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Technologische Entwicklung

Aufholjagd der Elektrofahrzeuge

08. Apr 2019
Aneeka Gupta, Associate Director of Research


Die Automobilbranche erfährt derzeit eine radikale Transformation. Der Wandel wird durch strikte globale Bestimmungen zu Fahrzeugemissionen und rapide technologische Fortschritte vorangetrieben. Während die globalen Verkaufszahlen von traditionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren zurückgehen, steigen sie bei Elektrofahrzeugen. 2018 wurden weltweit insgesamt 2,1 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft. Sie übertrafen damit die Durchdringungsrate von 2,3 % auf dem PKW-Markt. Der globale Elektrofahrzeugmarkt wächst schnell. Er versechsfachte sich seit 2013 und verdoppelte sich seit 2015. Der Anteil rein batteriebetriebener Elektrofahrzeuge belief sich auf 68,1 %. Darauf folgten Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeuge mit 31,7 % und Brennstoffzellenfahrzeuge mit nur 0,2 %. Die Dominanz batteriebetriebener Elektrofahrzeuge im Vergleich zu Plug-in-Hybridfahrzeugen zeigt, dass Verbraucher die Ära elektrischer Mobilität besser angenommen haben.  

 

Abbildungen 1a und 1b: Weltweite Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen nach Region und Typ 2018 

 

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Stand: 22. März 2019, Geschäftsschluss.

 

Ein Großteil des Wachstums im Jahr 2018 ging von dem Land mit den weltweit größten Treibhausgasemissionen aus: China, dessen Anteil am globalen Elektrofahrzeugmarkt sich nun auf 55 % beläuft. Der Verband der chinesischen Automobilhersteller CAAM erwartet, dass 2019 weitere 1,6 Millionen mit neuen Energien angetriebene Fahrzeuge verkauft werden. Immerhin stellen sie einen wichtigen Bestandteil der Umweltpolitik der chinesischen Regierung dar. Die Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen in den USA stiegen vergangenes Jahr um 82 %, was auf die erfolgreiche Markteinführung von Teslas Model 3 zurückzuführen war. Die europäischen Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen verzeichneten 2018 wegen der negativen Auswirkungen des weltweit harmonisierten Prüfverfahrens für leichte Nutzfahrzeuge (WLTP) mit 33 % ein niedrigeres Wachstum1. Nordische Länder wie Schweden, Finnland und Island haben hinsichtlich der Nutzung von Elektrofahrzeugen große Fortschritte erzielt. Norwegen bleibt dank seiner Förderung eines Massenmarkts für Elektrofahrzeuge an der Spitze und bietet ein perfektes Beispiel dafür, wie die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in Industrieländern in den nächsten fünf bis zehn Jahren ablaufen könnte. Wenn das derzeitige Wachstum anhält, können Hersteller von Elektrofahrzeugen ihre Ergebnisse bis 2020 möglicherweise fast vervierfachen und einen Wert von 4,5 Millionen Fahrzeugen erreichen. Laut McKinsey & Co würden auf sie dann etwa 5 % des globalen Markts für leichte Nutzfahrzeuge entfallen. 

 

Technologische Fortschritte fördern Nutzung von Elektrofahrzeugen

 

Technologische Verbesserungen der Batterien von Elektrofahrzeugen in Bezug auf Dichte, Chemie und Rohstoffverbrauch senken die Batteriekosten und werden voraussichtlich dafür sorgen, dass die Kosten von Elektrofahrzeugen bis 2025 konkurrenzfähig mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor sein werden. 2013 konnte ein durchschnittliches Elektrofahrzeug 130 bis 145 Kilometer zurücklegen. Heute kann ein voll aufgeladenes batteriebetriebenes Elektrofahrzeug im Durchschnitt 240 bis 400 Kilometer weit fahren. Auch die Ladedauer von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen wurde von 40 bis 60 Minuten im Jahr 2010 auf 20 bis 45 Minuten im Jahr 2019 reduziert. Dies hilft, eine wichtige Hürde zu überwinden: die Sorge bezüglich der Reichweite, die Verbraucher davon abhält, Elektrofahrzeuge zu kaufen.  

 

Abbildung 2: Geplante Batterieproduktionskapazität der zwölf größten Batteriehersteller weltweit

 

Quelle: Frost & Sullivan, WisdomTree, Stand: 22. März 2019, Geschäftsschluss.

Prognosen sind kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und Anlagen jeglicher Art unterliegen Risiken und Unsicherheiten.

 

Auch die Ladeinfrastruktur verbessert sich. Die Batterieproduktionskapazität in China verzeichnet einen sprunghaften Anstieg. Sie wird voraussichtlich von 15 GWh (Gigawattstunden) im Jahr 2016 auf 110 GWh im Jahr 2020 steigen. Auch Europa wird seine Lieferkette für nachhaltige Batterien allem Anschein nach ausbauen. Die EU-Kommission kündigte im Oktober 2018 an, dass 100 Mrd. Euro in Kapazitäten für die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien investiert werden. Die EU-Kommission geht zudem davon aus, dass mit weiteren 50 Mrd. Euro das Ziel erreicht werden kann, mit der Produktion von Lithium-Ionen-Batterien innerhalb der EU die steigende regionale Nachfrage nach Elektrofahrzeugen zu decken. 

 

Regulierung bleibt Eckpfeiler elektrischer Mobilität 

 

Großzügige Subventionen und strenge Vorschriften haben einen erheblichen Teil zum Wachstum von Elektrofahrzeugen beigetragen. Wir gehen allerdings davon aus, dass die Anreize und Subventionen allmählich auslaufen werden und die Regulierung weltweit ihre zentrale Bedeutung für die Nutzung von Elektrofahrzeugen beibehalten wird. Die chinesische Regierung scheint jedenfalls erpicht darauf zu sein, den Markt unabhängiger von den seit über einem Jahrzehnt bestehenden Subventionen zu machen. Wenn die Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen wie erwartet weiter steigen, werden auch die Kosten für die Subventionen zunehmen. Infolgedessen hat China angedeutet, dass der Fokus auf Autos mit stärkerer globaler Nachfrage verlagert werden muss. Die Reichweite dient nun als zentrale Grundlage für die Höhe der ausgezahlten Subventionen. China hat seine Subventionen für Fahrzeuge mit einer Reichweite von weniger als 150 Kilometern gesenkt und wird diese Subventionen voraussichtlich bis 2020 komplett abschaffen. Für Fahrzeuge mit einer Reichweite von mindestens 400 Kilometern erhöht China die Subventionen jedoch um 10 %, um die Entwicklung von Elektrofahrzeugen weiter in die richtige Richtung zu lenken. Die staatliche Kommission für Entwicklung und Reform Chinas setzt außerdem ein Cap-and-Trade-System um, das dem in Kalifornien eingeführten Gutschriftensystem für emissionsfreie Fahrzeuge ähnelt.  

 

Europa arbeitet währenddessen an scharfen Vorschriften zur Reduzierung der Treibhausgase, um das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen. Sie sehen durchschnittliche CO2-Emissionen von 117 g/km bis 2021, eine weitere Senkung um 15 % bis 2025 und eine Reduzierung um 37,5 % für Neufahrzeuge bis 2030 vor.   

 

Im Gegensatz zum Rest der Welt waren die Maßnahmen der US-Regierung im vergangenen Jahr uneinheitlich. Der bundesweite Steuernachlass für Elektrofahrzeuge besteht zwar weiterhin, aber gemäß dem jüngsten Steuergesetz gilt er nur mehr für die ersten 200.000 Plug-in-Elektrofahrzeuge, die von einem Hersteller verkauft werden. Sobald der Schwellenwert erreicht ist, gibt es keine Anreize mehr. Die USA stiegen nicht nur aus dem Pariser Klimaabkommen aus. Im April 2018 beabsichtigte die Trump-Regierung zudem, zukünftige Standards für die Treibstoffeffizienz zum ersten Mal seit ihrer Einführung im Jahr 1975 zu schwächen. Die von dem kalifornischen Gouverneur Jerry Brown und dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg angeführte Bewegung America‘s Pledge drängt jedoch Städte, Bundesstaaten, Unternehmen und Universitäten dazu, sich zur Senkung der Emissionen zu verpflichten. 

 

Abbildung 3: Führende Elektrofahrzeugmärkte werden von strengeren Regulierungen und großzügigen Subventionen unterstützt

  

Quelle: Oliver Wyman, WisdomTree, Stand: 22. März 2019, Geschäftsschluss

 

Fazit

 

Wir erwarten, dass das rapide Tempo der Innovationen im Bereich der Batterietechnologien und die strengeren Regulierungen die massenhafte Verbreitung von Elektrofahrzeugen beschleunigen werden. Wenn die Nutzung von Elektrofahrzeugen Fahrt aufnimmt, wird dies weitreichende Auswirkungen auf Rohstoffe haben. Wir gehen davon aus, dass Rohstoffe wie Nickel, Kupfer, Silber und kleinere Elemente wie Kobalt und Lithium von der stärkeren Nutzung von Elektrofahrzeugen profitieren werden. Darauf werden wir im zweiten Teil unseres Blogs näher eingehen.  

 

1 Das weltweit harmonisierte Prüfverfahren für leichte Nutzfahrzeuge (WLTP) wird eingesetzt, um den Treibstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und die Schadstoffemissionen von PKWs zu messen.

 

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