In Bitcoin anlegen: Umgang mit Volatilität und Transparenz
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Bitcoin-Perpetual-Futures eignen sich für Anleger, die mit einer kleinen Zahlung auf den Bitcoin-Kurs spekulieren wollen, ohne sich um bestimmte Verfallstermine kümmern zu müssen.
- Die Preisvolatilität von Bitcoin und die häufigen Zahlungen von Finanzierungsraten können Anleger in Bitcoin-Perpetual-Futures schnell dazu zwingen, ihre Positionen zu liquidieren.
- Bitcoin-ETPs sind besser geeignet für Anleger mit einem langfristig positiven Ausblick für den Bitcoin-Kurs, da es bei ihnen keine Überraschungszahlungen gibt.
Bitcoin-ETPs (börsengehandelte Produkte) sind Anlagevehikel, die Anlegern Klarheit über die jährlich zu zahlenden Gebühren (d. h. die Verwaltungskostenquote) verschaffen. Die überwiegende Mehrheit der Bitcoin-ETPs ist 1:1 physisch mit Bitcoin unterlegt, die in getrennten Konten bei der Verwahrstelle in „Cold Storage“ gehalten werden.
Im Jahr 2024 erkannten verschiedene Regulierungsbehörden dies an und erlaubten die Notierung von Bitcoin-ETPs in Ländern wie den USA, dem Vereinigten Königreich, Australien und Hongkong. Diese Notierungen resultierten in einer wachsenden Akzeptanz bei institutionellen Anlegern, da Anleger in Bitcoin investieren können, ohne dass die mit direkten Bitcoin-Investitionen verbundenen Compliance- und Technologiekosten anfallen.
Bitcoin mit Leverage handeln
Die meisten Anleger ziehen es vor, langfristig und ohne Hebelwirkung in Bitcoin zu investieren, doch andere vertreten eine abweichende Meinung. Die beliebteste Art, Bitcoin mit Leverage zu handeln, ist der Handel mit Bitcoin-Derivaten wie Futures und/oder Optionen. Zur Verdeutlichung:
- Futures sind Kontrakte, die den Preis festlegen, zu dem Bitcoin an einem bestimmten Tag in der Zukunft verkauft/gekauft werden.
- Optionen sind Verträge, die Anlegern die Möglichkeit geben, Bitcoin zu einem vorher festgelegten Preis in der Zukunft zu kaufen oder zu verkaufen.
Leverage erhöht zwar die Gewinne, vergrößert aber auch mögliche Verluste. Das liegt daran, dass die Hebelwirkung Anlegern den Handel mit Kontrakten von größerem Wert bei geringen Vorabzahlungen ermöglicht. Beim Handel mit Futures beispielsweise muss ein Anleger eine Einlage leisten:
- Ersteinschuss, der erforderlich ist, um eine Futures-Position zu eröffnen
- Mindesteinschuss, der für die Aufrechterhaltung einer offenen Position erforderlich ist
In manchen Fällen sind Bitcoin-Händler mit gehebelten Long-Positionen gezwungen, Bitcoin zu verkaufen und/oder ihre Positionen aufzulösen, um die Einschussanforderungen zu erfüllen, wenn der Bitcoin-Preis fällt. Das kann den Kurs von Bitcoin weiter nach unten treiben und dazu führen, dass andere Anleger handeln müssen. Abbildung 1 veranschaulicht dieses Konzept. Wie zu erwarten, überwiegen die Long-Liquidationen, wenn der Bitcoin-Kurs fällt.
Abbildung 1: Long-Liquidationen von Bitcoin-Futures überwiegen

Quelle: GlassNode. 1. Oktober 2024. Das Übergewicht der Long-Liquidationen wird berechnet als (Long-Liquidationen)/(Long-Liquidationen + Short-Liquidationen). Werte über 50 % bedeuten, dass mehr Long-Positionen aufgelöst wurden. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Bitcoin-Perpetual-Futures
Während herkömmliche Futures-Kontrakte einen festen Verfallstermin haben, ist dies bei Perpetual-Futures nicht der Fall – Anleger können sie auf unbestimmte Zeit halten. Mit anderen Worten: Bitcoin-Perpetual-Futures ermöglichen es Anlegern, auf den zukünftigen Bitcoin-Kurs zu spekulieren, ohne sich um bestimmte Verfallstermine kümmern zu müssen.
Herkömmliche Futures-Kontrakte nähern sich zum Fälligkeitstermin in der Regel dem Spotpreis des von ihnen abgedeckten Vermögenswerts an. Da Perpetual-Futures keinen Fälligkeitstermin haben, benötigen sie einen Mechanismus, der eine Verbindung zwischen ihnen und dem Spotpreis des von ihnen abgedeckten Vermögenswerts gewährleistet.
Die Finanzierungsrate ist der Mechanismus von Bitcoin-Perpetual-Futures; er funktioniert folgendermaßen:
- Der Long-Kontrakt zahlt den Short-Kontrakt, wenn der Perpetual-Futures-Kontrakt über dem Spotpreis liegt.
- Der Short-Kontrakt zahlt den Long-Kontrakt, wenn der Perpetual-Futures-Kontrakt unter dem Spotpreis liegt.
Abbildung 2: Finanzierungsrate für Bitcoin-Perpetual-Futures

Quelle: GlassNode. 1. Oktober 2024. Die durchschnittliche Finanzierungsrate (in %) wird von den Börsen für Perpetual-Futures-Kontrakte festgelegt. Wenn die Finanzierungsrate positiv ist, zahlen Trader mit Long-Positionen eine Gebühr an Händler mit Short-Positionen. Wenn die Finanzierungsrate negativ ist, zahlen Trader mit Short-Positionen eine Gebühr an Händler mit Long-Positionen. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Abbildung 2 zeigt, dass Trader mit Long-Positionen im bisherigen Jahresverlauf zumeist Händler mit Short-Positionen bezahlt haben. Da diese Zahlungen alle paar Stunden erfolgen (beispielsweise alle acht Stunden), können sie sich schnell aufsummieren! Hat ein Anleger beispielsweise eine Position mit einem Nominalwert von 100.000 US-Dollar und beträgt die Finanzierungsrate 0,01 %, so muss er während des Finanzierungszeitraums, der bis zu acht Stunden betragen kann, 10 US-Dollar (Berechnung: 100.000 US-Dollar x 0,01 %) zahlen.
Bitcoin-Long-Liquidationen
Es ist allgemein bekannt, dass Bitcoin eine hohe Volatilität aufweist. Wenn der Preis von Bitcoin fällt, geraten Anleger mit Long-Positionen in Bitcoin-Perpetual-Futures unter Druck, und einige müssen ihre Positionen auflösen. Zum Beispiel verzeichnete Bitcoin am 30. September 2024 eine Preiskorrektur von -3,7 %1 und am 1. Oktober 2024 von -3,7 %2. Wie Abbildung 3 (unten) darstellt, wurden in diesen beiden Tagen Long-Positionen in Bitcoin-Perpetual-Futures im Wert von fast 175 Millionen US-Dollar liquidiert.
Abbildung 3: Bitcoin-Long-Liquidationen in Mio. USD
Quelle: CoinGlass. 1. Oktober 2024. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
An diesen beiden Tagen wurde der größte Betrag seit dem 6. September 2024 liquidiert, als Long-Positionen in Bitcoin-Perpetual-Futures im Umfang von 84,6 Millionen US-Dollar3 aufgelöst wurden. An diesem Tag erfuhr Bitcoin eine Preiskorrektur von -4,0 %4.
Fazit
Wie oben erläutert, legen einige Anleger mittels Perpetual-Futures in Bitcoin an. Dieser Ansatz begrenzt zwar die Höhe der Erstinvestition, dennoch sind Anleger der Volatilität und den häufigen Zahlungen von Finanzierungsraten von Bitcoin ausgesetzt, die sich sehr schnell aufsummieren können.
Für die meisten Anleger mit einem positiven Ausblick für den Bitcoin-Kurs eignen sich Bitcoin-ETPs besser als Anlageinstrumente, da die Gebühren, die die Anleger zu zahlen haben, völlig transparent sind.
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1 Quelle: GlassNode. 2. Oktober 2024
2 Quelle: GlassNode. 2. Oktober 2024
3 Quelle: GlassNode. 1. Oktober 2024
4 Quelle: GlassNode. 2. Oktober 2024
