von Wood Mackenzie entfielen 2025 rund 90 % des weltweiten Lithiumbedarfs auf wiederaufladbare Batterien, wobei der Automobilsektor den größten Anteil daran hatte.2 Die Nachfrage wird zudem durch die sich weiterentwickelnden Batteriechemikalien geprägt, darunter das starke Wachstum bei Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) und Kathoden mit hohem Nickelanteil.3 Kurzum: Die Elektrifizierung des Verkehrswesens ist der wichtigste einzelne Faktor, der die Lithiummärkte prägt.
Zweitens stellen auch Netzbatteriespeicher ein wachsendes Segment dar. Mit dem Ausbau der Kapazitäten für erneuerbare Energien werden Energiespeichersysteme immer wichtiger, um das Stromnetz und Schwankungen auszugleichen. Wood Mackenzie geht davon aus, dass die jährlichen Installationen von Energiespeichersystemen zwischen 2025 und 2030 um fast 60 % zunehmen werden.4 Mehr erneuerbare Energien bedeuten mehr Speicher; mehr Speicher bedeuten mehr Lithium.
Drittens gibt es eine Kategorie „Sonstige Einsatzbereiche“, die ganz offensichtlich von Bedeutung ist. Lithium wird in tragbaren Elektronikgeräten, Elektrowerkzeugen, Industrieanwendungen wie Keramik und Glas sowie in verschiedenen Spezialprodukten verwendet. Auch in diesem Segment der Lithiumnachfrage ist ein stetiges Wachstum zu erwarten.
Lithium spielt daher nicht nur im Verkehrssektor, sondern auch im Rahmen der allgemeinen Elektrifizierung und Digitalisierung der Weltwirtschaft eine entscheidende Rolle.
Angebot dürfte sich verknappen und konzentriert bleiben
Anhand des Basisszenarios der IEA zum Angebot lässt sich die Analyse der Marktdynamik noch besser nachvollziehen.
Abbildung 2: Lithiumangebot aus bestehenden und angekündigten Projekten im Basisszenario der IEA

Quelle: Internationale Energieagentur, Mai 2025. Prognosen sind kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und alle Anlagen sind mit Risiken und Ungewissheiten verbunden.
Aus der Abbildung lassen sich erneut drei wichtige Beobachtungen ableiten. Erstens lässt das Angebotswachstum mit der Zeit deutlich nach. Der Markt hat in den letzten Jahren ein außergewöhnliches Wachstum verzeichnet. Doch nach Angaben von Wood Mackenzie hat die Lithiumförderung zwischen 2020 und 2025 zwar mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 31 % zugelegt, dieses Wachstum wird sich bis 2035 jedoch voraussichtlich auf 6 % abflachen.5 Der Experte führt an, dass die bekannten Vorkommen bereits entdeckt und erschlossen sein dürften, was zu einem Plateau bei der Förderung geführt hätte. Mit anderen Worten: Nach einer Phase des raschen Ausbaus verringert sich das Angebotswachstum gerade dann, wenn die Nachfrage weiter zunimmt. Auf den Rohstoffmärkten zeichnet sich eine solche Abschwächung durch eine einsetzende Verknappung aus.
Zweitens bleibt das Angebotswachstum auf wenige Länder konzentriert. Im Bergbau wird erwartet, dass Australien und China ihre Vormachtstellung behaupten, auch wenn sich ihre relativen Anteile im Laufe der Zeit verschieben dürften. Neben dem Abbau in Gesteinslagerstätten wird Lithium auch aus salzhaltigen Grundwasservorkommen, sogenannten Solen, gewonnen, insbesondere in Südamerika. Der Großteil dieser Soleproduktion entfällt auf Chile, Argentinien und China.6 Aufgrund dieser Konzentration können Störungen, politische Kurswechsel oder Investitionsdefizite in einigen wenigen Regionen überproportionale globale Auswirkungen haben.
Drittens ist auch die Raffineriekapazität stark konzentriert, insbesondere in China. Wood Mackenzie hebt hervor, dass zwischen 2020 und 2025 Raffinerien in China 74 % des Wachstums bei der Raffinerieproduktion ausmachten.7 Auch wenn sich das Wachstum in Zukunft voraussichtlich geografisch ausgewogener gestalten wird, wird China auf kurze Sicht wohl weiterhin mehr als die Hälfte der neuen Raffineriekapazitäten stellen. Wie bei vielen strategischen Metallen ist die Kontrolle über die Raffination genauso wichtig wie die Kontrolle über die Rohstoffgewinnung.
Insgesamt kühlt sich das Angebotswachstum ab und konzentriert sich weiterhin auf bestimmte Regionen. Dadurch werden die Voraussetzungen geschaffen, dass es zu ausgeprägten Engpässen kommen kann, sollte sich die Nachfrage wie prognostiziert entwickeln.
Ein abschließendes Wort
Lithium ist das leichteste Metall im Periodensystem, trägt aber die Last des weltweit rasant steigenden Energiebedarfs auf seinen Schultern. Von Elektrofahrzeugen über Netzspeicher bis hin zu den Geräten, die wir täglich nutzen – Lithium ermöglicht Elektrifizierung, Mobilität und digitale Vernetzung.
Es sorgt nicht immer für große Schlagzeilen wie Öl oder Gold. Doch mit steigender Nachfrage und einem sich abflachenden und weiterhin konzentrierten Angebotswachstum lässt sich seine strategische Bedeutung kaum noch ignorieren. Für Anleger, die den Blick auf die nächste Phase der Elektrifizierung richten, rückt Lithium zunehmend in den Mittelpunkt der Betrachtungen.
1 International Lithium Association, 2023.
2, 3, 4, 5, 6, 7 Wood Mackenzie, Globaler Investitionshorizont für Lithium, Q4/2025.
