Gold als Investition: Wie nutzen Anleger das Edelmetall?
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Anleger nutzen Gold üblicherweise zur Absicherung gegen Inflation, Turbulenzen an den Finanzmärkten, wirtschaftlichen Stress und geopolitische Unruhen.
- Auch wenn einige dieser Risiken bei Anlegern heute möglicherweise nicht an erster Stelle stehen, ist die Absicherung gegen die potenzielle Eskalation von Tail-Risiken von großem Werthedging.
- Gold eignet sich auch hervorragend zur Diversifikation von Portfolios – Analysen von WisdomTree bestätigen, dass die Beimischung von Gold die Gesamtergebnisse von Portfolios verbessert, d. h. zu höheren Renditen führt und gleichzeitig ein effektives Risikomanagement ermöglich.
36 % der 800 von WisdomTree befragten professionellen Anleger nannten „Diversifikation“ als Hauptgrund für die Investition in Gold1. Nach unserer Analyse weist Gold sowohl mit Aktien als auch mit Anleihen eine geringe Korrelation auf und sollte daher wesentlich zur Diversifikation beitragen.
Abbildung 1: Korrelationen zwischen Vermögenswerten
Quelle: Bloomberg, WisdomTree, monatliche Daten von November 1990 bis November 2024. Rohstoffe sind durch den Bloomberg Commodity Index abgebildet, der MSCI World All Country ist ein Aktienindex, der S&P 500 ist ein US-Aktienindex, Global Aggregate Bond ist der Bloomberg GlobalAgg Index, der Staats- und Unternehmensanleihen sowie verbriefte Anleihen abdeckt, Gold ist der Gold-Spotpreis. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Gold verhält sich völlig anders als andere Vermögenswerte. Einerseits ist es eine defensive Anlage, die oft mit Anleihen konkurriert und als sicherer Hafen gegen allgemeine Marktvolatilität dient. Andererseits hat es zyklische Merkmale, da es in Zeiten der Inflation, die häufig in Phasen starken Wirtschaftswachstums entsteht, ansteigt. Diese Dualität von Gold trägt zur Erklärung seiner geringen Korrelation mit traditionellen Vermögenswerten bei.
Als zweitwichtigsten Grund für das Halten von Gold nannten die Befragten „Inflationsabsicherung“ (35 %), gefolgt von „Absicherung gegen Finanzmarktvolatilität“ (31 %) und „Absicherung gegen geopolitische Volatilität“ (27 %)2.
Optimaler Goldbestand in Portfolios
Die Beimischung von Gold in Portfolios mit anderen Vermögenswerten kann die Sharpe-Ratio3 des Gesamtportfolios erhöhen und die schlechteste 12-Monats-Performance mindern4. Wir veranschaulichen dies anhand eines Beispiels, das auf Daten von 1973 bis 2024 basiert.
- Wir beginnen mit einem Portfolio aus Anleihen (60 %) und Aktien (40 %) ohne Gold: Punkt 0 auf der horizontalen Achse. Die Sharpe-Ratio dieses Portfolios beträgt 0,41 und die schlechteste 12-Monats-Performance liegt bei -17 %.
- Entlang der horizontalen Achse nehmen wir jeweils etwas Gold in das Portfolio auf. Der Rest des Portfolios besteht aus Anleihen und Aktien im Verhältnis von 60:40.
- Mit steigendem Goldbestand verbessern sich die Sharpe-Ratios und die schlechteste 12-Monats-Performance sinkt bis zu einem gewissen Punkt (bevor sie sich wieder verschlechtert).
- Die maximale Sharpe-Ratio (Portfolio A) wird mit einem Goldanteil von 13 % erreicht (der Rest des Portfolios besteht zu 52 % aus Anleihen und zu 35 % aus Aktien). Bei diesem Portfolio beläuft sich die Sharpe-Ratio auf 0,45.
- Die geringste schlechteste 12-Monats-Performance (Portfolio B) wird mit einem Goldanteil von 30 % erreicht (der Rest des Portfolios setzt sich zu 42 % aus Anleihen und zu 28 % aus Aktien zusammen). Die schlechteste 12-Monats-Performance dieses Portfolios beträgt -13 %.
Abbildung 2: Optimale Goldanteile

Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum von Januar 1973 bis September 2024. Die Berechnungen beruhen auf monatlichen Renditen in USD. Das Portfolio wird halbjährlich neu gewichtet. Aktien werden durch den MSCI World Gross Total Return Index und Anleihen durch den Bloomberg Barclays US Treasury Total Return Index abgebildet. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die obigen Zahlen enthalten Backtesting-Daten. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Unsere Umfrage weist darauf hin, dass der durchschnittliche Goldanteil nur 5,42 %5, beträgt und damit weit unter dem Optimum für die Maximierung der Sharpe-Ratio liegt. Tatsächlich halten weniger als 14 % der befragten Anleger genug Gold, um ihre Sharpe-Ratio zu maximieren (unter der Annahme, dass Aktien und Anleihen die Hauptpfeiler ihres Portfolios sind).
Absicherung von Risiken
Wir haben festgestellt, dass Anleger Gold zur Absicherung gegen verschiedene Risiken halten. Wie aber nimmt der Markt diese Risiken heute wahr und wie könnten sie sich entwickeln?
Finanzmarktrisiken
Verschiedene Kennzahlen messen die Nervosität der Märkte, darunter der VIX7 und der MOVE8 sowie direkte Anlegerumfragen. Gegenwärtig weist keine dieser Kennzahlen auf eine unmittelbare Besorgnis hin. Risiken können jedoch schnell eskalieren, wie im August 2024 zu sehen war, als die Abwicklung von Yen-Carry-Trades auf den globalen Finanzmärkten Ängste auslöste.
Da mehrere Aktienindizes Allzeithochs erreicht haben – und die Sorge besteht, dass diese Gewinne stark konzentriert sind – suchen viele Anleger nach Möglichkeiten, sich gegen eine mögliche Kehrtwende abzusichern. Gold ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Instrument.
Wirtschaftliche Risiken
Die Weltwirtschaft hat sich im vergangenen Zyklus als widerstandsfähig erwiesen; die Wahrscheinlichkeit einer Rezession im nächsten Jahr wird als gering eingeschätzt9. Die politische Ungewissheit stellt für viele Anleger jedoch nach wie vor ein großes Problem dar.
In den USA geht eine neue Regierung an die Macht, die sich stark auf die Handelspolitik konzentriert. Sollte der designierte Präsident Trump neue Zölle verhängen, anstatt sie als Verhandlungsinstrument einzusetzen, könnte dies das globale Wirtschaftswachstum infrage stellen. In diesem Szenario könnte Gold als bevorzugte Anlage zur Absicherung gegen diese Risiken dienen.
Geopolitische Risiken
Zunehmende geopolitische Spannungen wirkten im Jahr 2024 unterstützend für den Goldpreis. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine und die Konflikte zwischen Israel, der Hamas und der Hisbollah beherrschten die Sorgen der Anleger. Zuletzt brachte der Sturz des Assad-Regimes in Syrien Unsicherheit mit sich, insbesondere für Russland, einen wichtigen Verbündeten Assads. Die Zukunft der russischen Militärstützpunkte in Syrien ist daraufhin ungewiss, was die Sorge vor einer möglichen Eskalation schürt.
Im November 2024 setzte die Ukraine von den USA und dem Vereinigten Königreich gelieferte Langstreckenraketen ein, was zu Vergeltungsschlägen seitens Russlands führte. In Verbindung mit Änderungen an der russischen Nukleardoktrin bleibt die Furcht vor einer weiteren Eskalation bestehen.
Der designierte Präsident Trump hat eine rasche Lösung des Russland-Ukraine-Konflikts versprochen. Allerdings scheint es unwahrscheinlich, dass dies ohne erhebliche Zugeständnisse seitens der Ukraine und der NATO erreicht werden kann. Daher könnten die geopolitischen Risiken fortbestehen.
Iran, ein weiterer wichtiger Unterstützer des Assad-Regimes, befindet sich in einer ähnlich prekären Lage. Die Schwächung von Hamas, Hisbollah und der Assad-Allianz untergräbt den regionalen Einfluss des Iran. Außerdem könnten die USA verschärfte Sanktionen gegen den Iran verhängen, was unvorhersehbare Reaktionen aus Teheran auslösen könnte.
Obwohl die spekulative Positionierung in Gold-Futures leicht zurückging – von über 300.000 Kontrakten (netto) Anfang Oktober 2024 auf aktuell knapp unter diesem Niveau – könnten die anhaltenden geopolitischen Spannungen die Positionierung wieder ansteigen lassen.
Fazit
Professionelle Anleger betrachten Gold zu Recht als eine Absicherung gegen Inflation, Turbulenzen an den Finanzmärkten, wirtschaftlichen Stress und geopolitische Unruhen. Auch wenn einige dieser Risiken bei Anlegern heute möglicherweise nicht an erster Stelle stehen, ist die Absicherung gegen die potenzielle Eskalation von Tail-Risiken von großem Wert.
Wir stimmen auch mit der Überzeugung der befragten Anleger überein, dass Gold ein ausgezeichneter Portfoliodiversifikator ist. Unsere Analyse bestätigt, dass die Beimischung von Gold in Portfolios die Gesamtergebnisse verbessert, d. h. zu höheren Renditen führt und gleichzeitig ein effektives Risikomanagement ermöglicht.
Wie können Anleger die Chance wahrnehmen?
WisdomTree bietet Anlegern verschiedene Lösungen für Investitionen in Gold: von börsengehandelten Goldprodukten mit physischer Unterlegung bis hin zu Short- und Leveraged-Engagements in Gold. Börsengehandelte, physisch unterlegte Gold-Rohstoffe (Exchange-Traded Commodities, ETCs) ermöglichen ein einfaches, kostengünstiges Engagement in Goldbarren, die bei renommierten, hochsicheren Verwahrern in Tresoren in London oder Zürich gelagert sind.
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Sources
1 WisdomTree, Pan-European Professional Investor Survey, Juni–Juli 2024, Umfrage unter 800 Teilnehmern, durchgeführt von Censuswide.
2 Ebd.
3 Die Sharpe-Ratio vergleicht die Rendite einer Anlage mit ihrem Risiko. Sie ist ein mathematischer Ausdruck für die Einsicht, dass Überschussrenditen über einen bestimmten Zeitraum hinweg eher ein Zeichen für mehr Volatilität und Risiko als für Anlagekompetenz sein können.
4 Ein ähnliches Risikokonzept wie bei Drawdowns, wir betrachten jedoch nicht die Wertentwicklung vom Höchst- bis zum Tiefststand, sondern konkrete 12-Monats-Rückgänge.
5 WisdomTree, Pan-European Professional Investor Survey, Juni–Juli 2024, Umfrage unter 800 Teilnehmern, durchgeführt von Censuswide.
6 Ebd.
