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Geopolitische Risiken

OPEC signalisiert Bereitschaft für Erhöhung der Fördermenge

14. Jun 2018
Nitesh Shah, Director, Research


Nach einem Anstieg auf über USD 80/Barrel am 22. Mai 2018 fällt der Brent-Ölpreis wieder. Das Erreichen dieser psychologischen Marke hat am Gesamtmarkt eine Frage aufgeworfen: Ist die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) mit ihren Drosselungen zu weit gegangen? Die Strategie der OPEC zum Abbau der globalen Bestände war erfolgreich. Doch muss sich das Ölkartell nunmehr sputen, die Ernte einzufahren, bevor die USA der Gruppe den Marktanteil wieder abjagen? Nachdem bei einer Zusammenkunft zwischen Saudi-Arabien und Russland am 25. Mai bestätigt wurde, dass eine Aufweichung der Produktionsdrosselung diskutiert wird, gaben die Ölpreise stark nach.

 

Abbildung 1: Brent-Ölpreis

 

Quelle: Bloomberg, WisdomTree. Daten zum Handelsschluss am 30. Mai 2018, stündliche Daten.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Anhaltspunkt für die künftige Wertentwicklung. Sie können nicht direkt in einen Index investieren.

 

Nach dem Anstieg des Ölpreises auf USD 80/Barrel waren die OPEC und ihre Nicht-OPEC-Partner gezwungen, ihre Strategie zu überdenken. Im Mai 2018 hatten die Ölpreise eine Spitze erreicht, nachdem die Förderung Venezuelas weiter rückläufig war und vom Markt allgemein erwartet wurde, dass das Damoklesschwert der – bei den Handelspartnern unbeliebten – extraterritorialen US-Sanktionen gegen den Iran das Ölangebot verringern wird. 2014 hatte die OPEC die Fördermenge erhöht, um kostenintensiven Produzenten wie den USA Marktanteile abzunehmen.  Die Rückkehr zur Steuerung des globalen Outputs 2017 hat das 2014 vorhandene Problem wieder zutage gefördert: Die OPEC verliert Marktanteile und damit Einnahmen aus dem Ölgeschäft.

 

Dass es dem 14 Mitglieder starken und zehn weitere Länder umfassenden Kartell gelang, sich derart einhellig auf ein Programm zur Produktionsdrosselung zu einigen, galt als Meilenstein. Mit Geschlossenheit hatte sich die OPEC in der Vergangenheit schwergetan, obschon der „Übereifer“ dieses Mal zu einem großen Teil auf die wirtschaftliche Implosion Venezuelas zurückzuführen war. Inzwischen spüren Saudi-Arabien und Russland den Druck, das Förderdefizit ausgleichen zu müssen, das Venezuela und der Iran hinterlassen dürften.

 

Abbildung 2: Quoteneinhaltung seitens der OPEC vor 2014 uneinheitlich

  

Quelle: Bloomberg, WisdomTree. Daten zum Handelsschluss am 30. Mai 2018.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Anhaltspunkt für die künftige Wertentwicklung. Sie können nicht direkt in einen Index investieren.

 

Abbildung 3: Einhaltung des aktuellen Deals

 

Quelle: OPEC (auf Basis sekundärer Kommunikation), WisdomTree. Daten zum Handelsschluss am 30. Mai 2018. Die Grafik zeigt das Ausmaß der Einhaltung der im November 2016 vereinbarten Drosselungen in Prozent.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Anhaltspunkt für die künftige Wertentwicklung. Sie können nicht direkt in einen Index investieren.

 

Natürlich beruht die Wiederherstellung des Marktgleichgewichts für die OPEC-Mitgliedstaaten nicht auf rein uneigennützigen Motiven. Fakt ist, dass zahlreiche OPEC-Nationen 2017 eine konjunkturelle Abkühlung verbucht haben und demgemäß auf höhere Öleinnahmen angewiesen sind, um in diesem und im nächsten Jahr eine Erholung herbeizuführen. Statt weitere Preiserhöhungen abzuwarten, ist dies für Länder, die die Fördervolumen erhöhen können, eine einfachere Strategie zur Steigerung der Einnahmen.

 

Da die USA die Förderung dieses Jahr um 1,4 Millionen Barrel pro Tag erhöhen dürften (Quelle: U.S. Energy Information Administration), muss die OPEC die Gelegenheit beim Schopf packen und den Marktanteil absorbieren, bevor die USA die Produktion so stark erhöhen, dass OPEC-Öl aus dem Markt gedrängt wird. Zum Vergleich: Im letzten Jahr wurde die US-Produktion um 0,5 Millionen Barrel pro Tag erhöht.

 

Abbildung 4: Prognose zur US-Ölförderung

 

Quelle: EIA, WisdomTree. Daten zum Handelsschluss am 30. Mai 2018.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Anhaltspunkt für die künftige Wertentwicklung. Sie können nicht direkt in einen Index investieren.

 

Auch wenn gemeinhin angenommen wird, dass sich die OPEC unter Verweis auf den fiskalischen Breakeven-Preis (Ölpreis, bei dem sich Einnahmen und Ausgaben eines Staates ausgleichen) eine Fortsetzung der Hochpreisära wünscht, ist festzustellen, dass der gegenwärtige Ölpreis in vielen Ländern über diesen Breakeven-Preisen liegt (unter anderem im Iran, dem Irak sowie in Kuwait, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten). Zahlreichen OPEC-Nationen konnten Ölpreise, die jahrelang deutlich unter den fiskalischen Breakeven-Preisen lagen, nichts anhaben. Tatsächlich hat die Ära der niedrigeren Ölpreise von 2014–2017 diesen Ländern ermöglicht, sich in Sparmaßnahmen zu üben (z. B. in der Kürzung der Subventionen für petrochemische Verbraucherprodukte) und den Fokus stärker auf die Diversifizierung ihrer Volkswirtschaften zu richten. Indes hat Saudi-Arabien unter Führung des Kronprinzen Mohammad bin Salman bin Abdulaziz al-Saud (MbS) das Projekt „Vision 2030“ angestoßen, das Wirtschaftsreformen mit Schwerpunkt auf Umstrukturierung und Diversifizierung vorsieht.

 

Abbildung 5: Fiskalische Breakeven-Preise

 

Quelle: IWF, WisdomTree. Daten zum Handelsschluss am 30. Mai 2018.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Anhaltspunkt für die künftige Wertentwicklung. Sie können nicht direkt in einen Index investieren.

 

Häufig wurde angenommen, dass Saudi-Arabien auch deswegen höhere Ölpreise will, um die angestrebte Bewertung von Saudi Aramco (die Regierung bezifferte den Wert auf USD 2 Bio.) vor deren Börsengang zu erreichen. Nach den uns vorliegenden Informationen liegt der internationale Börsengang derzeit jedoch auf Eis und der inländische Börsengang an der saudiarabischen Tadawul-Börse wird frühestens 2019 erfolgen. Für eine gleichzeitige oder nachfolgende Notierung an einer ausländischen Börse sind die Voraussetzungen derzeit nicht vorhanden. Bislang haben die saudischen Verantwortlichen nicht einmal entschieden, ob sie den Börsengang in London oder New York durchführen wollen. Es kann also nicht länger das Leitmotiv von Saudi-Arabien und der OPEC sein, aus diesem Grund die Ölpreise nach oben zu treiben.

 

Der De-facto-OPEC-Führer Saudi-Arabien und Russland, der größte Nicht-OPEC-Partner im Programm zur Produktionsdrosselung, führten am letzten Wochenende Gespräche und brachten die Idee ins Spiel, die Fördermenge um 1 Million Barrel pro Tag zu erhöhen. Angesichts der gesamten OPEC-Reservekapazität von rund 2 Millionen Barrel könnten die politischen Gespräche der Gruppe am 22. Juni in eine weitere Erhöhung der Förderung münden.

 

Abbildung 6: OPEC-Reservekapazität

 

Quelle: EIA, WisdomTree. Daten zum Handelsschluss am 30. Mai 2018.

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