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Geopolitische Risiken

Vier defensiv ausgerichtete Strategien für 2019

22. Jan 2019
Christopher Gannatti , Head of Research


Hauptsächlich von US-Aktien angeführt, haben sich die globalen Märkte seit der weltweiten Finanzkrise von 2008–09 recht stark entwickelt. Die USA bewegen sich auf die nun fast längste wirtschaftliche Wachstumsperiode seit dem 2. Weltkrieg zu. Dies veranlasst die Investoren zu Beginn des Jahres 2019, sich darüber Gedanken zu machen, was im Fall einer Rezession tatsächlich passieren könnte. Wichtig ist hierbei, dass die Volatilitätskennzahlen gegenüber dem Jahresbeginn 2017 bzw. 2018 auf ein insgesamt erhöhtes Risikoniveau schließen lassen. 

 

Unter solchen Bedingungen machen sich die Investoren unseres Erachtens Gedanken darüber, wie sie ihre Investmentstrategien defensiver ausrichten könnten. Es könnte aber immer noch gute Gründe für das Halten riskanter Anlagen geben, da es auch zu einem späten Zeitpunkt im Zyklus noch zu Rallys kommen kann. Die Abmilderung des Abwärtsrisiko könnte nun jedoch in den Vordergrund rücken.

 

Hierbei berufen wir uns auf die uralte Investmentweisheit: Wenn ein Portfolio mehr als 50 % seines Werts verliert, wie hoch ist dann die erforderliche Rendite, um diesen Verlust wettzumachen? Obwohl viele diese Frage zunächst mit 50 % beantworten, lautet die korrekte Antwort 100 %. Deshalb können Strategien mit dem Potenzial, in schwierigeren Märkten weniger negative Renditen zu erwirtschaften, recht wertvoll sein. 

 

Bei WisdomTree denken wir hierbei an vier wichtige Methoden, um das Risiko abzumildern, dass eine bestimmte Strategie bei einem Abschwung starke Verluste erleiden könnte. Leider funktionieren diese nicht immer alle gleich gut und es gibt keine Garantie dafür, dass sie im Fall jedes Marktabschwungs funktionieren, trotzdem sollte man sie im Hinterkopf behalten.

 

Strategie 1: Historisch niedrige Bewertungen aufspüren

 

Wenn die Investoren auf sehr niedrige Bewertungen stoßen, die sich teilweise sogar auf historischen Tiefstständen befinden, kann es sich dabei um ein wichtiges Signal handeln, dass ein Großteil des Risikos, das möglicherweise die Schlagzeilen dominiert, bereits eingepreist wurde. Anders gesagt: Alle Gründe zur Sorge haben bereits einen Abschwung auf dem jeweiligen Markt verursacht. In Abwesenheit weiterer, neuer und überraschender negativer Entwicklungen würde es diesem Markt deshalb schwerfallen, noch weiter nachzugeben. Diese Art von Strategie wird in der Regel mit antizyklischem Investieren (Contrarian-Strategie) in Verbindung gebracht.

 

Mögliche Märkte für diesen Ansatz: Schwellenmärkte, italienische Aktien – insbesondere aus dem italienischen Finanzsektor – und japanische Aktien. 

 

Strategie 2: Aktien mit hoher Dividendenrendite aufspüren

 

Ein Aspekt dieser Strategie besteht darin, dass bei Aktien immer ein Dividendenanteil und ein Preisanteil in die Berechnung der Gesamtrendite einfließen. Der Dividendenanteil ist im schlechtesten Fall Null, wenn also keine Dividende ausgeschüttet wird, wohingegen der Preisanteil positiv, Null oder negativ sein kann. Bei einer auf Aktien mit hohen Dividenden fokussierten Strategie verschiebt sich die Generierung der Gesamtrendite hin zu Dividenden und weg von den Kursen. Da der Dividendenanteil an der Rendite weniger volatil ist, bietet dies im Rahmen einer Aktienstrategie eine Möglichkeit zur Senkung des Risikos. 

 

Der andere Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt, bezieht sich auf die Tatsache, dass Aktien mit höheren Renditen tendenziell in eher defensiv aufgestellten Sektoren, z. B. im Bereich der Versorgungsbetriebe, zu finden sind. Eine Orientierung des Engagements in Richtung dieser Sektoren bietet eine weitere potenzielle Möglichkeit, um das Gesamtrisiko einer Aktienstrategie zu senken.  

 

Mögliche Märkte für diesen Ansatz: Schwellenmarktaktien, europäische Aktien und US-Aktien.

 

Strategie 3: Anlagen verkaufen, bei denen Preis und Volatilität positiv korreliert sind

 

Wenn wir uns von der Geschichte leiten lassen, stellen wir fest, dass Kennzahlen wie der Cboe Volatility Index (VIX) typischerweise steil nach oben gehen, wenn sich die Aktienmärkte in stark negative Phasen begeben. Der VIX erfüllt eine wichtige Signalfunktion, da er die zukunftsbezogenen Erwartungen an die künftige Volatilität des S&P 500 angibt. Ist der VIX erhöht, bedeutet dies, dass die zukunftsbezogenen Erwartungen an die Volatilität ebenfalls höher ausfallen. Die Kurse von bestimmten Anlagen wie Put-Optionen, denen der S&P 500 als Index zugrunde liegt, steigen in der Regel entsprechend eines steigenden VIX an. 

 

Es gibt eine bekannte Strategie, bei der man Put-Optionen auf den S&P 500 verkaufen und dadurch die Prämien einnehmen kann. Der Einsatz einer Strategie zur Schreibung von Put-Optionen ist natürlich direkt mit dem zugrunde liegenden Index verbunden, auf den die Optionen selbst geschrieben werden. Wenn die Prämien die Tendenz aufweisen, mit einem steigenden VIX ebenfalls zu steigen, ergibt sich daraus das Potenzial für eine Abmilderung des Abwärtsrisikos unter schwierigeren Marktbedingungen. 

 

In den USA erreichten Aktien Anfang Oktober 2018 Rekordhochs und die Bewertungen lagen gegenüber anderen weltweiten Märkten relativ hoch. Rekordkurse und hohe relative Bewertungen geben den Investoren tendenziell mehr Grund, sich um ein Abwärtsrisiko Sorgen zu machen. Diese Sorge ist unseres Erachtens ein kritischer Faktor, um eine Strategie zur Schreibung von Put-Optionen in Betracht zu ziehen.

 

 Mögliche Märkte für diesen Ansatz: US-Aktien.

 

Strategie 4: Traditionelle „sichere“ Anlagen

 

Bei jeder der drei erstgenannten Strategien wird ein Ansatz zur Senkung des Risikos eines bestimmten Engagements verfolgt – entweder direkt gegenüber Aktien oder gegenüber einer Anlage, die stark mit Aktien korreliert ist. Wir stimmen zu, dass das Halten von Aktien bei zunehmender Volatilität zu einem weniger erstrebenswerten Ansatz werden kann, unabhängig davon, ob das Risiko bei diesem Ansatz in irgendeiner Form abgemildert wird oder nicht.

 

Wenn die Volatilität steigt, weil ein erhöhtes geopolitisches Risiko wahrgenommen wird, könnte Gold eine Überlegung wert sein. Wenn sich die Investoren in der Vergangenheit um unerwartete Ereignisse Sorgen machten oder sie vom politischen Kurs eines wichtigen Landes überrascht wurden, konnte Gold im Vergleich zu Aktien mit der Erzeugung einer differenzierten Ertragsquelle in Zusammenhang gebracht werden.

 

Eine weitere Möglichkeit könnten bestimmte Währungen bieten, so z. B. der US-Dollar oder der japanische Yen. Diese Währungen haben gezeigt, dass sie bei steigender Volatilität ebenfalls im Wert steigen können.

 

Mögliche Märkte für diesen Ansatz: Gold, US-Dollar, japanischer Yen.

 

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Geopolitische Risiken, Technologische Entwicklung, Rohstoff, Aktien, USA


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